gespräch

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tango : 17.01 UTC – Ich will schnell erzählen, wie ich unlängst mit einer Maschine, während sie meinen Cappuc­cino zube­rei­tete, gespro­chen habe. Ich sagte: Hey, einen Cappuc­cino bitte. Und die Maschine antwor­tete: Hey, wird gemacht! Also wartete ich. Indem ich wartete, hörte ich der Maschine zu. Ich vernahm einige plau­sible Geräu­sche aus dem Inneren des Gehäuses, außerdem einige Geräu­sche, die nicht sehr plau­sibel waren. Das waren Geräu­sche des Pfei­fens oder Singens, Geräu­sche, die entweder meiner Unter­hal­tung dienten oder weil sich die Maschine tatsäch­lich selbst, während sie arbei­tete, eine Freude machte. Ich habe schon oft genau so wartend vor genau dieser Maschine gestanden, ich vermute, dass mich die Maschine inzwi­schen kennt, viel­leicht sogar Zeit­punkte, da ich zu ihr kommen werde, also Gewohn­heiten meines Lebens. Einmal, als ich den Standort der Maschine erreichte, war mein Cappuc­cino bereits fertig gewesen. Das ist schon seltsam, nicht wahr, ich begann über Fähig­keiten der Maschine nach­zu­denken. Kann diese Maschine viel­leicht sehen oder vermag sie meinen Duft wahr­zu­nehmen? Dass sie über einen Hörsinn oder über eine spezi­elle Art eines hörenden Sensors verfügt, steht für mich schon lange fest, weil sie mich begrüsst. Manchmal erkun­digt sie sich nach meinen Wünschen. Mein lieber Louis, will sie wissen, einen Cappuc­cino oder doch etwas anderes Heißes zur Feier des Tages? An diesem Morgen, von dem ich eigent­lich erzählen will, ist aber doch etwas sehr Selt­sames geschehen. Viel­leicht war es der Wind, jeden­falls fiel eine Papp­tasse aus dem Bauch der Maschine auf einen Vorsatz unter einem Hahn, aus dem bald heißer Kaffee kommen sollte. Die Tasse landete etwas schräg und verharrte in dieser Posi­tion. Die Maschine sagte zu mir: Becher bitte setzen. Mein Gott, das war seltsam! Ich dachte, wer nur hat diese Sprache erfunden, mögli­cher­weise die Maschine selbst? Ich streckte meine Hand nach dem Becher aus. In dem Moment, da ich den Becher anheben wollte, spritzte heißer Kaffee auf den Rücken meiner Hand, weswegen ich mit leiser Stimme protes­tierte. Ich sagte: Verdammt! Die Maschine antwor­tete: Verzei­hung! – stop
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ai : GAZA

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MENSCHEN IN GEFAHR : “Die israe­li­schen Zivi­listen Avera Mangistu und Hisham al-Sayed werden seit zwei Jahren vermisst, nachdem sie – jeweils einzeln – die Grenze zum Gaza-Streifen über­quert hatten. Am 7. September 2014 brach der äthiopisch‑stämmige Avera Mangistu von seinem Wohnort Ashkelon im Süden Israels zum Gaza-Streifen auf. Dort über­querte er unbe­fugt die Grenze, indem er über einen Stachel­draht­zaun in der Nähe der Küste klet­terte. Hisham al‑Sayed soll zu Fuß am 20. April in den Gaza-Streifen gelangt sein, nachdem er die Wohn­stätte seiner Familie im Bedui­nen­dorf al-Sayed in der Negev-Wüste im südli­chen Israel verlassen hatte. / Beide Männer leiden unter psychi­schen Gesund­heits­pro­blemen. Die Familie von Avera Mangistu erzählte Amnesty Inter­na­tional, dass er seit dem Tod seines Bruders am 11. November 2012 psychi­sche Probleme habe. Amnesty Inter­na­tional hat Doku­mente des israe­li­schen Gesund­heits­mi­nis­te­riums einge­sehen, aus denen hervor­geht, dass Avera Mangistu im Januar 2013 zwei Mal in psych­ia­tri­sche Kliniken einge­lie­fert wurde. Dem Arzt­be­richt von Hisham al‑Sayed zufolge wurden bei ihm eine Schi­zo­phrenie und eine Persön­lich­keits­stö­rung diagnos­ti­ziert. Er ist deswegen in statio­närer Behand­lung gewesen und benö­tigt regel­mäßig Medi­ka­mente. / Amnesty Inter­na­tional befürchtet, dass die beiden Männer von den Essedin-el-Kassam-Brigaden, dem mili­tä­ri­schen Flügel der Hamas, als Geiseln für einen mögli­chen Gefan­ge­nen­aus­tausch gefangen gehalten werden. Im April 2016 hatte die bewaff­nete Grup­pie­rung im Internet ein Video veröf­fent­licht, das Bilder der beiden Männer in israe­li­schen Mili­tär­uni­formen zeigte. Der Spre­cher der Essedin-el-Kassam-Brigaden teilte mit, dass jegliche Infor­ma­tionen über die Männer ihren Preis hätten. Man werde „ohne Zahlungen und Anspruchs­zu­si­che­rungen vor und nach den Verhand­lungen“ keine Infor­ma­tionen preis­geben. Er deutete damit an, dass sie als Geiseln für einen poten­zi­ellen Gefan­ge­nen­aus­tausch von der Hamas gefangen gehalten werden. Amnesty Inter­na­tional hat Doku­mente einsehen können, die eine Nicht­eig­nung von Avera Mangistu für den Mili­tär­dienst fest­stellen. Wie Human Rights Watch bestä­tigt hat, wurde auch Hisham al-Sayed für den Mili­tär­dienst für untaug­lich befunden und im November 2008 von der Wehr­pflicht befreit. / Die De-facto-Verwal­tung der Hamas im Gaza-Streifen hat sich bisher gewei­gert, Infor­ma­tionen über die beiden Männer bekannt­zu­geben.” – Hinter­grund­in­for­ma­tionen sowie empfoh­lene schrift­liche Aktionen, möglichst bis zum 11.9.2017, unter > ai : urgent action

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sekundengeschichte

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echo : 0.26 UTCUnsere Betriebs­sys­teme harmo­nierten nicht, erzählte ein junger Mann, es war nichts mehr zu retten. Er fragte: Ja, kann sich ein Mensch denn für Gefühle entscheiden? Exis­tieren in meiner Seele Algo­rithmen, die steu­erbar sind? – Der junge Mann sprach mit sehr heller Stimme. Neben ihm im Schnellzug hockte ein Hund auf einem Sitz­platz für sich. Der Hund war nicht viel größer als eine Maus, ein Zwerghund mit riesigen runden Augen. Er schaute sein Herr­chen, das von der Liebe traurig war, bewun­dernd an. Ein heißer Tag. Der Maus­hund zeigte eine schöne Zunge, sie war vom Sommer­blau der Karpfen­zungen. – stop

licht

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alpha : 22.01 UTC – Im Frei­luft­kino abends jagen Fleder­mäuse durchs Bild, werden für Sekun­den­bruch­teile vom Film­licht erfasst, feder­lose Vögel, hell­braun, rosa, aber blit­zende Zähn­chen, die ich mir hinzu­dichte, es geht alles so schnell, dass ich allein Erin­ne­rung wahr­nehme, die gestaltet werden kann. Auf der Lein­wand uralte riesige Eichen, von welchen Loui­siana Moose wehen wie gefroren. Ein Mädchen sitzt auf einem Ast in großer Höhe, sie trägt ein weißes, knöchel­langes Kleid. Auf dem Fluß hinter der Lein­wand zieht ein Dampfer vorüber, buntes Glüh­bir­nen­licht, Menschen, die Salsa tanzen. – stop

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eine weitere frage

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ginkgo : 21.15 UTC – Ein Mensch, der ein Leben lang kopf­über exis­tiert aus anato­mi­schen Gründen. Welche anató­mi­schen Gründe präzise sind zu formu­lieren? – stop

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nasengeschichte

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echo : 22.56 UTC – Auf meiner Nase wurde zufällig ein Haar entdeckt, ein Haar für sich, ein einzelnes Haar, kein Bewuchs in dem Sinne von Wald, aber doch eben ein Haar wie ein Baum. Kurz nachdem ich die Meldung von der Entde­ckung des Haares entge­gen­ge­nommen hatte, habe ich das Haar entfernt, kein Schmerz, aber Verwun­de­rung, weil ich doch sehr lange Zeit ohne Haar auf meiner Nase lebte. Ich fragte mich, wie ich dieses Haar über­sehen konnte, es soll sich um ein durchaus gut sicht­bares Haar gehan­delt haben, ein silber­graues Gewächs. Nun also morgens fortan der kontrol­lie­rende Blick zu meiner Nasen­spitze hin. Eigent­lich wollte ich eine ganz andere Geschichte erzählen an einem Tag, da die Börsen­kurse stürzen, weil sich der 49. Präsi­dent der Verei­nigten Staaten von Amerika in einer Weise äußerte, dass man für möglich hält, er könnte Atom­waffen zünden. – stop

caracas

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MELDUNG. Tief­see­ele­fanten, 202 hupende Rüssel­rosen, im kari­bi­schen Meer kurz vor Caracas gesichtet. Man befindet sich in zirku­lie­render Bewe­gung. – stop
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regenzeit

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alpha : 20.15 UTC – Tief­see­tauch­bü­cher, von der NASA zur Prüfung astro­nau­tisch Reisender entwi­ckelt, werden ab sofort als Regen­bü­cher gehan­delt. Sie sollen sich in tropi­schen Gegenden sehr gut verkaufen. Haben Sie schon einmal mit E.E.Cummings Selected Poems gebadet, mit Heming­ways Fiesta oder Dorothy Parkers The portable? Weitere Werke werden folgen: Homer, Beckett, Carson McCul­lers. – stop

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ein aquarium

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tango : 22.02 UTC – Bob erzählt von einem Aqua­rium, keinem gewöhn­li­chen Aqua­rium, viel­mehr einem Aqua­rium, das ihm einer­seits gehören, ande­rer­seits sehr weit entfernt sein soll, nämlich beinahe auf der anderen Seite der Welt, in Thai­land in einem Vorort der Stadt Bangkok in einem Café neben einer Tank­stelle mit Garten, in welchem Orchi­deen auf Bäumen wachsen. Auch Vögel sollen dort im Garten zahl­reich leben, und Kinder spielen, weil sich in der Nähe eine Schule befindet. Er selbst, erzählt Bob, sei in diese Schule gegangen, habe Englisch gelernt und Mathe­matik, gerade in Mathe­matik soll er sehr gut gewesen sein. Jetzt lebt er also in Europa und besucht eine Univer­sität, um die Sprache der Compu­ter­ma­schinen zu studieren. Das Café, das meiner Mutter gehört, und auch ein biss­chen mir selbst, läuft gut, sagt Bob, wir können von unseren Einkünften gut leben. Ich brauche ja nicht viel Geld hier, kleines Zimmer. Er holt sein Telefon aus der Hosen­ta­sche, tippt ein wenig auf dem Bild­schirm herum, dann reicht er mir das kleine, flache Gerät über den Tisch. Schau, sagt er, das ist mein Café, das ist meine Mutter in Echt­zeit, es ist gerade früher Morgen, sie bereitet sich auf erste Gäste vor, die kommen bald. Tatsäch­lich erkenne ich auf dem Bild­schirm eine ältere Frau, die auf einem Brett von Holz irgend­welche Pflanzen zerteilt. Bob nimmt mir das Telefon kurz aus der Hand, tippt noch einmal auf den Bild­schirm. Nun sind Fische anstatt seiner Mutter zu sehen. Das ist mein Aqua­rium, sagt Bob, leider nur in schwarz­weißer Farbe. Sie sind ziem­lich bunt. Zwei von ihnen habe ich selbst gefangen im vergan­genen Winter. Es ist ein Salz­was­ser­aqua­rium. Gleich wird meine Mutter die Fische füttern. Solange können wir warten. – stop
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von taubenschwänzchen

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echo : 23.55 UTC – Exis­tiert viel­leicht eine Poetik gutmü­tiger Drohnen? Das sind freund­liche Wesen, unbe­waffnet, leise, flink, von der Größe der Tauben­schwänz­chen. Sie verfügen über Atom­herzen, begleiten Menschen rund um die Uhr, immer nur eine Person, verzeichnen das Leben dieser Person, ihre Routen, Gewohn­heiten, Aben­teuer, filmen und schreiben in mensch­li­cher Sprache. 5.12 UTC : Samuel träumt. Going to sleep. – stop

korken

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delta : 0.15 UTC – Das waren Zeiten, als wir noch Kinder waren, die unter freiem Himmel mit Flug­dra­chen spielten. Wie wir durch die Wälder krochen, um Knochen zu sammeln. Ein Bild zeigt mich in kurzen Hosen, wie ich einen Erdapfel über offenes Feuer halte, ich sammelte Brief­marken, Schmet­ter­linge, Steine und Kron­korken, liess Seil­bahnen über Bind­fäden fahren von Haus zu Haus. Heute sammele ich gerne Geschichten von Kiemen­men­schen, hölzerne Elefanten oder Mari­en­käfer, die nachts schla­fend an warmen Lampen­schirmen sitzen. – stop

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leere seite

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sierra : 10.22 UTC – Einmal beob­achte ich einen Mann, der an Hand der Gestalt von Schrift­zei­chen, die auf Brief­um­schlägen zu finden sind, Diagnosen erstellt. Er mache das seit vielen Jahren. Zur Betrach­tung wird also ein Brief, der zu unter­su­chen ist, aus einer Box gehoben, um ihn unter das Licht einer starken Lampe zu legen. Der Mann sagt: Die Person, die diesen Brief nach London sendete, war im Moment, da sie ihren Brief adres­sierte, betrunken. Er nimmt einen weiteren Brief aus der Box: Dieser Brief nach Zürich wurde von einer Frau notiert, die glaubte, ihre Zeit sei abge­laufen. Das hier ist ein ganz selt­sames Exem­plar, nicht wahr, warum über­haupt jedes Schrift­zei­chen auf dem Brief­um­schlag vergessen wurde, können wir erst dann mit Sicher­heit sagen, wenn wir den Brief geöffnet haben Erden, schöne Brief­marke. Hier haben wir einen Brief, dessen Adresse nur scheinbar von Hand gesetzt worden ist, bei genauer Ansicht ist folgendes deut­lich zu erkennen: Die Anschrift „To Lady Char­lotte Ridlinger, NY, 210 Lexington Avenue“ wurde von einer Maschine gestem­pelt. – stop

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souiga

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ginkgo : 6.58 UTC – Liese­lotte, die eigent­lich ganz anders heisst, erzählte mir gestern im Schnellzug eine berüh­rende Geschichte. Sie sagte, sie habe in ihrem Leben sehr viel Alkohol getrunken, das habe schon zur Kinder­zeit ange­fangen. Sie habe unge­fähr vierzig Jahre ihres Lebens in leichten oder schweren Rausch­zu­ständen verbracht. Es exis­tieren Zeit­räume, die seien voll­ständig dunkel, ohne Erin­ne­rung, die kenne sie nur von Erzäh­lungen anderer her, sie habe in diesen dunklen Zeit­räumen je keine gute Figur gemacht. Sie besuche nun, da sie absti­nent lebe, manchmal Orte, an welchen sie betrunken gewesen war, das Münchener Okto­ber­fest, beispiels­weise, oder die Stadt Souiga an der südli­chen Küste Kretas, Manhattan im Mai, Turku. Sie reise herum, um nach­zu­sehen, wie es wirk­lich ist. Oder die Wies­kirche. – stop

15 Uhr 6

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echo : 15.08 UTC – Meine Schreib­ma­schine meldete vor wenigen Minuten folgendes: Warte auf Cloud. – stop

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swann

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tango : 20.10 UTC – Milena erzählt, sie begleite nahe der Stadt Cesena ihre alte Mutter schon seit langer Zeit. Ihre Mutter sei gestürzt, sie habe sich den Kopf schwer gestoßen, habe dann bewusstlos 16 Stunden in ihrem Wohn­zimmer gelegen, ehe sie gefunden wurde. Ihre Mutter werde nun über eine Magen­sonde ernährt, sie werde nie richtig wach, nur immer ein wenig wach, ein blin­zelndes Erwa­chen, ein klarer Blick für einige Minuten, der ihr, Milena, zeige, dass ihre Mutter sie vermut­lich nicht erkennt. Dann schlafe die alte Dame wieder ein. Nachdem eine Ärztin ihr empfahl, mit ihrer alten schla­fenden Mutter zu spre­chen, habe sie das Spre­chen versucht, habe dann aber bald bemerkt, dass das Spre­chen mit einer oder zu einer Schla­fenden hin, sehr schwierig sei. Sie habe sich wieder­holt. Deshalb habe sie in der Biblio­thek der Senio­ren­re­si­denz nach einem Buch gesucht, das sie ihrer Mutter und viel­leicht auch sich selbst vorlesen könne. Da sei sie auf Marcel Prousts ersten Band der Suche nach der verlo­renen Zeit gestoßen. Sie sei im Nach­hinein sehr glück­lich deshalb, sie lese sehr langsam, sie lese so langsam und so leise wie möglich. Jedes Wort, das auf den Papieren des Buches zu finden sei, werde ausge­spro­chen. Ihre Mutter schlafe indessen tief, oder aber sie höre zu, dass könne niemand so genau sagen. – stop
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erwärmung

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olimambo : 22.06 UTC – In der 38 Minute des faszi­nie­renden Films Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte erzählt Peter Handke: Heut­zu­tage scheint mir, dass man wirk­lich nur nach­stellt, was eh schon durch Filme, durch Fern­sehen und Zeitung eh schon sozu­sagen ausge­spuckt ist. Es muss erfunden werden. Und eine Erfin­dung ist ganz was Seltenes. Erfinden zu dürfen, zu können, zu sollen, das ist nicht normal. Es ist eine Art von Vision. Ohne Vision gehts nicht. / Der Ludwig Hohl, der Schweizer Schrift­steller, hat gesagt: Phan­tasie ist nicht Gaukelei, sondern ist die Erwär­mung, ich füge viel­leicht hinzu – die herz­liche Erwär­mung des Vorhan­denen, dessen, was vorhanden ist. Das ist Phan­tasie. Und nicht das Story­tel­ling. – stop

traumgeschichte

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foxtrott : 22.02 UTC – In der vergan­genen Nacht träumte ich von einem selt­samen Kind, das war nämlich so im Traum, dass das Gehirn des Kindes zu wachsen schien, das Gehirn war in den Ohrmu­scheln sichtbar geworden, von einem dünnen Häut­chen geschützt, das beinahe durch­sichtig gewesen war. Es kitzelt in meinen Ohren, sagte das Kind. Wir sassen in einer Stra­ßen­bahn. Ich erwachte. Es war ziem­lich heiss am Morgen als ich erwachte. – stop

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echinocereus echinopsis LX — 718

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MELDUNG. Drei Kakteen [ Gattung : echi­no­ce­reus echi­n­opsis LX — 718 ] haben gestern, 26. August 2017 um acht­zehn Uhr fund­und­zwanzig MEZ, zwölf Pfund fili­granes Stachel­horn auf flüch­tende Labo­ranten geschossen. [ MPI für Biotech­no­logie, 5th floor : Labor IIId-7 : Level 4 ] – stop

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zwergseerose no 2

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nordpol : 0.02 UTC – Als ich heute Morgen erwachte, knis­terte mein linkes Ohr. Das war vermut­lich darum gewesen, weil ich auf meinem linken Ohr mehrere Stunden lang träu­mend ruhte. Für einen Moment dachte ich, meine Ohrmu­schel wäre von Papier gemacht. Während ich so lag und lauschte, erin­nerte mich an eine Geschichte, die ich in einem schat­tigen Laden nahe der Roose­velt Island Tramway Basis­sta­tion West in New York vor längerer Zeit erlebte. Ich erzählte bereits von dem alten Mann, der hinter einem Tresen auf Kunden wartete. Er war vermut­lich ameri­ka­ni­scher Staats­bürger, doch eher chine­si­schen Ursprungs. Als ich von dem kleinen Park her, dessen Linden­bäume Kühle spen­deten, in den Laden trat, verbeugte sich der Mann, grüsste, er kannte mich bereits, wusste, dass ich mich für Schne­cken inter­es­siere, für Wasser­schne­cken präzise, auch für wandernde Seeane­mo­nen­bäume, und für Pralinen, die unter der Wasser­ober­fläche, also im Wasser, hübsch anzu­sehen sind, schwe­bende Versu­chungen, ohne sich je von selbst aufzu­lösen. An diesem heißen Sommer­abend kamen wir sofort ins Gespräch. Ich erzählte dem alten Mann, ich würde nach einem beson­deren Geschenk suchen für ein Kiemen­mäd­chen namens Rose. Sie sei zehn Jahre alt und nicht sehr glück­lich, da sie schon lange Zeit den Wunsch verspürte, wie andere Kinder ihres Alters zur Schule zu gehen, leib­haftig am Unter­richt teil­zu­nehmen, nicht über einen Bild­schirm mit einem fernen Klas­sen­raum verbunden. Ich glaube, ich war genau zu dem rich­tigen Zeit­punkt in den Laden gekommen, denn der alte, chine­sisch wirkende Mann, freute sich. Er machte einen hellen, pfei­fenden Ton, verschwand in seinen Maga­zinen, um kurz darauf eine Reihe von Spiel­dosen auf den Tresen abzu­stellen. Das waren Walzen- und Loch­plat­ten­spiel­dosen mit Kurbel­werken, die der Ladung einer Feder­span­nung dienten. Vor einer Stunde gelie­fert, sagte der alte Mann, sie machen schau­er­lich schöne Geräu­sche im Wasser! Man könne, setzte er hinzu, sofern man sich in dem selben Wasser der Spiel­dosen befände, die feinen Stöße ihrer mecha­ni­schen Werke überall auf dem Körper spüren. Bald legte er eine der Dosen in ein Aqua­rium ab, in welchem Zwerg­see­rosen siedelten. Kurz darauf fuhr ich mit der Tram nach Roose­velt Island rüber. Das Musik­werk, Benny Goodman, das ich für Rose erstanden hatte, war in das Gehäuse einer Jakobs­mu­schel versenkt. Die Schnecke lebte, weswegen ich tropfte, weil der Beutel, in dem ich Roses Geschenk trans­por­tierte, über eine undichte Stelle verfügte. Gegen Mitter­nacht, ich war gerade einge­schlafen, öffnete tief in meinem rechten Ohr knis­ternd eine Zwerg­see­rose ihre Blüte. – stop

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schirokko

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nordpol : 22.08 UTC – Das andau­ernde Notieren, das bald zum Verschwinden des Notierten führt, fangen, fest­halten, besitzen, vergessen. – stop

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