im juli

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echo : 0.10 UTC – Einmal, vor einem Jahr präzise, ging ich im Haus der alten Menschen herum. Da waren geöff­nete Türen, und da schaute ich hinein in die Zimmer. Ich beob­ach­tete einen alten Mann, der vor seinem Roll­stuhl kniete, und eine alte Dame mit schloh­weißem Haar, die lag wie ein Mädchen mit weit von sich gestreckten Armen und Beinen im Bett wie in einer Sommer­wiese. An einem weiteren Tag beob­ach­tete ich ein Bett, in dessen Kissen­tiefe ein kleiner Mensch ruhen musste. Nur Hände waren von ihm zu sehen, die sich bewegten, die Schatten warfen, die spielten oder mit der Luft spra­chen Stunde um Stunde, Tag für Tag. – Und jetzt ist ein Jahr später geworden, es ist November, es ist Zeit zu berichten, dass der kleine unsicht­bare Mensch im August gestorben ist. Viel­leicht ist er an den Wirkungen der Zeit gestorben oder aber in seinem Bett an den Folgen eines ohren­be­täu­benden Lärms, der auf ihn einwirkte mona­te­lang, weil man das Haus über ihm um ein Dach­ge­schoss erwei­terte, während er noch immer in seinem Bett lag. Aber das ist natür­lich nur eine Vermu­tung öder eine Befürch­tung oder eine Behaup­tung, nichts weiter. – stop

abschnitt neufundland

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Abschnitt Neufund­land meldet folgende gegen Küste gewor­fene Arte­fakte : Wrack­teile [ Seefahrt – 28, Luft­fahrt – 5, Auto­mo­bile – 332 ], Gruß­bot­schaften in Glas­be­häl­tern [ 18. Jahr­hun­dert – 2, 19. Jahr­hun­dert – 23, 20. Jahr­hun­dert – 656, 21. Jahr­hun­dert – 8532 ], Trol­ley­koffer [ blau : 2, rot : 18, gelb : 55, schwarz : 14 ], Seenot­ret­tungs­westen [ 11256 ], physical memo­ries [ bespielt – 4, gelöscht : 18 ], Ameisen [ Arbeiter ] auf Treib­holz [ 1033 ], 3 Puppen­köpfe [ Holz / Baujahr 1858 ], Brumm­kreisel : 14, Öle [ 0.22 Tonnen ], Prothesen [ Herz – Rhyth­mus­be­schleu­niger – 2, Knie­ge­lenke – 27, Hüft­ku­geln – 11, Brillen – 326 ], Halb­schuhe [ Größen 28 – 39 : 122, Größen 38 – 45 : 88 ], Plas­tik­san­dalen [ 643 ], Reise­do­ku­mente [ 5345 ], Kühl­schränke [ 1 ], Tele­fone [ 65 ], Gasmasken [ 22 ], Tief­see­tauch­an­züge [ ohne Taucher – 2, mit Taucher – 8 ], Engels­zungen [ 85 ] | stop |

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im garten. winter

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echo : 22.18 UTC – In einem Garten sehen wir an diesem Nach­mittag in der warmen Novem­ber­sonne eine ältere Dame knien. Mittels einer hand­li­chen Schaufel gräbt sie zunächst einen schmalen Schacht, kurz darauf legt sie in den schmalen Schacht einen leblosen Vogel ab, dann verschließt sie den Schacht und markiert das Gebiet, in welchem das Vögel­chen zu finden ist, mit einer Ziffer, die sie aus feinen Steinen bildet. Jetzt erhebt sie sich. Steht für einen Moment still, wir folgen ihrem Blick, der über zahl­lose Gräber der vergan­genen Jahre wandert. Reise und Leben der Vögel endete an einem Wohn­zim­mer­fenster des Hauses der alten Dame, das noch nie zerbro­chen ist. In der Küche, in einer Schub­lade, ruht ein Notiz­buch. Dort sind sorg­fältig Nummer der Gräber mit inne­woh­nenden Vogel­gat­tungen verzeichnet: Sper­ling, Meise, Schwalbe, Dompfaff, Grün­ling, Rotkehl­chen. Amseln fehlen. Aber zwei Igel sind da noch, sie sind nicht am Fenster zugrunde gegangen, beer­digt wurden sie trotzdem. – stop
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ein fahrrad

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whiskey : 5.16 UTC – Einmal, vor fünf Jahren sprach ich mit Martha, die kürz­lich gestorben ist, über das Vergessen oder Vergess­lich­keit. Sie sagte, dass man, wenn man wirk­lich vergess­lich wird, diese Vergess­lich­keit nur dann bemerkt, wenn man darauf aufmerksam gemacht wird. An Tagen, da sie sich allein in ihrer Wohnung aufhalte, könne sie vergessen, soviel sie wolle, es würde ihr selbst nicht und niemand anderem auffallen, dass sie eigent­lich einen Film betrachten wollte, aber auf dem Weg zum Fern­seh­gerät plötz­lich ein Buch auf dem Tisch entdeckte, weshalb ihr Film­wunsch verloren ging. – Liebe Martha, notierte ich, Du hast versäumt, nach einem Text zu suchen, von dem ich Dir erzählte. Ich sende diesen Text noch einmal und rufe Dich gleich an, damit Du ihn für mich vorlesen wirst. Hier ist der Text, den Martha damals vermut­lich noch wahr­ge­nommen hatte. Er geht so: Eines der letzten bewegten Bilder, die ich von meinem Vater in Erin­ne­rung habe, zeigt ihn, wie er in seinem Arbeits­zimmer am Computer arbeitet. Auf dem Bild­schirm sind dutzende Programm­fenster geöffnet. Der alte Mann sitzt fast bewe­gungslos in seinem Sessel. Manchmal tastet eine Hand durch die Luft, greift unsi­cher nach einem Glas Milch, bald stellt sie das Glas wieder auf den Tisch zurück. Ich sehe einen Zeiger über den Bild­schirm fahren. Ein weiteres Programm­fenster öffnet sich. Ein kleines Mädchen fährt in diesem Fenster auf einem Fahrrad über einen sandigen Weg. Sie bewegt sich in Schlan­gen­li­nien dahin, lacht hoch zur Kamera, die rück­wärts durch die Luft zu fliegen scheint. Es ist ein heiterer Film. Sobald der Film zu Ende ist, spielt ihn mein Vater von vorne ab. Aber dann öffnet sich wie von Geis­ter­hand noch ein Fenster, das den heiteren Film verdeckt. Eine Foto­grafie, Mutter nahe Lissabon an einem Strand. Neben ihr liegt der Mann, der vor dem Computer sitzt, im Sand. Er trägt Turn­schuhe. Auch meine Mutter trägt Turn­schuhe. Ich fragte mich, wer diese Aufnahme machte, und komme nicht darauf. Ein Schatten ist zu erkennen, der Schatten eines Foto­grafen viel­leicht. In diesem Moment ruft die Frau, die auf der Foto­grafie zu sehen ist, von unten, vom Wohn­zimmer her, dass das Mittag­essen bald fertig sei. Wie nun mein Vater sich an die Arbeit macht, alle Fenster, die er im Laufe des Vormit­tages geöffnet hatte, wieder zu schließen. Nein, alles muss aufge­räumt werden. Mein Vater steht nicht einfach auf, um sich sofort unsi­cheren Schrittes auf die Treppe zu wagen. Ich sehe, wie sich der Zeiger auf dem Bild­schirm den Rahmen der Programm­fenster nähert. Er scheint das Symbol für das Schließen der Fenster zu suchen, aber das Symbol ist nicht zu entde­cken, nicht zu erkennen. Der Zeiger irrt auf dem Bild­schirm herum, Fenster drängen sich in den Vorder­grund und verschwinden wieder. Dann kommt Mutter herbei, sie ruft zärt­lich: Komm, komm, das Essen ist fertig. Schritte auf der Treppe. Das Geräusch der Bestecke. Das Zwit­schern der Vögel vom Garten her. Im Zimmer auf dem Schreib­tisch ist der Computer längst einge­schlafen. – stop

schatten

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olimambo : 15.10 – Sind Sammler, die nicht exis­tie­rende Dinge sammeln, oder nicht exis­tie­rende Käfer­wesen, sagen wir, Trom­pe­ten­käfer, ja, sind die Sammler der Trom­pe­ten­käfer viel­leicht Erfinder? – stop

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über postkarten

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romeo : 15.10 – Post­karten exis­tieren, die einer­seits über eine Adresse verfügen, an welche sie gesendet werden könnten, aber über kein weiteres Zeichen, keine Nach­richt, keinen Gruß, keine Geschichte. Andere Post­karten, auch sie exis­tieren, erzählen in kleinsten Zeichen von einer Reise, beispiels­weise, oder einer beson­deren Liebe, mit feinsten Werk­zeugen aufge­tra­gene Schrift, doch eine Zustel­lung kann nicht gelingen, da eine Adresse fehlt, nicht einmal ein Absender ist vorhanden. Es kommt mir vor, als würde diese Gattung ziel­loser Post­karten Selbst­ge­spräche führen. – stop

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einmal*

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echo : 22.58 – Einmal dachte ich einen voll­stän­digen Tag entlang über die Größe kleinster Schrift­zei­chen nach, die von einer mensch­li­chen Hand frei auf Papier gezeichnet sein könnten. Nachts träumte ich von einem Jungen, der eine Appa­ratur probierte, die in der Lage sein sollte, die Körper­tem­pe­ratur einer Frucht­fliege zu messen. Wann sich dieser Tag präzise ereig­nete, kann ich nicht mit Gewiss­heit sagen, da ich meine Notizen auf einem Zettel schrieb, den ich hinter einem Schrank entdeckte. Ich weiß hingegen präzise, dass ich den Zettel vor zwei Wochen wieder­ge­funden habe. Es kommt mir nun so vor, als hätte sich der auf dem Zettel verzeich­nete Tag der Über­le­gung kleinster Schrift­zei­chen erst gestern ereignet. – stop

musik

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india : 22.58 UTC – In einem schat­tigen Laden nahe der Roose­velt Island Tramway Basis­sta­tion West wartete einmal ein alter Mann hinter einem Tresen. Er war vermut­lich ameri­ka­ni­scher Staats­bürger chine­si­schen Ursprungs. Als ich von dem kleinen Park her, dessen Linden­bäume Kühle spen­deten, in den Laden trat, verbeugte sich der Mann, grüsste, er kannte mich bereits, wusste, dass ich mich für Schne­cken inter­es­siere, für Wasser­schne­cken präzise, auch für wandernde Seeane­mo­nen­bäume, und für Pralinen, die unter der Wasser­ober­fläche, also im Wasser, hübsch anzu­sehen sind, schwe­bende Versu­chungen, ohne sich je von selbst aufzu­lösen. An diesem heißen Sommer­abend kamen wir sofort ins Gespräch. Ich erzählte dem alten Mann, ich würde nach einem beson­deren Geschenk suchen für ein Kiemen­mäd­chen namens Rose. Sie sei zehn Jahre alt und nicht sehr glück­lich, da sie schon lange Zeit den Wunsch verspürte, wie andere Kinder ihres Alters zur Schule zu gehen, leib­haftig am Unter­richt teil­zu­nehmen, nicht über einen Bild­schirm mit einem fernen Klas­sen­raum verbunden. Ich glaube, ich war genau zu dem rich­tigen Zeit­punkt in den Laden gekommen, denn der alte, chine­sisch wirkende Mann, freute sich. Er machte einen hellen, pfei­fenden Ton, verschwand in seinen Maga­zinen, um kurz darauf eine Reihe von Spiel­dosen auf den Tresen abzu­stellen. Das waren Walzen- und Loch­plat­ten­spiel­dosen mit Kurbel­werken, die der Ladung einer Feder­span­nung dienten. Vor einer Stunde gelie­fert, sagte der alte Mann, sie machen schau­er­lich schöne Geräu­sche im Wasser! Man könne, setzte er hinzu, sofern man sich in dem selben Wasser der Spiel­dosen befände, die feinen Stöße ihrer mecha­ni­schen Werke überall auf dem Körper spüren. Bald legte er eine der Dosen in ein Aqua­rium ab, in welchem Zwerg­see­rosen siedelten. Kurz darauf fuhr ich mit der Tram nach Roose­velt Island rüber. Das Musik­werk, Benny Goodman, das ich für Rose erstanden hatte, war in das Gehäuse einer Jakobs­mu­schel versenkt. Die Schnecke lebte, weswegen ich tropfte, weil der Beutel, in dem ich Roses Geschenk trans­por­tierte, über eine undichte Stelle verfügte. Gegen Mitter­nacht, ich war gerade einge­schlafen, öffnete tief in meinem rechten Ohr knis­ternd eine Zwerg­see­rose ihre Blüte. – stop
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amsterdam

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MELDUNG. Frische Ohren zu Amsterdam, mensch­lich, aus den Laboren in der Over­singe 11, nahe Amstel­park: 100 g geröstet je 22 engli­sche Pfund. Nur heute. Solange der Vorrat reicht. – stop
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joyce carol oates

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ulysses : 15.08 UTC – Nehmen wir einmal an, dem ursprüng­li­chen Code einer Seeane­mone würde ein weiterer Code hinzu­ge­fügt, eine sehr kurze Strecke nur, sagen wir Joyce Carol Oates Erzäh­lung Nackt mittels Nukleo­ba­sen­paaren notiert. Was würde geschehen? Inwie­fern würde Joyce Carol Oates Text Wesen oder Gestalt einer Seeane­mone berühren? Würde der Text von Seeane­mone zu Seeane­mone weiter­ge­reicht, würde ihr Text sich nach und nach verän­dern, würde er viel­leicht entlang der Küsten­li­nien wandern? Seit Dezember 2014, ich hatte wieder einmal geträumt, sind mensch­liche Personen denkbar, die nur zu dem einem Zweck exis­tieren, nämlich Ohren, ein gutes Dutzend wahl­weise auf ihren Armen oder Schul­tern zu tragen, um sie gut durch­blutet solange zu konser­vieren, bis man sie von ihnen abnehmen wird, um sie auf eine weitere Person zu verpflanzen, die eine gewisse Zeit oder schon immer ohne Ohren gewesen ist. Unheim­liche Sache. Unheim­lich nach wie vor. – stop

notiz

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nordpol : 15.08 UTC – Nehmen wir einmal an es wäre möglich, die Geschwin­dig­keit meines Denkens für einen Tag meines Lebens zu bestimmen, etwa so, als würde ich die Dreh­ge­schwin­dig­keit einer Schall­platte durch das Umlegen eines Hebels vari­ieren. Würde ich mich beschleu­nigen oder würde ich mich bremsen? Ein Wort sollte denkbar sein und aussprechbar. Warum? – stop

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satellit

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sierra : 15.08 UTC – Ich erzählte gestern wieder einmal, dass ich mir gerne vorstelle, wie es wäre, wenn ich über ein beson­deres Auge verfügte, ein Auge nämlich, das ich meinem Kopf entnehmen und vor mich hin auf den Tisch ablegen könnte, ein lebendes Auge, ein Auge, mittels dem ich einer­seits von meinem Kopf aus fröh­lich in die Welt hinaus­schauen würde, ande­rer­seits ihm Frei­heit des Raumes gewähren, ohne dass es sofort Schaden nehmen sollte, ein Augen­wesen demzu­folge, ein Augen­tier, mit einem selbst­stän­digen Gehirn, mit einem Magen, Blut­ge­fäßen, Ohren ( ich bin mir nicht sicher ), einem Mund und einem Verdau­ungs­ap­parat, alles sehr klein und feinst gewirkt, eine Persön­lich­keit von 7.5 Gramm Gewicht, die mich gern von einem Tisch her betrachten würde, diesen Mann mit fehlendem Auge, was nicht wirk­lich der Fall ist, weil das Auge, das fehlt, eigent­lich anwe­send ist, aber nicht dort, wo man es erwartet unweit der Nase, sondern längst auf dem Tisch. Stellt sich nun die Frage, was so ein Auge zu sich nehmen wollte, wie man es füttert, was und wie viel an einem der Lebens­tage eines unab­hän­gigen Augen­ge­schöpfes getrunken werden sollte, und was in Etwa geschehen würde, wenn sich das Auge in ein weiteres Auge vernarrt? – stop

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von herzohren

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olimambo : 2.22 UTC – Einmal studierte ich das Wesen der Schmeck­knospen, außerdem eine anato­mi­sche Geschichte, die sich mit dem Wort Schmeck­knospen verbindet. Der Himmel blitzte ohne Donner, kaum Regen. Ich atmete mit Vorsicht, die Luft duftete nach Schwefel. Während ich las, bemerkte ich, dass ich auch im Lesen sehr langsam geworden bin. Manchmal lese ich so langsam, dass ich nicht Satz für Satz, sondern Wort für Wort vorwärts lese, jedes Wort, sagen wir, wahr­nehme wie es ist. Während ich insge­samt lang­samer werde, scheinen viele Menschen um mich her schneller zu werden, sie lesen immer schneller, und sie lieben immer schneller, und sie schreiben immer schneller, und ihre Schuhe fallen ihnen vom rasenden Gehen immer schneller von den Füßen. Und Ihre Wohnungen wech­seln Stadt­men­schen so rasant wie früher andere Personen ihre Zimmer in Hotels. Ich kann nicht sagen, ob ich nicht viel­leicht schon viel zu langsam geworden bin für das moderne Leben. Sicher ist, ich spreche noch immer viel zu schnell, auch für sehr schnelle Menschen spreche ich viel zu schnell. Wenn ich Herz­ohren sehr schnell erzähle, fällt niemandem auf, dass ich von Herz­ohren erzählte, man glaubt, ich erzählte von Herzen und ande­rer­seits von Ohren. Einmal wanderte ich sehr langsam von einem Zimmer in ein anderes. Ich beob­ach­tete mit großer Freude, dass ich in meiner Haut alles das, was notwendig für das Leben sein würde, von dem einen Zimmer, in dem ich aus dem Fenster geschaut hatte, in das andere Zimmer, in dem ich ein weiteres Buch lesen wollte, mit mir genommen hatte, nichts blieb zurück. – stop

bald winter

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tango : 22.58 UTC – Einmal dachte ich über einen Winter­käfer nach­. Aber anstatt einen Winter­käfer zu finden, war mir ein anderes Käfer­wesen in den Sinn gekommen. Dieser, noch immer namen­lose Käfer, sollte ohne Ausnahme paar­weise erscheinen, weich sein wie eine Schnecke und von der Körper­tem­pe­ratur der Menschen und genau so groß, dass er sich in die Augen­höhle eines Schla­fenden einzu­schmiegen vermag. Ich notierte, man würde an dieser Stelle viel­leicht meinen, der Käfer würde sich mit seiner Wirkung als Nacht­schirm begnügen, statt­dessen wollte er sich sacht bewegen und in dieser Weise in Bewe­gung sehr entspan­nende Polar­licht­spiele von milder, beru­hi­gender Lumi­nes­zenz erzeugen. – Während ich diese Zeilen, die ich leicht verän­dert habe, damals sendete, hörte ich von der Nach­richt, Benazir Bhutto sei von einem Selbst­mord­at­ten­täter getötet worden. – stop
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buenos aires

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MELDUNG. Tief­see­ele­fanten, 501 hupende Rüssel­rosen, im Rio de La Plata kurz vor Buenos Aires gesichtet. Man befindet sich in lang­samer Bewe­gung west­wärts. – stop
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animals

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echo : 10.02 – Ein lebendes Blatt Papier, nach wie vor heiter, welches aus Millionen mobiler Einheiten oder Persön­lich­keiten bestehen würde, könnte immer dann als eine Rechen­ma­schine betrachtet werden, wenn jedes der zu dem Blatt gehö­renden Indi­vi­duen für sich im Stande wäre, zwei oder weitere Zustände, zum Beispiel hell oder nicht hell, anzu­nehmen und den Status dieser Selbst­ver­fas­sung mittels einer Sprache an benach­barte Indi­vi­duen weiter­zu­geben. Ja, das ist denkbar, eine Rechen­ma­schine, die sich vorsätz­li­cher Weise in Luft auflösen und wieder aus der Luft heraus vereinen könnte. – stop

ein mann

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delta : 22.15 UTC – Ich beob­ach­tete einen Mann, der auf einer Roll­treppe entgegen ihrer Fahr­rich­tung spazierte. Kurz darauf besuchte ich einen Super­markt. Während ich Äpfel und Birnen wog, dachte ich an diesen Mann auf der Roll­treppe. Ich über­legte, der Mann könnte viel­leicht den Versuch unter­nehmen, mehrere Tage und Nächte auf einer Roll­treppe zu spazieren, ohne je das eine oder andere Ende der Roll­treppe zu errei­chen. Kurz darauf kam ich wieder an derselben Roll­treppe vorüber. Der Mann lief noch immer gegen die Lauf­rich­tung der Treppe. Passanten waren stehen­ge­blieben. Ich selbst hatte für einen Augen­blick ein selt­sames Gefühl der Verant­wort­lich­keit für das Handeln des Mannes. – stop
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