Aus der Wörtersammlung: riff

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ai : HAITI

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MENSCHEN IN GEFAHR: „Die Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger David Boni­face und Juders Yse­mé fürch­ten nach dem plötz­li­chen Tod ihres Kol­le­gen Nis­sa­ge Mar­tyr um ihr Leben. Nis­sa­ge Mar­tyr starb einen Tag, nach­dem die drei in den USA gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt in Hai­ti, Kla­ge wegen schwe­rer Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen ein­ge­reicht hat­ten. Die Män­ner berich­ten seit 2007 von wie­der­hol­ten Mord­dro­hun­gen und Angrif­fen durch den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter. Sie müs­sen daher ange­mes­se­nen Schutz erhal­ten. / Am 22. März reich­ten David Boni­face, Juders Yse­mé und Nis­sa­ge Mar­tyr Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena, den ehe­ma­li­gen Bür­ger­meis­ter ihrer Hei­mat­stadt Les Irois im Süd­wes­ten von Hai­ti, bei einem Bun­des­ge­richt in Bos­ton im Nord­os­ten der USA ein. Die Kla­ge wur­de in den USA ein­ge­reicht, weil Jean Moro­se Vili­ena Anfang 2009 in die USA geflo­hen war, nach­dem die hai­tia­ni­schen Behör­den wegen des Mor­des an David Boni­faces Bru­der im Jahr 2007 und eines Angriffs auf den Gemein­de­ra­dio­sen­der im Jahr 2008 ein Straf­ver­fah­ren gegen ihn ein­ge­lei­tet hat­ten. Bei die­sem Angriff ver­lor Nis­sa­ge Mar­tyr ein Bein und Juders Yse­mé ein Auge. Die drei Män­ner wer­fen Jean Moro­se Vili­ena vor, dass er für eine Rei­he von Angrif­fen gegen sei­ne Kritiker_innen ver­ant­wort­lich ist, dar­un­ter “Brand­stif­tung”, “außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tun­gen”, “ver­such­te außer­ge­richt­li­che Hin­rich­tung”, “Fol­ter” und “Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit”. Die Ver­bre­chen wur­den auf sei­ne Anwei­sung hin von einer bewaff­ne­ten Grup­pe ver­übt, die mit sei­ner poli­ti­schen Par­tei in Ver­bin­dung steht. Am 24. März 2017, einen Tag nach­dem die Kla­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena ein­ge­reicht wor­den war, erkrank­te Nis­sa­ge Mar­tyr plötz­lich schwer und starb auf dem Weg ins Kran­ken­haus von Les Irois. Sei­ne Fami­lie gibt an, dass er zuvor ganz gesund war. Mit Hil­fe ihrer Rechts­bei­stän­de for­dert die Fami­lie eine sofor­ti­ge unab­hän­gi­ge Aut­op­sie und umfas­sen­de Unter­su­chun­ge sei­nes Todes. Die ört­li­che Staats­an­walt­schaft hat zwar die Aut­op­sie geneh­migt, doch bis jetzt kei­ne Unter­su­chung auf­ge­nom­men. / David Boni­face und Juders Yse­mé sind Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger und wer­den als Unter­stüt­zer der Par­tei Orga­ni­sa­ti­on du Peu­ple en Lut­te, einer Oppo­si­ti­ons­par­tei in Hai­ti, betrach­tet. Seit 2007 berich­ten die bei­den Män­ner und Nis­sa­ge Mar­tyr, dass Jean Moro­se Vili­ena und sei­ne Ver­bün­de­ten ihnen Mord­dro­hun­gen schi­cken und sie tät­lich angrei­fen und ver­sucht haben, sie zu töten, weil sie ihre legi­ti­me Arbeit als Men­schen­rechts­ver­tei­di­ger aus­füh­ren. Im Zuge des­sen haben sie das ers­te Gemein­de­ra­dio initi­iert sowie die straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Jean Moro­se Vili­ena und sei­nen Ver­bün­de­ten ange­strebt, um der Gewalt in der Gemein­de ein Ende zu berei­ten. 2015 gewähr­te die Inter­ame­ri­ka­ni­sche Men­schen­rechts­kom­mis­si­on den drei Män­nern und ihren Fami­li­en Schutz­maß­nah­men, um ihre Sicher­heit zu gewähr­leis­ten. David Boni­face und Juders Yse­mé berich­te­ten Amnes­ty Inter­na­tio­nal, dass die hai­tia­ni­schen Behör­den auf­grund der gras­sie­ren­den Straf­lo­sig­keit im Land jedoch nichts unter­nom­men hät­ten, um die­sen Maß­nah­men Fol­ge zu leis­ten. Die bei­den Män­ner sind nach Nis­sa­ge Mar­tyrs Tod mit ihren Fami­li­en aus Les Irois geflo­hen, da sie um ihre Sicher­heit fürch­ten. Sie gaben an, dass der ein­zi­ge Weg zu Gerech­tig­keit ihre Aus­sa­ge gegen Jean Moro­se Vili­ena sei, doch dass sie ohne ange­mes­se­nen Schutz fürch­ten, getö­tet zu wer­den, noch ehe sie ihre Aus­sa­ge machen kön­nen.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 24. Mai 2017 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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bildschirmlicht

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hima­la­ya : 7.30 UTC — Ers­ter Twit­ter­film: Ein Mäd­chen, das in Alep­po lebt, sagt: Viel­leicht ist es das letz­te Mal, dass Sie mich lebend sehen! Das Mäd­chen scheint in einem Kel­ler zu sit­zen. Sie ist zum Zeit­punkt die­ser Auf­nah­me viel­leicht acht Jah­re alt, ver­mut­lich ist Abend. Der Angriff der syri­schen Armee auf die Stadt wird für die kom­men­de Nacht erwar­tet. — Ein zwei­ter Twit­ter­film: Auf einer Bah­re in einem Kran­ken­haus liegt eine Frau, fah­le Haut, sie sieht in die Kame­ra und sagt: Bit­te hel­fen Sie uns! Im Hin­ter­grund sind Deto­na­tio­nen zu hören. — Ein drit­ter Twit­ter­film: Der jun­ge Mann, der erzählt, dass die Kämp­fe in der Stadt wie­der zuge­nom­men haben, sieht sich immer wie­der um. Er müs­se jetzt von der Stra­ße, hier sei es zu gefähr­lich. Es wird sogleich dun­kel auf dem Bild­schirm, indem der jun­ge Mann die Lin­se sei­ner Kame­ra mit einer Hand bedeckt. — Ich den­ke in die­sem Moment, dass das Licht der hand­li­chen Film­ma­schi­nen immer näher an mein Leben her­an­kommt, jeder­zeit mög­li­ches Licht, das auf Ser­vern der Welt auf mich war­tet. Ich spre­che dar­über mit einem Freund, des­sen Auf­ga­be ist, Fil­me aus dem syri­schen Bür­ger­kriegs­ge­biet zu ana­ly­sie­ren. Ja, soviel mög­li­ches Licht ist in der Welt, sagt N., dass man sich die See­le an die­sem Licht schwer ver­bren­nen kann. Er habe vor einem Jahr einen Ruhe­tag pro Woche defi­niert, da er sei­ne Com­pu­ter­ma­schi­ne nicht anschal­te. Was machst Du an die­sen Tagen, frag­te ich. Ich lese, ich gehe mit mei­ner Lebens­ge­fähr­tin spa­zie­ren, ich lie­ge im Som­mer stun­den­lang neben ihr in einer Wie­se und schaue den Wol­ken zu. Dann wird Nacht und ich sit­ze mor­gens wie­der vor mei­nen Bild­schir­men und rufe Film­licht auf, das neu hin­zu­ge­kom­men ist. Da sind zwei Män­ner, sie hal­ten den Split­ter eines Geschos­ses vor die Kame­ra ihres Mobil­te­le­fons. Ich stop­pe den Film, notie­re Schrift­zei­chen in gel­ber Far­be, Rudi­men­te, betrach­te die Umge­bung der Män­ner, ver­su­che her­aus­zu­fin­den, wo sie sich viel­leicht befin­den, ob sie sich wirk­lich dort befin­den, wo sie zu sein behaup­ten, wel­che Tages­zeit. Ich habe Algo­rith­men ent­wi­ckelt, der Film­be­fra­gung. Ich wer­de dadurch schnel­ler. — stop

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modern

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char­lie : 8.01 UTC — Die selt­sa­me Spra­che der moder­nen Welt im all­täg­li­chen Gebrauch. Einer sagt, nach­dem er sich ver­liebt hat­te, er wer­de mutig in Gefüh­le inves­tie­ren. Ein ande­rer trifft sich mit Freun­den und spricht am Tele­fon davon, sich gera­de in einem Mee­ting zu befin­den. Vor zwei Tagen wur­de ich von einer Freun­din gebrieft, sie habe sich von ihrem Mann getrennt. Ein Clus­ter von Kom­pli­ka­tio­nen ver­hin­der­te die Zulas­sung sei­nes Soh­nes zur Prü­fung am MIT, berich­tet ein alter Bekann­ter. Er schrei­be ein Memo, ver­spricht ein Nach­bar, ich weiß nicht wor­über. Unlängst war ich ver­sucht, Fol­gen­des zu sagen: Ich arbei­te in der erzäh­len­den Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung. Ich sag­te dann: Ich schrei­be Geschich­ten. — stop

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basskäfer : es ist samstag

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alpha : 17.15 UTC — Ein Bass­kä­fer (Cole­op­te­ra cham­be­rus) ist tat­säch­lich in etwa geformt wie ein Kon­tra­bass. Einen Fin­ger lang oder hoch, ver­mag der Käfer zu flie­gen, aber nicht zu gehen. Nähert man sich einem Bass­kä­fer vor­sich­tig, wird man sono­re Töne ver­neh­men, die einem Gehäu­se ent­kom­men, das vorn wie hin­ten, oben wie unten, ähn­lich beschaf­fen ist, eine Art Zep­pe­lin­luft­schiff mit einem Kopf, das auf dem Bauch lan­de­te. Das Gehäu­se glänzt, als wäre es von polier­tem Holz. Der Käfer scheint nun auf den zwei­ten Blick hin, tat­säch­lich ein Käfer­we­sen zu sein, ins­be­son­de­re sein Kopf zeigt alle Merk­ma­le eines Käfer­kop­fes, Füh­ler, Augen, Mund­werk­zeu­ge, dar­über hin­aus ver­fügt sein zen­tra­ler Kör­per über Deck­flü­gel, wel­che sach­te beben, dar­un­ter ruhen durch­sich­ti­ge Schwin­gen, die den Käfer durch die Luft trans­por­tie­ren, jedoch nicht sehr dau­er­haft oder weit, weil es nicht vor­neh­me Auf­ga­be der Bass­kä­fer ist, her­um­zu­flie­gen, viel­mehr ist vor­neh­me Auf­ga­be der Bass­kä­fer, Geräu­sche zu erzeu­gen, die von der Art der Kon­tra­bass­instru­men­te sind, so wie wir Men­schen sie ken­nen, weil wir sie erfun­den haben. Des­halb sind an der äuße­ren Gestalt der Bass­kä­fer kei­ner­lei Bei­ne oder Füße zu erken­nen, weil sie sich im Inne­ren des Käfers befin­den. Dort zup­fen sie an Sai­ten von Chi­tin, stun­den-gar tage­lang. Bass­kä­fer schei­nen in die­ser Wei­se mit­ein­an­der zu kom­mu­ni­zie­ren. Sobald ein Bass­kä­fer auf einen Trom­pe­ten­kä­fer trifft, sind bei­de Käfer glück­lich. — stop

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ai : RUSSISCHE FÖDERATION

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MENSCH IN GEFAHR: „Der Spre­cher des tsche­tsche­ni­schen Par­la­ments hat am 6. Janu­ar sei­nen Insta­gram-Account benutzt, um den bekann­ten Jour­na­lis­ten Gri­go­ry Shve­dov zu bedro­hen. Gri­go­ry Shve­dov ist der Chef­re­dak­teur des Kau­ka­si­schen Kno­tens, einer unab­hän­gi­gen Web­site, die über die Lage im Kau­ka­sus berich­tet. / Gri­go­ry Shve­dov ist der Mit­be­grün­der und Chef­re­dak­teur der Web­sei­te Kau­ka­si­scher Kno­ten, einer der seriö­ses­ten Nach­rich­ten­quel­len zur kau­ka­si­schen Regi­on. Das Medi­en­un­ter­neh­men und des­sen Ange­stell­te erhal­ten regel­mä­ßig Dro­hun­gen und wer­den im Zusam­men­hang mit ihrer Arbeit schi­ka­niert und tät­lich ange­grif­fen, ins­be­son­de­re weil sie über die Men­schen­rechts­si­tua­ti­on im Nord­kau­ka­sus und über Tsche­tsche­ni­en berich­ten. / Am 6. Janu­ar rich­te­te Mago­med Dau­dov, der Spre­cher des tsche­tsche­ni­schen Par­la­ments und einer der mäch­tigs­ten tsche­tsche­ni­schen Beam­ten, eine kaum kaschier­te Dro­hung gegen Gri­go­ry Shve­dov. Mago­med Dau­dov ver­öf­fent­lich­te auf sei­nem Insta­gram-Kon­to das Bild eines Hun­des mit einem Kno­ten in der Zun­ge, das den Unter­ti­tel trug: “Kau­ka­si­scher Kno­ten?” In der Bild­un­ter­schrift bezeich­ne­te er den Hund als “Shved” und sagt, dass er “statt nütz­li­che Arbeit zu tun, an Kämp­fen zwi­schen Hun­den ande­rer Ras­sen teil­neh­me”, und eine “beson­de­re Schwä­che für den kau­ka­si­schen Schä­fer­hund hat”. Er schlug vor, dass “Shveds” Zun­ge auf eine nor­ma­le Grö­ße zurück­ge­schnit­ten und sei­ne Zäh­ne gezo­gen wer­den sol­len. Mago­med Dau­dov ist ein enger Mit­ar­bei­ter des Prä­si­den­ten von Tsche­tsche­ni­en Ram­zan Kady­rov. Der Pres­se­spre­cher der tsche­tsche­ni­schen Ver­wal­tung hat abge­strit­ten, dass der Post Dro­hun­gen beinhal­te. / Journalist_innen, die über die Situa­ti­on in Tsche­tsche­ni­en berich­ten, wer­den häu­fig bedroht und eini­ge wur­den bereits getö­tet. So wur­de Nata­lya Est­emi­ro­va, die häu­fig Bei­trä­ge auf der Web­sei­te Kau­ka­si­scher Kno­ten ver­öf­fent­lich­te, im Juli 2009 in Tsche­tsche­ni­en ent­führt und ermor­det. Anna Polit­kovs­ka­ya, die eben­falls über Tsche­tsche­ni­en berich­te­te, wur­de im Okto­ber 2006 vor ihrer Mos­kau­er Woh­nung erschos­sen.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 20. Febru­ar 2017 hin­aus, unter > ai : urgent action

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ai : ARGENTINIEN

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MENSCH IN GEFAHR: „Mila­gro Sala, ehren­amt­li­che Spre­che­rin der Orga­ni­sa­ti­on Tupac Ama­ru, befin­det sich seit dem 16. Janu­ar 2016 will­kür­lich in Haft. Die argen­ti­ni­sche Regie­rung muss sie umge­hend frei­las­sen, wie es die UN-Arbeits­grup­pe für will­kür­li­che Inhaf­tie­run­gen in einer Ent­schei­dung vom 27. Okto­ber ange­ord­net hat. / Am 14. Dezem­ber 2015 erstat­te­te der Gou­ver­neur der Pro­vinz Jujuy, Gerar­do Mora­les, Anzei­ge gegen Mila­gro Sala und das Netz­werk Sozia­ler Orga­ni­sa­tio­nen (Red de Orga­ni­za­cio­nes Socia­les) wegen Pro­tes­tie­rens vor dem Regie­rungs­ge­bäu­de der Pro­vinz Jujuy. Mila­gro Sala wur­de am 16. Janu­ar 2016 in Gewahr­sam genom­men. Obwohl ihre Frei­las­sung ange­ord­net wur­de, lei­te­te man wei­te­re straf­recht­li­che Ver­fah­ren gegen sie ein und behielt sie in Unter­su­chungs­haft. / Im Febru­ar reich­ten Amnes­ty Inter­na­tio­nal und ande­re Orga­ni­sa­tio­nen eine Beschwer­de bei der UN-Arbeits­grup­pe für will­kür­li­che Inhaf­tie­run­gen ein und bean­trag­ten dar­über hin­aus beim Inter­ame­ri­ka­ni­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te Schutz­maß­nah­men für Mila­gro Sala. / Die Arbeits­grup­pe kam am 27. Okto­ber zu dem Schluss, dass die “Inhaf­tie­rung von Mila­gro Sala will­kür­lich ist” und for­der­te die argen­ti­ni­sche Regie­rung des­halb auf, “sie unver­züg­lich frei­zu­las­sen”. Die Arbeits­grup­pe stell­te fest, dass zum Zeit­punkt ihrer Fest­nah­me und Inhaf­tie­rung eine “Ket­te von Anschul­di­gun­gen” vor­ge­bracht wur­de, um eine Inhaf­tie­rung auf unbe­stimm­te Zeit zu recht­fer­ti­gen. Zudem war Mila­gro Sala nach Ansicht der Arbeits­grup­pe von der Regie­rung dar­an gehin­dert wor­den, ihr Recht auf Ver­tei­di­gung wahr­zu­neh­men, was eine Ver­let­zung der Unab­hän­gig­keit der Jus­tiz dar­stell­te. Dar­über hin­aus kam die Arbeits­grup­pe nach Ana­ly­se der Rechts­grün­de für die Inhaf­tie­rung von Mila­gro Sala zu dem Schluss, dass es kei­ne Grund­la­ge für ihre Inhaf­tie­rung gebe. / Am 3. Novem­ber for­der­te der Inter­ame­ri­ka­ni­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te von der argen­ti­ni­schen Regie­rung Infor­ma­tio­nen dar­über, wel­che Maß­nah­men sie ergrif­fen hat, um die Ent­schei­dung der UN-Arbeits­grup­pe umzu­set­zen. Dar­auf­hin erklär­te der Staats­se­kre­tär für Men­schen­rech­te öffent­lich, dass “der Bericht die­ser Arbeits­grup­pe als Mei­nungs­äu­ße­rung zu betrach­ten und in kei­ner Wei­se bin­dend ist”. Der Gou­ver­neur der Pro­vinz Jujuy soll gesagt haben: “Ich wer­de die­se Frau nicht frei­las­sen.” Mila­gro Sala ist nach wie vor will­kür­lich inhaf­tiert.“ — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 29. Dezem­ber 2016 hin­aus, unter > ai : urgent action

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passport

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echo : 5.05 — Ob ich etwas tat­säch­lich weiß, ist nicht bedeu­tend. Wirk­lich bedeu­tend ist, ob ein elek­tro­ni­sches Sys­tem, das sich mei­ner Zei­chen bemäch­tigt haben könn­te, annimmt, dass ich von etwas oder jeman­dem Kennt­nis habe, das oder der als geheim, bezie­hungs­wei­se gefähr­lich zer­ti­fi­ziert wer­den müss­te. Vor Jah­ren, auch heu­te, immer wie­der die Fra­ge: Wie mutig wäre ich im Wider­stand gegen den geheim­dienst­li­chen Zugriff einer Dik­ta­tur auf mei­ne Per­son? Wie gen­au wür­de ich mich ver­hal­ten, wenn man ver­such­te, mich für Spio­na­ge­ar­beit unter Freun­den zu gewin­nen? Ich bin in der Suche nach einer Ant­wort noch kei­nen Schritt vor­an­ge­kom­men. Statt­des­sen wei­te­re Fra­gen. Wel­cher Art könn­ten die Werk­zeu­ge sein, Druck auf mich aus­zu­üben? Wür­de mir Tor­tur ange­kün­digt oder nahe­ste­hen­de Men­schen mit dem Tod bedroht? Exis­tie­ren Orte mei­ner Per­sön­lich­keit, die sich als so schwach erwei­sen, dass man dort Zugang fin­den könn­te? Habe ich einen gehei­men Preis? Mei­ne Schreib­ma­schine? Mei­nen Rei­se­pass? — stop
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oft habe man tage lang gewartet

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nord­pol : 2.58 — Von ihrer Zeit, die sie als Flücht­lings­kind auf dem Land ver­brach­te, erzählt Mut­ter immer wie­der gern. Sie hat­ten genug zu essen, weil sie und ihre Schwes­tern bei einer Bau­ern­fa­mi­lie wohn­ten. Wenn der Vater am Wochen­en­de zu Besuch kam, ahn­te sie nichts von Tief­flie­ger­an­grif­fen auf Züge, mit wel­chen der Vater reis­te, aber an sei­ne stau­bi­gen Anzü­ge, weil er sich auf den Boden wer­fen muss­te. Die bren­nen­de Stadt Mün­chen, obwohl in gro­ßer Ent­fer­nung lie­gend, war im Schein der Feu­er damals am Hori­zont zu erah­nen gewe­sen, wie Abend­rot inmit­ten der Näch­te. Dann das War­ten auf eine Nach­richt am nächs­ten Mor­gen. Oft habe man tage­lang gewar­tet. Sie selbst habe zwei­mal einen Bom­ben­an­griff auf Mün­chen erlebt, das war zu Beginn des Luft­krie­ges. Sie habe sich nicht gefürch­tet, es sei viel­mehr span­nend gewe­sen, mit ihren Nach­barn und ande­ren Leu­ten so eng in einem Kel­ler zu sit­zen. Es gab Pra­li­nen für die Kin­der und einen Geschich­ten­er­zäh­ler. Ein Jahr spä­ter sei ihre gro­ße Schwes­ter nach einem Angriff lan­ge Zeit ver­schüt­tet gewe­sen und des­halb für Wochen ver­stummt. In die­ser Zeit habe sie gehört, dass die Scholl­wöcks abge­holt wor­den sei­en, sie kön­ne nicht sagen, wes­halb sie als Kind schon wuss­te, dass das Abho­len etwas Schreck­li­ches gewe­sen sein muss­te für die, die abge­holt wur­den. Sie habe beob­ach­tet, dass die Abge­hol­ten nie­mals wie­der­ge­kom­men sei­en, und dass von ihnen bald nicht mehr gespro­chen wur­de. Das alles habe sie als Kind schon so bemerkt, weil Kin­der sehr viel mehr bemerkt haben, als die Erwach­se­nen viel­leicht glaub­ten. Dass die Eltern in der Woh­nung vor dem Krieg das Hit­ler­bild immer umge­dreht haben, davon durf­te sie nicht erzäh­len, in der Schu­le nicht und auch anders­wo nicht. Ein­mal sei sie vom Land her wie­der in die zer­stör­te Stadt zurück­ge­kom­men, es war ein neb­li­ger Tag gewe­sen, sie habe zunächst gedacht, es sei der Nebel, aber das Haus, in dem sie und ihre Schwes­tern auf­ge­wach­sen waren, exis­tier­te nicht mehr. Damals wür­den sie Bisam­rat­ten geges­sen haben, die schmeck­ten sehr gut, und der Vater sei gelb gewor­den im Gesicht, weil sei­ne letz­te Nie­re lang­sam ver­sag­te. In die­ser Zeit habe der Vater ihr viel von der Welt erzählt, wie sie funk­tio­niert, er sei ver­stört gewe­sen, dann sei er gestor­ben. — stop

paula

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1:16:15

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echo : 0.08 — Auf dem Kapi­tol zu Washing­ton berich­tet ein paki­sta­ni­scher Bür­ger, Über­le­ben­der eines Droh­nen­an­griffs, im Bei­sein sei­ner Kin­der Abge­ord­ne­ten des ame­ri­ka­ni­schen Kon­gres­ses: Ich mag kei­ne blau­en Him­mel mehr. Graue Him­mel sind mir lie­ber. Bei grau­em Him­mel flie­gen die Droh­nen nicht. Für kur­ze Zeit las­sen die Angst und die Anspan­nung nach. Klart der Him­mel auf, keh­ren die Droh­nen zurück und mit ihnen die Angst. Weni­ge Minu­ten spä­ter sind in dem nor­we­gi­schen Doku­men­tar­film Dro­ne Kin­der zu sehen, die mit Stein­schleu­dern gegen den Him­mel schie­ßen. Auf Flach­dä­chern eines Dor­fes wer­den über­le­bens­gro­ße Por­träts von Opfern des Luft­krie­ges aus­ge­legt. Der Ver­such eines Gesprä­ches, wie mir scheint, mit in der Fer­ne ope­rie­ren­den Pilo­ten der Droh­nen­ma­schi­nen am Him­mel, Kla­ge, Bit­te, Mah­nung. Ist das eine Nach­richt? — stop
vomfliegen

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aleppo

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romeo : 0.15 — Ärz­te ohne Gren­zen notie­ren am 15. Okto­ber 2016: „Syri­sche und rus­si­sche Luft­an­grif­fe haben inner­halb von 24 Stun­den vier Kran­ken­häu­ser im bela­ger­ten Ost-Alep­po getrof­fen. Eines der Kran­ken­häu­ser wur­de dabei schwer­be­schä­digt, min­des­tens zwei Ärz­te wur­den ver­letzt. Auch ein Kran­ken­wa­gen wur­de bei den Angrif­fen zer­stört und des­sen Fah­rer getö­tet. / Das Gesund­heits­sys­tem im bela­ger­ten Ost-Alep­po erlitt damit am 14. Okto­ber die schwers­ten Schä­den seit dem Schei­tern der kur­zen Waf­fen­ru­he Ende Sep­tem­ber. Die Inten­si­tät der Luft­an­grif­fe auf die nord­sy­ri­sche Stadt nahm in den Tagen zuvor wei­ter zu. / Laut der Direk­ti­on für Gesund­heit sowie dem foren­si­schen Zen­trum in Ost-Alep­po star­ben dort zwi­schen dem 11. und dem 14. Okto­ber min­des­tens 62 Men­schen, 467 Men­schen wur­den ver­letzt, dar­un­ter 98 Kin­der. Die Zahl der Toten und Ver­wun­de­ten liegt mög­li­cher­wei­se noch höher, denn vie­le Fami­li­en begra­ben ihre Toten selbst, ohne sie in ein Kran­ken­haus zu brin­gen. / “Die Stadt bricht immer wei­ter zusam­men” / „Die rück­sichts­lo­sen Luft­an­grif­fe sind ein­deu­tig noch schlim­mer gewor­den“, sagt Car­los Fran­cis­co, Lan­des­ko­or­di­na­tor von Ärz­te ohne Gren­zen für Syri­en. „Eines der Kran­ken­häu­ser, die ges­tern getrof­fen wur­den, wur­de stark beschä­digt. Es ist ein wich­ti­ges chir­ur­gi­sches Zen­trum, das in den ver­gan­ge­nen Wochen schon drei­mal getrof­fen wor­den ist. Die Inten­si­tät der Angrif­fe erstickt die weni­gen medi­zi­ni­schen Kapa­zi­tä­ten, die das Gesund­heits­sys­tem in Alep­po noch hat. Die Stadt bricht immer wei­ter zusam­men, Tag für Tag, Stun­de für Stun­de. Syri­en und Russ­land zer­stö­ren die letz­ten Orte, an denen noch Leben geret­tet wer­den kön­nen. Damit zei­gen sie, dass sie in Ost-Alep­po jeg­li­ches Leben unmög­lich machen wol­len.“ / Laut Berich­ten von Kran­ken­haus­mit­ar­bei­tern in Ost-Alep­po wur­den bei den Angrif­fen vom 14. Okto­ber zwei Ärz­te ver­letzt, ein Lager­ver­wal­ter eines der Kran­ken­häu­ser erlitt Ver­bren­nun­gen. Bis­lang gab es in Alep­po noch 35 Ärz­te für rund 250.000 Men­schen. Nur sie­ben von ihnen sind Chir­ur­gen, die Kriegs­ver­letz­te ope­rie­ren kön­nen. Seit dem Beginn der Bela­ge­rung des Ost­teils im Juli wur­den die weni­gen ver­blie­be­nen Kran­ken­häu­ser 27 Mal getrof­fen, nicht ein ein­zi­ges Kran­ken­haus ist bei den Luft­an­grif­fen ohne Scha­den geblie­ben. / Nur noch elf funk­ti­ons­tüch­ti­ge Kran­ken­wa­gen / Auch ein Kran­ken­wa­gen der Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on (NGO) Al-Scham-Huma­ni­ta­ri­an-Foun­da­ti­on (AHF) wur­de am 14. Okto­ber kom­plett zer­stört, der Fah­rer wur­de getö­tet. Die AHF stellt den Men­schen in Syri­en seit 2011 kos­ten­lo­se medi­zi­ni­sche Hil­fe zur Ver­fü­gung. Erst eini­ge Tage zuvor hat­te die Direk­ti­on für Gesund­heit berich­tet, dass auf­grund der Luft­an­grif­fe sowie der feh­len­den Ersatz­tei­le nur noch elf funk­ti­ons­fä­hi­ge Kran­ken­wa­gen in Ost-Alep­po bereit­ste­hen. Frei­wil­li­ge und NGOs nut­zen ein­fa­che Fahr­zeu­ge, um Ver­wun­de­te zu trans­por­tie­ren. / „Wir haben es bereits gesagt und sagen es erneut: Alle Kon­flikt­par­tei­en müs­sen ermög­li­chen, dass schwer Ver­wun­de­te und Kran­ke aus der Stadt gebracht wer­den, bevor es zu spät ist“, sagt Pablo Mar­co, Lei­ter der Nah­ost-Pro­gram­me von Ärz­te ohne Gren­zen. „Über­le­bens­wich­ti­ge Güter und medi­zi­ni­sches Mate­ri­al müs­sen in die Stadt gebracht wer­den kön­nen. Die Men­schen dort lei­den nicht nur unter dem anhal­ten­den Bom­ben­ha­gel, son­dern auch dar­un­ter, dass sie über­haupt kei­ne Unter­stüt­zung erhal­ten.“ / Ärz­te ohne Gren­zen unter­stützt in Ost-Alep­po alle acht ver­blie­be­nen Kran­ken­häu­ser. Lan­des­weit unter­stützt die Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on mehr als 150 Gesund­heits­zen­tren und Kli­ni­ken. Im Nor­den Syri­ens betreibt Ärz­te ohne Gren­zen selbst sechs medi­zi­ni­sche Ein­rich­tun­gen. Zu den von der syri­schen Regie­rung kon­trol­lier­ten Gebie­ten ein­schließ­lich West-Alep­po erhält die Orga­ni­sa­ti­on kei­nen Zugang. - stop

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