lichtspiel

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rumba : 0.08 – Gestern Abend gegen 22.00 Uhr ist etwas Merk­wür­diges geschehen. Ich hatte drei Stunden vertieft an einem Text gear­beitet, da wurde ich von einer Sekunde zur anderen Sekunde von einem heftigen Glücks­ge­fühl ange­sprungen, von einem Katzen­tier, das viel­leicht schon einige Wochen in nächster Nähe gewartet hatte, um sich nun, – geschmei­diges, schnur­rendes Wesen -, wärmend um meinen Hals zu legen. stop. Was frisst dieses Tier, was trinkt es, kann es schreiben? stop. Gute Nacht. – stop.

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mrs. callas zählt schneeflocken

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marim­ba­ma­rimba : 0.01 – Wenn Mrs. Callas Schnee­flo­cken zählt, will sie jede Flocke mit ihren Zeige­fin­gern berühren. Aus der Entfer­nung betrachtet, könnte man dann meinen, Mrs. Callas würde sich mit nicht sicht­baren Engeln unter­halten, oder mit Engeln, die so klein sind, dass sie für das Licht nicht ins Gewicht fallen. Ja, wenn Mrs. Callas Schnee zu zählen wünscht, spricht sie mit ihren Händen mit der Luft. Sie ist sehr schnell in dieser Bewe­gung des Spre­chens und sie ist glück­lich, habe ich den Eindruck, ein Mädchen, wie sie am kleinen See des Palmen­gar­tens auf Zehen­spitzen steht und so herz­lich lacht, dass die Reiher ange­flogen kommen, die eigent­lich längst schon nach Afrika abge­reist sein sollten. Ich glaube, flüs­tert sie, jetzt habe ich den Über­blick verloren. Wir sind dann noch herum spaziert zwei Stunden und haben disku­tiert, was Mrs. Callas an Bord der Seatown gern tragen würde, etwas leichtes natür­lich, wegen der schwülen Hitze, die zu erwarten sein wird, weil wir uns das so ausge­dacht haben von Zeit zu Zeit, das Inventar einer Welt, die eigent­lich nicht exis­tiert.- stop

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anatomie der luft

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alpha : 0.02 – Wieder eine halbe Stunde versucht, einen sechsten Finger an meine linke Hand zu denken. Und wieder spürte ich einen sechsten Finger nur dann, wenn ich einen linken und einen rechten sechsten Finger dachte zur selben Zeit, wenn ich also beide Hände auf den Tisch legte und in meinem Kopf bear­bei­tete. stop. Eine selt­same Beob­ach­tung nach wie vor. stop. Auch, dass ich mit Duke Ellington im Kopf unver­züg­lich glaube, weitere siebte Fing­erwesen illu­mi­nieren zu können. stop. Kurz nach Mitter­nacht. stop. Leichter Schnee­fall. stop.

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feuernelken

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nordpol : 0.01 – In der vergan­genen Nacht Feuernelken geträumt, auch Wale, wie sie durch die Luft schweben, wie sie am Fenster meines Arbeits­zim­mers vorüber kommen. Manchmal hielt einer der Luft­wale an und spähte zu mir herein und ich dachte, sie lächeln viel­leicht. Ich bin dann doch noch aufge­wacht und habe gear­beitet und sehr ernst­hafte Gespräche mit meinem Fern­seh­ap­parat geführt, weil er sich immer wieder einschalten wollte und bewegte Bilder zeigen von einem Krieg, dessen sofor­tiges Ende ich für alle unschul­digen Menschen dort sehr drin­gend erhoffe. Die Gravi­ta­tion der Wut, der Verzweif­lung, der Trauer, die weiteres Schweigen und weitere Bewaff­nung erzeugt.

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flimmern

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sierra : 6.15 – Ich hatte mein Fern­seh­gerät für einen kurzen Moment einge­schaltet, das heißt, ich wollte für eine Minute, gewiss nicht länger, nach­sehen, was sich gerade ereignet, sagen wir, aus der Entfer­nung betrachtet nahe und in der Stadt Gaza. Nach fünf Stunden hatte ich den Apparat noch immer nicht ausge­schaltet, weshalb ich an diesem vor Kälte knis­ternden Morgen keine schreib­baren Gedanken, als diese Gedanken, notieren kann. Und nun sollte ich doch viel­leicht aner­kennen, dass ich mich heute Nacht verloren habe. Was ist eigent­lich in meinem Kopf ange­kommen? Was habe ich gesehen? Was habe ich gehört? Warum habe ich nichts gedacht? Oder habe ich doch etwas gedacht? Was habe ich gefühlt? Warum habe ich das Fern­seh­gerät nicht ausge­schaltet? Was ist das eigent­lich, dieser flache Schirm in meiner nächste Nähe, der mir Welt vorspielt wie sie ist und wie sie nicht ist zur glei­chen Zeit? Was machen die Vögel vor meinem Fenster? Sie sind sie viel­leicht alle gefroren und von den Bäumen gefallen? Guten Morgen. stop. Gute Nacht. stop.

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ein bauch voll licht

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alpha : 0.01 – Kurz nach Mitter­nacht, also Nach­mittag. Ich habe gerade eine Tasse heißer Scho­ko­lade getrunken, und wie immer, wenn ich Scho­ko­lade getrunken habe, meine ich, vom Licht uralter Glüh­birnen genascht zu haben. Jetzt stehe ich mit einem warmen Bauch voll Licht vor einem Fenster, hinter dem polare Kälte knis­tert. Ja, eine ange­nehme Nacht ist ange­bro­chen. Ich könnte gleich eine Reise beginnen. Ich stelle mir eine Lese­zeit wie eine Reise­zeit vor? Ich setze mich auf mein Sofa, öffne ein Buch gesam­melter Geschichten, sagen wir, gesam­melter Geschichten aus aller Welt, und lese. Ich lese fünf Stunden, ohne einzu­schlafen, weil die Geschichten, die ich lese, gute Geschichten sind. Dann trinke ich Kaffee und laufe ein wenig in der Wohnung herum. Dann schlafe ich. Dann lese ich weiter. Dann schlafe ich wieder. Habe ich ausrei­chend Wasser, Enten, Brot für eine Woche?

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luftfische

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tango : 0.01 – Eine Nacht konzen­trierter Arbeit. stop. Beginne Callas Box 2.0 zu montieren. stop. Tausende Bewe­gungen meiner Hände. stop. Im Zeit­raffer, die Bewe­gungen einer Nähma­schine. stop. Click tick tick tick. stop. Jeder Bewe­gung geht ein prüfender Blick voraus. stop. Jeder voll­zo­genen Bewe­gung folgt ein prüfender Blick. stop. Ich weiß, dass ein nicht sofort entdeckter Fehler im Code, Stunden der Suche bedeuten würde. stop. Heiße Scho­ko­lade. stop. Immer wieder einmal aufstehen und spazieren gehen. stop. Leichte elek­tri­sche Entla­dungen der Luft. stop. Als würden mich luft­schwe­bende Fische küssen. stop.

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lichtzeitmaschine

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romeo : 0.01 – Glüh­birnen sammeln für 500 Jahre Glüh­fa­den­licht. stop. Dazu Hand­kur­bel­ma­schinen zur Strom­erzeu­gung. stop. Denkbar, dass ich den Ursprung einer wilden Geschichte entdeckte, während ich gestern Nach­mittag schla­fend durch den Palmen­garten spazierte. stop. Verrückt sein. stop. Eine lite­ra­ri­sche Geschichte ins wirk­liche Leben ziehen. stop. Seit Stunden nun geis­tert das Wort Menlo­park durch meinen Kopf. stop. Ahne, woher das schöne Wort gekommen ist. stop. Wie lange Zeit, bei güns­tigsten Witte­rungs­be­din­gungen, leuchtet eine 60 Watt Glüh­lampe? stop.

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yanuk : hört zupfende geigen

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marimba

~ : yanuk le
to : louis
subject : GEIGEN
date : jan 12 09 6.52 a.m.

Dämme­rung. Und doch schon warme, weiche, ja schmei­chelnde Luft. Werde einige Wochen hier auf Höhe 51O verweilen. Bin glück­lich. Mehr­fach während eines Tages passiert das Mädchen, von dem ich berich­tete mit einem rasselnden Geräusch, das viel­leicht eine Sprache darstellen sollte, unser Habitat. Eine fabel­hafte Klet­terin! Entweder ist sie leicht wie eine Feder, oder aber sie verfügt über außer­or­dent­liche Muskel­kräfte. Kein Tag, seit sie auf uns gestoßen ist, an dem sie nicht aus den Schatten der Blätter und Blüten tauchte, um bewe­gungslos für lange Zeiten mittels eines Armes an einem Ast befes­tigt vor uns über dem Abgrund zu schweben. Sie scheint in dieser Haltung doch zu schlafen. Ein selt­sames Wesen! Gespro­chen haben wir bislang noch nicht, kein verständ­li­ches Wort kam über ihre Lippen, aber sie lauscht meiner Stimme, indem sie den Kopf zu Seite neigt, wenn ich etwas sage, wenn ich erzähle, zum Beispiel, von Dir erzähle, und dass ich für Dich Gedanken und Beob­ach­tungen notiere aus dem Gebiet der Riesen­bäume. Auch in diesen Sekunden, lieber Mr. Louis, ist sie hier bei uns. Sie muss vor kurzem noch, während eines Jagd­aus­fluges, den Erdboden betreten haben. Der leblose Körper eines Kanin­chens baumelt über ihrer linken Schulter. Denkbar, dass wir bald ein Geschenk erhalten werden. Cucur­rucu – Yanuk

einge­fangen
6.55 UTC
1875 Zeichen

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herzschrittmacher

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echo : 0.01 – Wunder­barer Abend. stop Nichts anderes ist zu tun, als in Callasbox Zeilen aufzu­spüren, die meinem Rhythmus nicht folgen wollen. stop. 80733 Zeichen. stop Einmal wollte ich durch einen Präpa­rier­saal wandern und Herz­schritt­ma­cher sammeln. stop Kleine, ölige Maschinen. stop Selt­same Geschichte. stop

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feuerbäume

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nordpol : 2.15 – Im Süden, in den Bergen, liegt ein Tal in großer Höhe, eine Hoch­ebene, die dicht von Ahorn­bäumen bewachsen ist. Jedes Jahr im Herbst möchte man meinen, ein großes Feuer sei im Tal unter den Bäumen ausge­bro­chen, eine Feuers­brunst, die nicht nur alle die verwit­terten Bäume verschlingen wollte, sondern gleich noch ein paar Berg­gipfel und Dörfer dazu. Aber das ist natür­lich Unsinn, die Luft ist für ein wirk­li­ches Feuer viel zu kalt und die Wiesen unter den Bäumen sind saftig und feucht. Libellen, schon langsam geworden, fliegen auf und ab. Sie ahnen den Winter, wie die Sumpf­dot­ter­blumen, die morgens nur noch sehr selten aufstehen wollen. Nichts Aufre­gendes also in dieser Land­schafts­be­schrei­bung. Alles das kommt vor in den Bergen, auch Schulen blut­junger Kentauern, die in der Dämme­rung vergeb­lich nach Hasen jagen. Wenn da nicht jene selt­samen Pilze wären, die noch ohne Namen sind, weil man sich bisher nicht einigen konnte, ob sie nun tatsäch­lich noch Pilze oder nicht doch schon ganz andere Wesen sind. Solange das Sonnen­licht ins Tal einfallen kann, verste­cken sie sich zwischen den Gräsern der Berg­wiese in Gestalt der Boviste, sobald es aber dunkel geworden ist, ich kann ihnen sagen, fliegen sie los. Sie entfalten Schirme von unglaub­li­cher Größe und leuchten in zitro­nen­gelber Farbe und schweben stun­den­lang und völlig lautlos dicht über die Kronen der Ahorn­bäume dahin. Was haben Pilze dort oben am Himmel verloren? Und wie finden sie wieder zurück auf die Erde? Warum über­haupt kommen sie zurück? Selt­same Substanzen. Ich muss das im Auge behalten. – Es ist jetzt kurz nach 2 Uhr. Eigent­lich hatte ich vor, einen kleinen Brief an Kenzaburo Oe zu schreiben, um ihm mitzu­teilen, dass Mrs. Callas gestern in den frühen Morgen­stunden nun endgültig abreisen konnte, dass sie für mich wieder zu reinen Schrift­zei­chen geworden ist. Für diesen Brief ist es jetzt zu spät. Werde morgen eine Depe­sche notieren.

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kukkuruku

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kukku­ruku : 18.10 – Ich mag die Gegen­wart nicht in gegen­wär­tigen Wörtern erzählen. stop. Wenn ich die Gegen­wart erzähle, verwende ich Wörter einer alten Zeit. stop. Warum? stop. Glüh­lampe. stop. Vor den Fens­tern ists dunkel geworden. stop. Nach 6 Stunden vor der Schreib­ma­schine werden anstatt Wörtern, noch Satzstempel aufs Papier gesetzt. stop.

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Geraldines Sommerhut

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ulysses

~ : geral­dine
to : louis
subject : MEIN SOMMERHUT

Ahoi, Mr. Louis! Heute ist ein ganz beson­derer Tag. Ich fühle mich wie neuge­boren. Ja, wie neuge­boren. Als ich gestern erwachte, saß der Doktor an meinem Bett. Ich hörte seine Stimme. Er sagte, ich glaube Geral­dine wird wach. Und als ich die Augen aufge­macht habe, lachte der Doktor und Mama lachte auch. Sie erzählten mir, dass ich zwei Tage geschlafen habe und ich weiß nicht warum ich solange Zeit geschlafen habe. Wenn Sie mich jetzt doch nur sehen könnten, Mr. Louis, wie ich in meinem Korb­stuhl am Bug des Schiffes sitze und das helle Haar schäu­menden Wassers betrachte, das wir hinter uns her ziehen. Ich trage meinen Sommerhut, den ich so sehr liebe und ich hoffe, dass er mir nicht davon fliegen wird. Es ist heute sehr windig, müssen Sie wissen. Wie ich diesen Wind doch mag, seinen Duft. Aber das Schönste ist, dass ich ganz bunt bin im Gesicht. Mama hat mich geschminkt und jetzt sitze ich da und versuche meinen Mund nicht zu bewegen, damit mir die feine rote Farbe nicht verrutscht. Viel­leicht wollen Sie wissen, warum ich mich geschmückt habe? Das will ich Ihnen gerne erzählen. Ich habe vor, meinen kleinen Steward heute noch nach seinem Namen zu fragen. Immerhin weiß er meinen Namen und deshalb habe ich wohl das Recht, auch seinen Namen zu wissen. Ich kann ihn sehen, während ich diesen Brief an Sie schreibe. Er arbeitet auf dem Unter­deck und ich sitze hier oben und schaue mit pochendem Herzen zu ihm hin und bewun­dere seine feinen, kleinen Schritte, wie er auf den Wellen tanzt. Manchmal denke ich, dass ich viel zu alt für ihn bin, aber das stimmt natür­lich nicht, weil er 25 Jahre alt sein muss und ich bin nur 20, wie sie wissen. Und doch fühle ich, dass ich etwas schwerer bin an Zeit als er, den ich doch so liebe. Ich glaube, er hat mich schon bemerkt, er wird bald kommen, er tut nur so, als würde er mich nicht sehen. Ich muss jetzt aufhören, Mr. Louis, ich bin so schreck­lich aufge­regt! Ist das nicht wunderbar, Mr. Louis? – Ich grüße Sie herz­lich! Ihre Geral­dine auf hoher See.

notiert im Jahre 1962
an Bord der Queen Mary
aufge­fangen am 22.01.2009
20.12 MEZ

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symphonie

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romeo : 0.01 – Da sind im Konzert­saal 8 Kontra­bas­sisten und sie flüs­tern mitein­ander, während sie leise etwas Jazz­musik spielen, viel­leicht weil das schon immer die beste Methode gewesen ist, ein Instru­ment aus dem Schlaf zu holen. Auch der Chor ist schon einge­troffen und raschelt mit seinen Papieren. Eine entspannte Atmo­sphäre, eine Stim­mung, wie in den Wäldern kurz vor Anbre­chen der Dämme­rung, erste Geräu­sche, schon bewusste, aber auch noch Traum­ge­räu­sche, alles nur zur Probe. Und ich lausche und denke, dass ich in wenigen Minuten Zubin Mehta sehen werde, wie er Mahlers Symphonie No 3 diri­gieren wird. Und wie ich so sitze, erin­nere ich mich an Finger­be­we­gungen einer jungen Frau, die im Präpa­rier­saal der Münchener Anatomie mit Sehnen und Muskeln eines Armes spielt, eine Geste, als würde sie versu­chen, jenem namen­losen Arm ein Geräusch zu entlo­cken. Schnee fällt. Knie­hoch wird er noch fallen. Jack London lesen, notiere ich. Und jetzt ist der Abend eines späteren Winters und ich sehe meine Schrift­zei­chen, unge­lenk, weil schon im Halb­dunkel des Konzert­saales ins Notiz­buch geschrieben. Alles das, in meinem Kopf durch­ein­ander. Ich fange am Besten noch einmal von vorne an. Da sind also im Konzert­saal 8 Kontra­bas­sisten, sie flüs­tern mitein­ander. Schnee fällt. Knie­hoch wird er noch fallen.

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elefanten

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zoulou : 8.30 – In der vergan­genen Nacht träumte ich eine lustige Geschichte, das heißt, ich träumte mich in ein Bild, das mir bekannt zu sein schien, weshalb ich ein Selbst­ge­spräch führte, in etwa so, als würde ich einen Film kommen­tieren. Als ich wach geworden war, erin­nerte ich mich, vor einiger Zeit eine Traum­ge­schichte aufge­zeichnet zu haben, die von selt­samen Menschen­ohren erzählte. Und tatsäch­lich habe ich diese Geschichte und mit ihr den Traum der vergan­genen Nacht gerade eben wieder­ge­funden, sodass heute Morgen nichts zu tun ist, als die Wieder­ho­lung des Traumes von den selt­samen Ohren und seinen Zeichen­schatten auch an dieser Stelle zu doku­men­tieren. Ich saß also vor längerer Zeit und noch vor wenigen Stunden > in einem Cafe nahe eines Meeres unter Männern, die Go oder etwas anderes spielten mit kleinen, runden, bern­stein­far­benen Steinen. Die Luft an diesem Ort war heiß und trocken, deshalb wunderte ich mich nicht, dass die Männer, die von hohem Alter gewesen waren, sich mit gewal­tigen Ohren Luft zufä­chelten in der Art und Weise der Elefanten. Selt­same Geräu­sche waren zu hören, schwere, knar­zende Töne, als würde an hölzernen Schrauben gedreht. Und doch war die Haut der Ohren so fein, dass man durch sie hindurch sehen konnte. Sobald sie hinter den verwit­terten Köpfen zusam­men­schlugen, wurden die Augen der Herrn zu Schlitzen, bewegten sich die luftigen Häute zurück, öffneten sie sich. Hinter dem Tresen dämmerte ein weiterer Mann, der hatte sich mit seinem Perga­ment das Gesicht zuge­deckt. Ich betrach­tete ihn eine Weile, und schon war ich, noch im Stehen, dem heutigen Tag zu einge­schlafen. – Guten Morgen! Heute ist Sonntag.

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to mr. melville : callas box

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propeller

~ : louis
to : Mr. melville
subject : CALLAS BOX

Lieber Mr. Melville, Hotel Echo Lima Lima Oscar! Wie geht es Ihnen? Ich hatte, während ich in den vergan­genen Wochen an einer Walge­schichte arbei­tete, immer wieder einmal an Sie gedacht, an Ihren weißen Wal Moby Dick in Worten und an seinen Schatten in der Wirk­lich­keit, an Mocha Dick. Wie sehr ich mir doch wünsche, Sie würden bald einmal zu meinen Walen Kontakt aufnehmen und mir dann rasch eine Nach­richt über­mit­teln, ob meine spezi­ellen Freunde wohl auch Ihnen Furcht einflössen könnten. Viel­leicht werden Sie, wo auch immer Sie sich aufhalten mögen, etwas Zeit finden und lesen. Ist Ihnen bekannt, dass die Gesänge der Buckel­wale über Struk­turen verfügen sollen, die einfa­chen mensch­li­chen Spra­chen ähnlich ist? Stunden habe ich demzu­folge damit zuge­bracht, nach Botschaften zu suchen, nach Geräu­schen, die mir etwas sagen, die meinem Gehirn Entde­ckung, ja Nach­richt sein könnten. Ich bin noch nicht sehr weit gekommen, das ist richtig, aber ich werde nicht nach­lassen, ich werde solange den Gesängen der Wale lauschen, bis mir verständ­lich sein wird, was sie da singen oder spre­chen. Meinen Namen loooouuuiiiiii meine ich jeden­falls schon aufge­spürt zu haben. Das ist ein Anfang und ich bin zuver­sicht­lich in den kommenden Wochen gut voran zu kommen. Was, mein lieber Mr. Melville, ist unter einer einfa­chen mensch­li­chen Sprache zu verstehen? – Ahoi! Ihr Louis

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signallichter

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sierra : 0.01 – Bemerkt, dass ich Dimen­sionen der Licht­rei­se­zeit von Stern zu Stern nicht verstehen kann. Ich habe einer­seits eine trockene, eine logi­sche Erklä­rung zur Verfü­gung, kann ander­seits aber das vertraute Gefühl, das mir anzeigt, dass ich etwas verstanden habe oder begreifen konnte, nicht finden. stop. Im Zwischen­raum. stop. Das Staunen. stop. Wenn ich in einem anato­mi­schen Präpa­rier­saal an einem Tisch unter jungen Persön­lich­keiten stehe und sage, dass der Körper jenes Menschen, der vor uns auf dem Tisch liegt, nach und nach verschwinden wird, in dem sie ihn zerlegen, zugleich aber, in diesem Prozess des Verschwin­dens, sich in Infor­ma­tion, in Wissen verwan­delt, freuen sich die jungen Menschen. stop. Blit­zende Augen. stop Ein lachender Mund. stop. Und noch ein lachender Mund. stop. Anato­mi­sche Signale. stop.

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dos passos

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Abschnitt Montauk meldet folgende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : | stop | Wrack­teile [ Seefahrt – 8678, Luft­fahrt – 1887, Auto­mo­bile – 22851 ], Gruß­bot­schaften in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert – 12, 19. Jahr­hun­dert – 26, 20. Jahr­hun­dert – 577 , 21. Jahr­hun­dert – 332 ], physical memo­ries [ bespielt – 257, gelöscht : 56 ], Manu­skript­seiten [ John Don Passos – Manhatten Transfer 3 ], Öle [ 1.3 Tonnen ], Prothesen [ Herz – Rhythmus – Beschleu­niger – 78, Knie­ge­lenke – 3, Hüft­ku­geln – 46, Brillen – 654 ], Schuhe [ Größen 28 – 37 : 2112 , Größen 38 – 45 : 5932 ], Kühl­schränke [ 295 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Taucher – 10, mit Taucher – 53 ], Engels­zungen [ 18 ] | stop |

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