herbst

9

marim­ba : 8.12 UTC — Ich geh spazieren wo die alten Men­schen wohnen, über Flure wo die alten Men­schen sitzen vor den Türen, hin­ter welchen uralte Men­schen liegen, die in ihren let­zten Bet­ten schlafen. Ein alte Dame zieht sich im Roll­stuhl sitzend Stunde um Stunde am hölz­er­nen Wandgelän­der voran. Wie viele Kilo­me­ter ist sie so schon unter­wegs gewe­sen? Ich hörte, sie sei 88 Jahre alt. Wenn Sie mir begeg­net, lächelt sie wie ein junges Mäd­chen, fragt warum sie hier sei, antwortet sofort: Wohl weil ich alt bin. Auf einem Tisch, um den herum weit­ere schlafende Men­schen sitzen, ste­ht ein Tele­fon von grauer Farbe mit ein­er Zif­fer­n­wählscheibe. Der Hör­er des Tele­fons schwebt an ein­er mageren Hand neben einem Ohr, das lauscht. Eine weit­ere magere Hand wählt Num­mer für Num­mer Stunde um Stunde. Draußen vor den Fen­stern küh­ler, herb­stlich­er Regen. Und hier, gle­ich komme ich an ihm vorüber, das Zim­mer der alten Clau­dine Tul­la, sie schläft schon seit zehn Jahren in ihrem let­zten Bett. Wie doch die Zeit verge­ht. — stop

luftpapiere

9

alpha : 15.32 UTC — Über­all schweben im Som­mer Fäden in der Luft herum, Spin­nengewebe, auf welchem Romane notiert sein kön­nten mit­tels sehr klein­er Zeichen. Eine Frau sitzt an einem Tisch und notiert Ovids Meta­mor­pho­sen auf eine Papier­luftschlange. Wie behut­sam sie vorge­ht, um das Papi­er nicht zu zer­reißen. Kaum ist sie mit der Beschrif­tung ein­er der papiere­nen Streck­en zu Ende gekom­men, verbindet sie mit einem Tröpfchen Kleb­stoff eine weit­ere noch unbeschriftete Schlange. Kurz darauf notiert sie weit­er. Sehr fein­er Pin­sel. Das ist keine erfun­dene Geschichte. — stop

ping

irrarm

9

nord­pol : 15.38 UTC — Eine alte, ärm­lich gek­lei­dete, stets ver­wirrt wirk­ende Frau, die mir in meinem Quarti­er jahre­lang immer wieder begeg­nete, nie hörte ich ein Wort aus ihrem Mund. Als ich sie ein­mal anspreche, um ihr etwas Geld zu geben, antwortet sie mit heller, kindlich klin­gen­der Stimme: Danke! Warum tun Sie das. Warum geben Sie mir Geld? — Ich gehe weit­er. Ich drehe mich um, auch die alte Frau dreht sich um, sieht mir nach. In diesem Moment denke ich: Du kön­ntest meine Mut­ter sein, wärst von der Armut ver­schont geblieben. — stop

ping

loop

9

sier­ra : 22.01 UTC — Flughafen Ter­mi­nal 1. Ich höre eine san­fte Frauen­stimme. Sie sagt: Diese Durch­sage dient der Laut­sprecher­probe. Zwei Minuten lang wieder­holt sie immer wieder diesen einen Satz. Von Mal zu Mal ver­suche ich Abwe­ichun­gen in Stimme und ihrem Aus­druck einz­u­fan­gen. Plöt­zlich schlafe ich ein, ohne mich an die erste Sekunde, da ich nicht mehr wach war, erin­nern zu kön­nen. — Was träumst Du, Mut­ter? — stop

ping

nahe warrenstreet

9

alpha : 22.28 UTC — Louis erzählte mir eine heit­ere Geschichte, die er nicht erfun­den, vielmehr von Mon­roe erzählt bekom­men haben will, Mon­roe, die in Brook­lyn in der Baltic Street seit fünf Jahren lebt. Sie habe, erzählte Mon­roe, ihre Fre­undin Lil­ly besucht in der War­ren­street an einem fürchter­lich heißen Tag im August. Sie habe Lillys Woh­nung betreten und sofort gespürt, dass etwas selt­sam ist. Das linke Augen­lid Lillys flat­terte näm­lich wie ein wild gewor­den­er Fal­ter über ihrem Augapfel herum. Dieses Flat­tern habe nicht aufge­hört, sagte Lil­ly, seit in der Nacht vor drei Tagen über ihrem Bett ein Feuer­alar­m­melder ange­sprun­gen sei, ein äusserst strenger heller Ton, der so kom­poniert wor­den sei, dass man unbe­d­ingt wach wer­den müsse, weswe­gen sie sogle­ich senkrecht im Bett hock­te und nach Feuer suchte, aber kein­er­lei Feuer gefun­den habe. Sie habe dann etwas abge­wartet, aber das Wesen an der Decke wollte sich nicht beruhi­gen, da sei sie dann auf einen Stuhl gestiegen und habe das pfeifende, blink­ende Tier flugs abgeschraubt, habe ver­sucht das Tier zu beruhi­gen, habe Schal­ter und Knöpfe gedrückt, dann das Tier in einen Pullover gewick­elt, eine Decke darüber gelegt, und noch eine Decke, schließlich habe sie ihre Hand­tasche geöffnet, sei auf die Straße getreten, um zu Fuß in Rich­tung der Brook­lyn Bridge zu marschieren. Indessen flat­terte ihr Augen­lid noch immer herum wie ein gefan­gener Fal­ter, weswe­gen sie sich sehr konzen­tri­eren musste im wilden Straßen­verkehr. Das Tier, das in ein­er Weise in der Hand­tasche pfiff, dass Seemöven Lillys Gegen­wart flüchteten, habe sie dann in den East Riv­er gewor­fen, was ihrem Auge ganz offen­sichtlich nicht sofort geholfen habe. — stop

verzeichnen

9

tan­go : 2.12 UTC — Ein Gedanke, den ich notiere, der eine Spur von Zeichen hin­ter­lässt. Oder ein Gedanke, den ich gerne behal­ten, das heißt, fes­thal­ten würde, aber nicht notieren kann, weil notieren nicht möglich, weil es vielle­icht dunkel ist, geht ver­loren oder hin­ter­lässt einen noch tief­er­en Ein­druck, als würde ich ihn auf ein Blatt Papi­er oder in dig­i­tale Verze­ich­nisse einge­tra­gen haben. Ein Käfer von dun­kler, von rot­er, von gel­ber, von blauer Men­schen­haut, warum? — stop

ping

dilip

9

ulysses : 15.08 UTC — Ein Brief erre­ichte mich, der in Kalkut­ta abgeschickt wor­den war vor zwei oder drei Wochen. Fol­gende Zeilen: Sehr geehrter Herr Louis, es hat gedauert, dass ich antworte, weil ich noch sehr klein bin, ich bin erst 12 Jahre alt, ich wohne an der Jes­sore Road. Dort habe ich einen Brief gefun­den unter einem Feigen­baum bei der Bussta­tion. Der Brief war nicht an mich geschrieben, son­dern an Lil­if­er Min­di. Ich kenne Lil­if­er Min­di nicht, ich habe die schö­nen Brief­marken auf dem Brief ent­deckt und habe mir gedacht, es ist nicht so weit zu der Adresse wo Lil­if­er Min­di wohnt, und ich bin mit meinem Fahrrad dor­thin gefahren, aber das Haus gibt es nicht, wo Lil­if­er Min­di wohnt oder nicht wohnt, sie müssen sich geir­rt haben. Auch in dem Haus neben dem Haus, das nicht existiert, wohnt Lil­if­er Min­di nicht, das ist sich­er, weil ich gefragt habe. Ich sende Ihnen den Brief zurück, ich habe ihn nicht geöffnet, ich heiße Dilip, vielle­icht schreiben Sie ein­mal einen Brief an mich, weil ich in einem Haus wohne, das es wirk­lich gibt. Vor meinem Haus wach­sen zwei Feigen­bäume, hin­ter dem Haus kann ich Ball spie­len, hin­ten ist das Haus grün, und vorne ist das Haus rot. Wir haben einen Balkon, meine Schwest­er ist sehr krank, sie sitzt oft auf dem Balkon, weil sie nicht zur Schule geht. Bes­timmt kön­nen Sie Englisch lesen. Dein Dilip — stop

ping

bogota

picping

MELDUNG. Bogo­ta, Calle 11 No 12, 5. Etage, stein­ernes Zim­mer : Kirsche No 5001 [ Mar­mor, Car­rara : 12 Gramm ] vol­len­det. — stop
ping

laufen

9

delta : 15.12 UTC — Ich mag Men­schen, die Verze­ich­nisse anle­gen, die Verze­ich­nisse beschriften nach geheimen oder nach Regeln, die sofort erkennbar sind. Mein Vater führte Verze­ich­nisse sein­er Wet­ter­beobach­tun­gen, auch welche Vögel er im Garten beobachtet hat­te, wurde akku­rat mit Bleis­tift in Lis­ten einge­tra­gen, Amseln, Meisen, Sper­linge, Zaunkönige und Domp­faf­fen und Rotkehlchen. Daran erin­nerte ich mich gestern als ich einen Film beobachtete, der von den Vogel­beobach­terin­nen und Vogel­beobachtern des Cen­tral Parks erzählt. Eine alte Dame legt dort ähn­liche Verze­ich­nisse an wie mein Vater als er noch lebte. Ich selb­st notiere nicht sel­ten, welche Filme ich betra­chte während ich auf ein­er Lauf­mas­chine laufe wenn es reg­net oder nicht. Unlängst lief ich mit Kopfhör­ern, fol­gte Gene Hack­man in den Film French Con­nec­tion. Zulet­zt wurde ich immer schneller in meinen Bewe­gun­gen. Anstatt 10 Kilo­me­tern, die ich bere­its notiert hat­te, lief ich 14 Kilo­me­ter. Ich radierte im Notizbuch. Es war an einem Sam­stag gewe­sen. — stop

shenzhen

2

nord­pol : 15.12 UTC — An diesem heuti­gen Tag beginne ich zu beobacht­en, welche und wie viele Infor­ma­tio­nen meine Schreib­mas­chine ver­lassen oder in sie hineinge­holt wer­den, von deren Kom­men und Gehen ich nichts bemerke. Das ist näm­lich eine sehr selt­same Sache, gestern, während ich im Regen spazierte, wur­den von mein­er Schreib­mas­chine 187 Mil­lio­nen Byte Infor­ma­tion laut­los aus der Luft ent­ge­gengenom­men, ich weiss nicht von woher präzise und warum. Tat­säch­lich lebe ich in ein­er beina­he geräuschlosen Schreib­maschi­nen­zeit, auch das Notieren auf gläsern­er Tas­tatur ist kaum noch zu hören. Geräusche, zur Erzeu­gung von Infor­ma­tion auf mein­er Schreib­mas­chine notwendig gewor­den, wer­den nur in großer Ent­fer­nung hör­bar gewe­sen sein, das Rauschen oder Brausen der Serv­er irgend­wo an geheimen Orten. Oder das helle Sausen und Heulen der Tur­binen in Kraftwerken, die Strom für das Herz mein­er Schreib­mas­chine erzeu­gen. Das Murmeln ein­er schlaflosen Arbei­t­erin nahe Shen­zhen. — stop
ping

eine lampe

2

nord­pol : 10.28 UTC — Gestern, ehe ich das Haus der alten Men­schen besuchte, dachte ich noch, das Altwer­den, das Alt- oder Uralt­sein habe mit Unruhe zu tun, mit Schlaf, dessen Zeiträume kürz­er und kürz­er wer­den. Heute nun würde ich sagen, das Alt- oder Uralt­sein hat etwas mit Schlaf über lange Zeiträume hin zu tun, auf einem rol­len­den Stuhl sitzen und schlafen oder däm­mern. Da war wieder eine Frau im Licht ein­er gel­ben Lampe, die im Wohn­saal vor einem Tisch saß und einen Tele­fon­hör­er in der Hand hielt. Der Tele­fon­hör­er war mit einem Tele­fon mit Wählscheibe ver­bun­den, ein der­art altes Tele­fon, dass man, um eine Num­mer zu wählen, eine kreisende Bewe­gung aus­führen muss. Dieses Tele­fon nun war nicht mit der Wand in Verbindung, vielmehr ragte aus dem Gehäuse des Tele­fons ein kurzes Stück Kabel, das anzeigte, dass das Tele­fon ein­mal tat­säch­lich mit der elek­trischen Welt ver­bun­den gewe­sen war. Als ich an der alten tele­fonieren­den Dame vor­beikam, dachte ich für einen Moment, vielle­icht liest ihr ger­ade jemand vor, vielle­icht Hra­bal, der aus seinem Roman Ich habe den englis­chen König bedi­ent zitiert. Es wird Herb­st, in jed­er Hin­sicht. 288P, ein Dop­pelas­teroid wurde ent­deckt. Hur­rikane Maria ver­wüstet die Karibik. Mr. Un dro­ht mit Wasser­stoff­bomben­test. — stop

ping

max

2

char­lie : 20.45 UTC — Ich habe meinen Fre­und Max besucht, der in München wohnt in der Bri­en­ner­straße unter dem Dach in einem Loft, das der­art weiträu­mig ist, dass man darin Hal­len­fußball spie­len kön­nte. Seine Vögel, zwei Kakadus, fliegen dort gern frei herum, sie sollen, so Max, niemals bis­lang irgen­deinen Schaden an seinen Möbeln angerichtet haben. Das liegt vielle­icht auch daran, dass Max’ Vögel möglicher­weise nicht ganz echt sind, ich meine, dass sie küh­le Tiere von äußerst leichtem Met­all sein kön­nten unter dichtem Fed­erkleid ver­bor­gen, dass sie also nur vorgeben, Vögel zu sein, während sie vielmehr Drohnen sind, die sich von Max’ Com­put­er ges­teuert durch die Woh­nung bewe­gen, als wären sie natür­liche Wesen. Ich habe bei­de Tiere immer nur im Flug beobachtet, nie aus näch­ster Nähe, denn wenn sie ein­mal nicht fliegen, sitzen sie in einem Käfig, der dicht unter der Decke des Raumes unerr­e­ich­bar weit ent­fer­nt mon­tiert wurde. Wun­der­bare Algo­rith­men steuern den Flug der Kakadus, auch ihre Gespräche, die sie beständig führen. Es ist spät gewor­den, eigentlich wollte ich eine ganz andere Geschichte erzählen, von Max’ Com­put­er, der über eine Taste für Cap­puc­ci­no ver­fü­gen soll. Diese Geschichte werde ich im näch­sten Jahr erzählen. — stop

dublin

picping

MELDUNG. Trotz behördlichen Ver­botes wird am kom­menden Abend in der Princess of Dublin weit­eres Kampftrinken vol­l­zo­gen. Gefocht­en wer­den schwere Ben­zine ab 22.15 Uhr. Mit Toten darf gerech­net wer­den. Pearse St., 8. Ein­tritt frei. — stop
ping

nach dem zug

2

echo : 22.02 UTCMen­schen, die glück­liche Men­schen sind, gehen im Grunde zunächst davon aus, dass sie von anderen Men­schen ver­standen, präzise, dass sie nicht missver­standen wer­den, ich meine in dem Sinne, dass Ver­ständi­gung möglich ist, entwed­er sofort, auf der Stelle noch, oder mit­tels ein­er Nach­frage kon­struk­tive Ver­ständi­gung let­z­tendlich gelingt, sagen wir Zivil­i­sa­tion, die nun auch in Mit­teleu­ropa bedro­ht wird von Per­so­n­en, die auf ihr Land stolz sein wollen in ein­er Weise, die Men­schen fremder Sprachen her­ab­set­zt. — Am Marien­platz ver­liess ich den Zug. Ich stand unter Wartenden, wartete selb­st, beobachtete den Bahn­steig, auf dem wartende Men­schen sich drängten. Sie standen sehr nahe an der Bahn­steigkante. Als der Zug ein­fuhr, dachte ich, wäre ich ein Lok­führer, würde ich in dieser Sit­u­a­tion meine Augen schließen. — stop

ping

echo

2

whiskey : 22.58 UTC — Wie schw­er es ist, tief­schlafend­en Men­schen vorzule­sen oder mit tief­schlafend­en Men­schen zu sprechen. Kein Zeichen eines Erwachens. In dem Moment, da ich bemerke, dass ich nicht weiss, ob sie mich hören, wird mein Ver­such, Gehör zu find­en, zu einem Selb­st­ge­spräch, das schmerzt, ein­same Stimme. — stop

ping

von kevin und liesl im zug

2

tan­go : 22.52 UTC — Ich hörte, er heiße Kevin. Er sagte, er sei ohne Dach über dem Kopf. Auch im Som­mer oder im Herb­st sei das Leben nicht leicht, im Som­mer habe er viel Durst, im Herb­st fürchte er sich vor dem Win­ter. Er würde gern seine Geschichte erzählen, warum er so arm gewor­den sei, dass er keine Woh­nung habe und nichts zu essen. Wenn Kevin spricht, ist seine Stimme sehr schön anzuhören. Es ist eine Stimme, die gut sin­gen kön­nte, ein Tenor vielle­icht. Nur das mit Kevins Geschichte ist so eine Sache, ich höre Kevins Lebens­geschichte seit Anfang des Jahres im Mor­gen­schnel­lzug zum Flughafen immer wieder. Ich sollte sagen, Kevin erzählt täglich eine andere Geschichte, er ist im Grunde ein guter Erzäh­ler, und auch ein guter Erfind­er. Im Win­ter erzählt er Win­tergeschicht­en, im Som­mer Som­mergeschicht­en. Gestern wurde Kevin von ein­er jun­gen, mageren Frau begleit­et. Sie war sehr schmutzig. Kevin erzählte ihr, dass ich ihm manch­mal etwas Geld geben würde oder eine Brezel, auch dass ich auf­schreiben würde, was er berichte. Sie set­zten sich neben mich. Die junge Frau sagte: Wenn man träumt ist man im Inneren wach und warm. Am Flughafen stiegen bei­de mit mir aus. Wir sprachen eine halbe Stunde. Der Bahn­hof war wieder ein­mal undicht. Regen kam von der Decke. Das Licht war teil­weise aus­ge­fall­en, an den Wän­den saßen ein paar dicke Kröten. Sie schnappten mit arm­lan­gen Zun­gen nach Tauben, die über den Bahn­steig segel­ten. Ich hörte, das Knochenge­spenst an Kevins Seite soll Lieselotte heißen, sehr selt­sam dieser Name für eine recht junge Per­son. Ich erfuhr, dass sie Lit­er­atur­wis­senschaften in Lon­don studierte, sie mag gern lesen, aber sie komme nicht dazu, weil sie das Bild ihres Vaters in sich trage, der immerzu betrunk­en war, ein schmerzen­des Bild, das hell vor ihr leuchte. Ich weiss jet­zt, Bilder eines betrunk­e­nen Vaters zu ver­dunkeln, erfordert unge­heuere Kraft und Aus­dauer. Lieselotte kann deshalb seit einem Jahrzehnt nicht schlafen. Sie mag Kevin, der so schöne Geschicht­en erzählt, dass sie bei­de von seinen Geschicht­en ein wenig weit­er­leben kön­nen. Es ist jet­zt Abend. — stop

apfel

pic

echo : 0.10 UTC — Ich hat­te an einem Abend der ver­gan­genen Woche mein Fernse­hgerät aus­geschal­tet, war in die Küche getreten, um Sch­necke Esmer­al­da zu beobacht­en, wie sie einen Apfel zunächst umrun­dete, sich dann aufrichtete samt ihres Gehäus­es und auf den Apfel klet­terte. Eine Bewe­gung, die ger­adezu waghal­sig anmutete. Es reg­nete. Ich wurde schläfrig. Um kurz vor Mit­ter­nacht klin­gelte das Tele­fon. Jemand war in der Leitung, sprach aber nicht, atmete nur. Ich hörte eine Weile zu, und ich dachte, dass Atem eine schöne Sprache ist, aber auch etwas unheim­lich. Also kehrte ich zu Esmer­al­da zurück, die nun auf dem Apfel hock­te als wäre der Apfel ein Stuhl oder ein Sofa. Wie so häu­fig nachts, las ich Esmer­al­da einen ver­schlüs­sel­ten Nachrich­t­en­text vor. Ich habe näm­lich bemerkt, dass Esmer­al­da sehr aufmerk­sam wird, sobald ich ihr kryp­tis­che Texte vor­trage, erstaunlich, da Sch­neck­en doch gehör­los sein sollen. In diesem Fall, es war nicht leicht gewe­sen, las ich T.C.Boyle: Nfjof muvoh jtu tfis fout­di­jfe­fo- bcfs xbt oýu{u ft@ Jdi cjo gýs Gsbvfosfdiuf/ Jdi cjo gýs Vnxfmutdivu{/ Jdi cjo gýs Nvmujlvmuvsbmjtnvt/ Jdi cjo gýs Cjmevoh/ Ejf wjfm­fo Nfot­d­i­fo bvt efs Bscfjuf­slmbt­tf- ejf jdi lfoof- tjoe qpmju­jt­di sbe­jlbm boefs­fs Botjdiu bmt jdi/ Ejf VTB tjoe fjo hftqb­mu­foft Mboe/ Jdi lpn­nf tfm­c­tu bvt efs Bscfjuf­slmbt­tf- voe jdi mfcf fjo­fo hspà­fo Ufjm nfjofs [fju jo efo lbmjg­p­so­jt­d­i­fo Cfsh­fo- xp wjfmf tph­fo­boouf Sfe­ofdlt mfcfo/ Jdi mjfcf ejftf Nfot­d­i­fo- wjfmf wpo jio­fo tjoe joufm­mjh­fou voe fjogýimtbn/ Bcfs jo qpmju­jt­d­i­fo Gsb­h­fo ibc­fo tjf tjdi usb­vsjhf­sxfjtf hbo{ voe hbs nbo­jqvmjfs­fo mbttfo/ Ebcfj xfse­fo hfs­bef tjf ejf Pqgfs wpo Usvn­qt Qpmju­jl tfjo voe bn nfjtu­fo voufs jis {v mfje­fo ibcfo/ Xfoo qsjwjmfhjf­suf Bnf­sjl­bofs xjf jdi ovs hfnåà jis­fo xjsut­dibgumjd­i­fo Joufs­ft­tfo hfxåimu iåu­u­fo- eboo iåu­u­fo xjs Usvnq hfxåimu- xfjm fs ejf Tufvf­so tfol­fo xjmm voe ebgýs tpshu- ebtt xjs votfs Hfme cfibmufo/ Bcfs jdi xåimf efo Lboe­je­bu­fo- eft­tfo Ibmu­voh jdi gýs sjdi­u­jh ibmuf- voe ojdiu efo- efs njs Qspgju csjohu/ Jdi cjo Qbusjpu/ — stop

nachricht­en von esmer­al­da »
ping

ABOUT ESMERLADA / ENDE

schaukel

pic

marim­ba : 20.16 — Ohrenkäfer, das sind Käfer, die ohne Aus­nahme in den Kro­nen der Ohren­bäume leben, weswe­gen die Exis­tenz der Ohren­bäume von diesem Moment an äußerst wahrschein­lich gewor­den ist. stop. Leichter Regen. stop. Was ist nun zu tun? — stop

abschnitt neufundland

picping

Abschnitt Neu­fund­land meldet fol­gende gegen Küste gewor­fene Arte­fak­te : Wrack­teile [ Seefahrt – 155, Luft­fahrt — 3, Auto­mo­bile — 546 ], Grußbotschaften in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahrhun­dert — 3, 19. Jahrhun­dert – 12, 20. Jahrhun­dert – 655, 21. Jahrhun­dert — 4532 ], Trol­leykof­fer [ blau : 22, rot : 8, gelb : 57, schwarz : 856 ], Seenotret­tungswest­en [ 12439 ], phys­i­cal mem­o­ries [ bespielt — 12, gelöscht : 33 ], Ameisen [ Arbeit­er ] auf Treib­holz [ 458 ], 2 Krokodilpup­pen [ Bau­jahr 1965 ], Brummkreisel : 12, Öle [ 0.22 Ton­nen ], Prothe­sen [ Herz — Rhyth­mus­beschle­u­niger – 83, Kniege­lenke – 6, Hüftkugeln – 14, Brillen – 5688 ], Halb­schuhe [ Größen 28 – 39 : 112, Größen 38 — 45 : 55 ], Plas­tik­san­dalen [ 6452 ], Reise­doku­mente [ 568 ], Kühlschränke [ 1 ], Tele­fone [ 755 ], Pup­penköpfe [ 6 ] Gas­masken [ 1 ], Tief­see­tauchanzüge [ ohne Tauch­er – 5, mit Tauch­er – 14 ], Engel­szun­gen [ 528 ] | stop |

ping

Top