edison

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oli­mam­bo : 3.15 — Vari­anten, Bewe­gun­gen ein­er Hand zu beschreiben, die sich spielerisch über ein­er Klar­inette bewegt. — Müde. — Vielle­icht diese Art San­dau­gen­müdigkeit, die Nachtar­beit bewirken kann. Wann ist Mit­tag in der Nacht? Wann begin­nt der Abend? Ich ste­he auf, vertrete mir die Beine, laufe vor dem Bücher­re­gal hin und her, ent­decke ein Edis­on­buch, eines aus der Kinderzeit, sitze auf dem Sofa, lese und schaue. — Wie man Glüh­bir­nen macht? Zunächst macht man einen gläser­nen Behäl­ter für das Licht und dieses Glas nun glüht in einem sehr war­men orange­far­be­nen Ton und ist flüs­sig und irgend­wie sehr heiß, denn die Män­ner, die an ihm arbeit­en, tra­gen kräftige Hand­schuhe, ihre Gesichter sind zum Schutz mit feucht­en Tüch­ern ver­bun­den. Jet­zt bin ich eingeschlafen.
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quentin crisp

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romeo : 18.12 — Sam­stag. Regen. Knis­ternde Fen­ster. Beobachtete die Film­bi­ogra­phie des homo­sex­uellen Schrift­stellers Quentin Crisp vor und zurück. Gegen Ende seines Lebens fol­gende Sätze: Behar­rlichkeit ist Ihre stärk­ste Waffe. Es liegt in der Natur von Bar­ri­eren, dass sie fall­en. Ver­suchen Sie nicht so zu wer­den wie Ihre Wider­sach­er. Sie tra­gen die Bürde und haben die große Freude, Außen­seit­er zu sein. Jed­er Tag, den Sie leben, ist eine Art Tri­umph, daran soll­ten Sie immer fes­thal­ten. Sie soll­ten sich nicht bemühen und ver­suchen, sich der Gesellschaft anzuschließen. Nein, bleiben Sie stets da, wo Sie sind. Geben Sie Ihren Namen und Ihre Seri­en­num­mer und warten Sie darauf, dass die Gesellschaft sich um Sie herum bildet. Denn das wird sie höchst­wahrschein­lich tun. Schauen Sie niemals nach vorn, wo es die Zweifel, und niemals zurück, wo es das Bedauern gibt. Nein, schauen Sie immer nach Innen, und fra­gen Sie sich nicht, ob es in der Außen­welt etwas gibt, was Sie wollen, son­dern ob es Innen irgen­det­was gibt, das Sie noch nicht aus­gepackt haben. / zitiert nach der Ton­spur des Films “An Eng­lish­man in New York”

luftzeitpumpen

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~ : louis
to : Mr. eliot
sub­ject : LUFTZEITPUMPEN

Mein lieber Eliot! Ich habe mir heute gedacht, man müsste beizeit­en ein­mal mit ein­er höheren Instanz darüber ver­han­deln, ob nicht Leben­szeit durch Lesezeit ver­längert wer­den kön­nte. — Wollte Dir schon lange schreiben. Ich nehme an, Du wirst irgend­wann vor Monat­en zunächst Dein Warten, dann meinen Namen vergessen haben. Oder wars etwa umgekehrt gewe­sen? Nun, hier bin ich wieder, Dein Louis, jen­er Louis, der in sein­er Vorstel­lung Luftzeit­pumpen ver­suchte. Um Him­mel­swillen, ich werde doch nicht ganz und gar ver­loren sein, ein selt­samer Gedanke, dass ich mein­er Arbeit nachge­gan­gen sein kön­nte, ohne bemerkt zu haben, dass meine Exis­tenz in Deinem Leben endete, ein fern­er Tod, mein eigen­er. Sam­melst Du weit­er­hin Herzen Dein­er Rechen­maschi­nen? Wie geht’s Dein­er Geliebten? Was macht das Chro­mo­som No 1, hast Du’s bald aus­ge­druckt? — Zwergseerosen segeln durch die Luft. Antworte rasch! Dein Louis

gesendet am
04.10.2010
23.12 MESZ
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marit

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nord­pol : 0.02 — Ver­gan­gene Nacht war ich wach gewor­den um fünf. Ich hat­te einen merk­würdi­gen Traum, in dem Mr. Eliot erk­lärte, dass er Briefe, die ich an ihn schreibe, nicht lesen könne, weil er schon vor langer Zeit blind gewor­den sei. Ich war dann also wach um fünf und fühlte mich leicht, und ich wun­derte mich, woher diese Leichtigkeit gekom­men sein mochte. Da erin­nerte ich mich, dass ich noch immer nach­drück­lich auf eine Antwort James Salters warte, ich hat­te ihm vor zwei Jahren zulet­zt geschrieben. Auch Mr. Salter kön­nte blind gewor­den sein, kein Wun­der, dass er nicht schreibt. Unverzüglich suchte ich in den Archiv­en nach dem Brief, den ich notiert hat­te. Er war rasch gefun­den, eine feine Geschichte, die ich berühre, die ich hier wieder­hole, in dem ich sie mit Stimme lese, in der Hoff­nung, dass Mr. Salter  mich hören kann: Lieber James Salter, als ich heute Nacht am Schreibtisch saß und in Ihren wun­der­baren Erzäh­lun­gen las, habe ich eine kleine Spinne bemerkt, die mich beobachtete, jawohl, sie saß auf dem Fein­sten der Blatthaare eines Ele­fan­ten­fußbaumes, der neben mein­er Com­put­er­mas­chine ste­ht, und beobachtete mich aus mehreren winzi­gen schwarzen Augen. Ich habe über­legt, was dieses Wesen wohl in mir sieht. Für einen weit­eren kurzen Moment habe ich darüber nachgedacht, ob Spin­nen vielle­icht hören, – ich lese oft laut vor mich hin, das soll­ten sie wis­sen -, und so wun­derte ich mich, dass ich viele Jahre gelebt habe, ohne der Frage nachzuge­hen, ob Spin­nen über Ohren­paare oder doch wenig­stens über einen zen­tralen Gehör­gang, wo auch immer, ver­fü­gen. Ich saß also am Schreibtisch, ich las und die kleine getigerte Spinne, von der ich Ihnen erzäh­le, seilte sich zur Tas­tatur mein­er Com­put­er­mas­chine ab. Ich hat­te den Ein­druck, dass ihr diese Luft­num­mer Freude machte, weil sie ihre Lan­dung immer wieder hin­auszögerte, indem sie den Faden, der aus ihr selb­st her­aus­gekom­men war, ver­speiste, demzu­folge verkürzte. Vielle­icht hat­te sie bemerkt, dass ich sie betra­chtete, das ist denkbar, weil ich aufge­hört hat­te, laut zu lesen für einen Moment, um nachzu­denken, vielle­icht wollte sie, um sich mir darzustellen, auf mein­er Augen­höhe bleiben. Das war genau in dem Moment als Mar­it nach ihrer let­zten Nacht auf unsicheren Beinen die Treppe herun­tergekom­men war, Mar­it, die doch eigentlich seit Stun­den schon tot gewe­sen sein musste. Mar­it set­zte sich auf eine Treppe und begann zu weinen. Sich­er wer­den Sie sich erin­nern an Mar­it, wie sie auf der Treppe sitzt und weint, weil sie wusste, dass sie eine weit­ere let­zte Nacht vor sich haben würde. Als ich las, dass Mar­it lebt und weint, habe ich eine Pause gemacht, weil ich erschüt­tert war, weil das Gift nicht gewirkt hat­te. Ich saß vor meinem Schreibtisch und über­legte, ob auch sie, James Salter, erschüt­tert waren, als Mar­it langsam, auf unsicheren Beinen die Treppe herun­terkam. Und während ich an Sie und Ihre Schreib­mas­chine dachte, beobachtete ich die Spinne, die mit ihren sehr kleinen Beinen, den Faden, an dem sie hing, betastete. Ist das nicht ein Wun­der, eine Spinne wie diese Spinne? Haben Sie schon ein­mal bemerkt, dass es nicht möglich ist mit ein­er elek­trischen Schreib­mas­chine zwei Buch­staben zur gle­ichen Zeit, also übere­inan­der, auf das Papi­er oder den Bild­schirm zu schreiben? Immer ist ein­er vor, niemals unter dem anderen. Mit her­zlichen Grüßen. Louis.

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natalie sarraute

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echo : 22.55 — Während ich einen Text über Hände und Fin­ger notierte, beobachtete ich meine eige­nen, arbei­t­en­den Hände und Fin­ger, wie sie die Tas­tatur der Mas­chine bedi­en­ten, ohne dass ich ihnen bewusst Anweisung erteilte. Ein­mal kon­nte ich nicht weit­er, deshalb machte ich eine kleine Pause und betra­chtete zunächst meine linke, dann meine rechte Hand. Sie ruht­en Seite an Seite auf der Tas­tatur der Mas­chine und warteten. Sie warteten darauf, dass eine Stimme in meinem Kopf dik­tieren würde, was aufzuschreiben ist. Ich kön­nte jet­zt vielle­icht sagen, dass meine Hände darauf warteten, mein Gedächt­nis ent­las­ten zu dür­fen, weil ich alle Sätze, die ich mit meinen Hän­den in die Tas­tatur der Mas­chine schreibe, nie ler­nen, nie spe­ich­ern muss, weil ich bere­its vor der Nieder­schrift weiß, dass ich bald wiederkom­men und lesen kön­nte, was ich notiere und notierte. Ich betra­chtete also meine Hände, und weil ich sehr lange Zeit nicht weit­er wusste in meinem Text, habe ich in Nathalie Sar­rautes wun­der­barem Buch Kind­heit gele­sen. Nach ein­er Stunde schal­tete sich mein Com­put­er aus und ich kon­nte auf dem Bild­schirm fol­gende Zeile lesen: no sig­nal. going to sleep.

<img class=“alignright” size-full wp-image-11174” title=“ny35” src=“https://andreas-louis-seyerlein.de/air/wp-content/uploads/2010/10/ny35.jpg” alt=”” width=“425” height=“700” />

schlafhauszeit

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sier­ra : 20.21 — Ein­mal nach ein­er Meth­ode suchen, für einen Men­schen, das heißt, an Stelle eines anderen Men­schen, schlafen zu kön­nen. Man würde for­t­an Traumzeit rang­ieren, man würde sagen, heute und mor­gen, während Du arbeitest, um fer­tig wer­den zu kön­nen mit Dein­er Arbeit, weil Du fer­tig wer­den, sehr bald fer­tig wer­den musst, lege ich mich auf mein Sofa und schlafe vierundzwanzig Stun­den für dich und mich. Und kom­mende Woche dann, wenn ich nach Finn­land reisen werde, wo’s im Som­mer niemals dunkel wird, schläf­st du Tage, ja Wochen anstatt mein­er, weil im Herb­st tod­sich­er wieder viel wilde Arbeit über dich her­fall­en wird. Vielle­icht soll­ten ein­mal Schläfer existieren, Men­schen, die schlafen, das kön­nte sein, Men­schen, die vornehm­lich schlafen, um sich ernähren zu kön­nen, sobald sie für kurze Zeit wach gewor­den sind, Schlaf­säle vielle­icht, oder Schlafwaben für Schläfer, wohltem­perierte Träumerge­häuse. Wie kön­nte geschlafene Zeit, die Wirkung dieser Zeit, gespe­ichert und von Kopf zu Kopf geschrieben sein?

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minutenzeit

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india : 15.05 — Ver­suche, die Zeit vorzustellen, das heißt, die Zeit ein­er Minute zu messen oder zu fühlen oder zu denken, ohne eine Uhr zur Hil­fe zu nehmen. Das ist natür­lich nicht ganz richtig for­muliert, weil ich die Genauigkeit mein­er geisti­gen Mes­sung prüfe, in dem ich nach Ablauf ein­er Minute, ein­er vorgestell­ten Minute, die tat­säch­lich ver­strich­ene Zeit vom Zif­ferblatt ein­er kleinen Stop­puhr lese, die ich in dem Moment mit ein­er Hand­be­we­gung in Gang set­ze, da ich denke, jet­zt, genau jet­zt ist die Zeit ein­er Minute ange­brochen. Nein, ich zäh­le nie bis sechzig, auch nicht bis dreißig! Und die Arbeit der Uhr, die in mein­er Hand der Minuten­zeit eine gültige Gestalt ver­lei­ht, ist nicht zu spüren, nicht zu hören. Ich habe fest­gestellt, dass die Minuten­zeit des Mor­gens kürz­er ist als die Minuten­zeit des Abends an der­sel­ben Stelle. Selt­same Geschichte!

time

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romeo : 22.58 — Ein Wort, das ich erin­nere, kann ich nicht erfind­en. stop Mil­lisekun­den­we­iche. stop Flim­mern. — stop

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bauchwellen

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echo : 0.05 — Würde man die Gestalt eines Basskäfers auf einem Blatt Papi­er zur Auf­führung brin­gen, wäre zunächst ein enormer Knochen­raum zu zeich­nen, eine Kam­mer, in der sich Luft befind­et, Luft in Erwartung ein­er Kraft, die sie in geräuschvolle Schwingung ver­set­zen wird. Irgend­wo dort, an einem der schmaleren Enden dieses Raumes, sitzt ein klein­er Kopf, Füh­ler, Ohrensegel, fal­ten sich tas­tend durch seine unmit­tel­bare Umge­bung, fein­ste Appa­ra­turen. Dafür Augen keine, aber Beine, die sich flink bewe­gen. Er spielt, wie alle seine Artgenossen, im Liegen auf dem Rück­en, greift dann nach fein­sten Sait­en von Kupfer­chitin, die über seinen Bauchre­gio­nen aufges­pan­nt. Wun­der­volle, sonore Töne sind zu hören, indem der Käfer sich selb­stvergessen langsam um die eigene Achse zu drehen begin­nt, dum­dum, dum­dum, immerzu links, immerzu links, immerzu links herum. — Nacht. stop. Kühl. stop. Habe meine Win­ter­beleuch­tung angeschal­tet. Vier Lam­p­en in der Küche, zwei im Flur, sieben in den Spazier­ar­beit­sz­im­mern, hell ist’s als sei Tag. Guten Mor­gen.

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südwand

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india : 6.15 — In der Arbeit des Erfind­ens wie in der Arbeit des Klet­terns in ein­er Berg­wand, ist jede näch­ste Auf­gabe die Wichtig­ste. stop

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XZH-78

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oli­mam­bo : 0.01 — Eine lebende Tapete, ein sum­mendes Wesen aus Mil­lio­nen zartester Mol­lusken, die einan­der ver­bun­den sind und doch jede für sich alleine existieren kön­nten. Diese sehr kleinen Tiere nun sind so eingestellt, dass sie Stäube, Sporen, Pilze, aber auch Bak­te­rien und Viren aus der Raum­luft ent­nehmen. Und weil sie alle der­art aneinan­der befes­tigt sind, dass ihre Auss­chei­dung­sor­gane sich nach Außen richt­en, kön­nte man also von ein­er Wand sprechen, von ein­er leben­den Haut oder einem außeror­dentlich wirk­samen Fil­ter in ein­er Per­so­n­engestalt. Sobald eine Mol­luske gestor­ben ist, wird sie von umgeben­den Mol­lusken ver­til­gt, eine Proze­dur, die nicht sehr häu­fig vorkom­men wird, weil die Mol­lusken, so wie ich sie wün­sche, ein hohes Alter erre­ichen, sagen wir, sie wer­den zwei­hun­dert Jahre alt oder um weit­ere Jahre älter. Ein­mal am Tag ist im Mol­lusken­z­im­mer ein Brausen zu vernehmen, ein sehr tiefer, warmer Ton, der in ein­er Welle durch das Staat­sti­er wan­dert. Das ist die Minute, da Mol­luske für Mol­luske je ihren Bauch entleert.

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nicolas bouvier

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tan­go : 0.01 — War über einem Buch des Schweiz­er Schrift­stellers Nico­las Bou­vi­er eingeschlafen, hat­te in let­zter Sekunde noch einen Gedanken wahrgenom­men. Ich sagte zu mir mit leis­er wer­den­der Stimme im Kopf: Du musst ein­mal über­legen, ob es sin­nvoll ist, nach ein­er Meth­ode zu suchen, im Schlaf ein Buch lesen zu kön­nen. Ja, das wär eine inter­es­sante Geschichte. Man würde sich natür­lich an die erzäh­lende Wirk­lichkeit des Buch­es selb­st nicht erin­nern, das man ger­ade noch las oder hörte während man schlief, weil man das Buch nicht bewusst wahrnehmen kon­nte, und doch wäre man mit Her­rn Bou­vi­er nach Gal­way geflo­gen wegen eines Lochs im Sturm. Man wäre in ein­er Art und Weise nach Gal­way geflo­gen, dass man sich ein­mal später so gut an diesen Flug erin­nern kön­nte, als wäre man selb­st dort in Kil­ro­nan gewe­sen, eine Ahnung, Geräusche, Luft und Leute. — stop

betäubung

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alpha : 10.25 — Mel­dun­gen, die den Tod oder die Ver­wun­dung von Men­schen verze­ich­nen, wer­den zur Unsicht­barkeit hin betäubt durch Beschle­u­ni­gung der Sprache: title / 2 LN chil­dren WIA = title / 2 local nation­al chil­dren wound­ed in action. /aus geheimen Feld­bericht­en der US-Armee zum Irak-Krieg, veröf­fentlicht auf der Plat­tform Wik­ileaks

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verschwinden

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sier­ra : 18.01 — Vor Kurzem, am frühen Abend genauer, ist mir eine merk­würdi­ge Geschichte mit mir selb­st passiert. Ich saß ger­ade vor dem Com­put­er­bild­schirm und beobachtete, wie ein Serv­er Zeile um Zeile meldete, welche Datei ein­er dig­i­tal­en Arbeit ger­ade aus der les­baren Welt in eine nichtles­bare Welt befördert wird, als ich bemerk­te, dass mir das Löschen gefällt, dass auch das Ver­schwinden, Zeile für Zeile, reizvoll sein kann. Für einen kurzen Moment hat­te ich die Idee, dass der Serv­er, nach­dem er meine Geschichte zu Ende gelöscht haben würde, auf mich selb­st zugreifen kön­nte, also die Per­son des Autors zu sich holen und löschen, wie kurz zuvor die Gedanke­nar­beit zweier Tage. Wom­it, fragte ich, würde er begin­nen? Mit ein­er mein­er Hände eventuell, oder mit meinen Augen oder mit meinen Ohren? Wie würde sich dieses Ver­schwinden bemerk­bar machen? Würde ich den Ein­druck haben, leichter zu wer­den, oder würde ich vielle­icht verge­blich nach einem Bleis­tift greifen, weil meine zupack­ende Hand licht­durch­läs­sig gewor­den ist? – stop
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im schneehaus

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wil­ilibam­bo : 0.12 — Man sollte, sagen wir, sobald man auf Reisen geht, Basskäfer in Stre­ich­holzschachteln liegend in der Jack­en­tasche mit sich führen. Sie wer­den vielle­icht musizieren, während man in einem Zug oder einem Flugzeug sitzt, so leise spie­len, dass man nichts zu hören ver­mag, nur ein leis­es Beben spüren, das sich als Schauer­welle aus­bre­it­et, wär­mend der Gedanke an die Käfer, wie sie in ihren Kof­fern übend lungern. — Kurz nach Mit­ter­nacht. Heut ist Mon­tag, selt­sam­ster Tag unter den Tagen. Bin west­wärts gewan­dert im goßen Lesesaal der Büch­er von Eis. — 52° Cel­sius, da knis­tert die Luft. Studierende Men­schen sitzen vor gefrore­nen Tis­chen auf gefrore­nen Stühlen, Loko­mo­tiv­en gle­ich stoßen sie Dampf aus Mund und Nase, nehmen Fahrt auf in der Lek­türe aufre­gen­der Textpas­sagen, ihr Feuer­atem, fein­ster Schnee, der über den Büch­ern niederge­ht. — stop

code-schirme

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echo : 20.55 - title / 2 LN chil­dren WIA beschle­u­nigt title / 2 local nation­al chil­dren wound­ed in action. stop. Jed­er Wörter­code ein Man­tel. stop. Haben ver­wun­dete Kinder ihr Gesicht, ihr Augen­licht, Arme oder Beine ver­loren? stop. Ein Buch­stabe noch unter­schei­det für sich Leben von Tod: title / 2 LN chil­dren KIA beschle­u­nigt title / 2 local nation­al chil­dren killed in action. stop /aus geheimen Feld­bericht­en der US-Armee zum Irak-Krieg, veröf­fentlicht auf der Plat­tform Wik­ileaks

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taschenspielzeug

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romeo : 2.01 — Träumte, obwohl ich New York besuchen wollte, nahe Mon­tauk gelandet zu sein. Hat­te meinen Impf­pass vergessen und man sagte mir noch an Bord des Flugzeuges, dass ich ohne Impf­pass niemals nach New York hinein­ge­lassen wer­den würde. Man lan­dete also rasch an näch­ster Küste und set­zte mich dort ab. Die Stadt Mon­tauk nun bestand aus flachen Hüt­ten. Selt­same Men­schen lebten in diesen Hüt­ten. Sobald ich mich ein­er Hütte näherte, trat­en sie zu mir auf die Straße und erzählten, wie ich den Flughafen wieder find­en kön­nte, weil ich mich in der Stadt sofort verir­rt hat­te. Als sie hörten, dass ich ohne Impf­pass sei, sagten sie: Vergessen Sie New York. Alle diese fre­undlichen Men­schen, denen ich auf der Straße vor ihren hölz­er­nen Häusern begeg­nete, führten eine Plas­tik­tasche mit sich, die sie an einem Led­er­riemen nahe der Achsel­höh­le befes­tigt hat­ten. In dieser Tasche lebten ihre Kinder in ein­er weit­eren Stadt, die den Namen Mon­tauk trug. Die Stadt musste jew­eils sehr leicht gewe­sen sein, weil die Men­schen wed­er gebückt gin­gen, noch ihre Taschen auf den Boden stell­ten, um sich mit mir über meine verge­bliche Reise nach New York zu unter­hal­ten. Manch­mal, wenn es leise wurde, wenn die Wellen des nahen atlantis­chen Meeres ger­ade ein­mal Pause macht­en, kon­nte ich sehr feine, helle Stim­men vernehmen, Auto­mo­bil­hu­pen und Flugzeuge, Geräusche direkt von der näch­sten Tasche her.

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toctoctoc

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delta : 4.35 — Wieder die Frage: Kann man mit ein­er Hydra ver­han­deln? In dieser Nacht, um ein­er Antwort näherzukom­men, die Pro­gram­m­mas­chine Azureus unter­sucht. Auf selt­same Wörter gestoßen: seed pear port sniff­ing node bit­tyrant grid hash node mor­pheus bor­der gate­way pro­to­col ID prox­im­i­ty peer­ing matrix traf­fic for­ward error cor­rec­tion route­serv­er vpn-tun­nels asym­met­ric-key cryp­tog­ra­phy closed­source smkari­bou peer­snap dig­i­talsig­natur jav­a­groups: [[group/page]] dis­plays page, [[group.page]] dis­plays group.page, [[group ( .page )]] dis­plays group sep­a­ra­tors !, !!, !!! for head­ings, for hor­i­zon­tal line change size: is big­ger, is small­er, ‘^super­script^’, ’sub­script’ — stop. toc­toc­toc: Guten Mor­gen!

<img class=“alignright” size-full wp-image-11576” title=“ny45” src=“https://andreas-louis-seyerlein.de/air/wp-content/uploads/2010/10/ny45.jpg” alt=”” width=“425” height=“700” />

nabou’s zunge

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echo : 5.12 — Nabou*, ja, Nabou, Frau aus dem Süden, wie sie nachts vor ein­er Tasse Kaf­fee am Flughafen in großzügi­gen Sprün­gen durch die Zeit erzählt. Das Bar­fußmäd­chen Nabou, für Minuten ist sie wieder zum Flüchtlingskind gewor­den, erin­nert, fin­steres Gesicht, einen sudane­sis­chen Herrsch­er, jenen Her­rn, der Bars ein­er Stadt räu­men und den Alko­hol in den Nil schüt­ten ließ. In der sel­ben Stadt, nur wenige Stun­den später, wur­den im Namen des sel­ben Mannes, Hände von Armen geschla­gen für dies oder das zur Strafe. Das Feuer in den Augen der Erzäh­lerin, wie sie berichtet von ein­er Zeit, da mus­lim­is­che und christliche Kinder noch gemein­sam die Schule besucht­en und heirateten kreuz und quer. Undenkbar heute, undenkbar, raschelt Nabou mit ihrer selt­sam rauen Stimme, alle Men­schen, wo auch immer, rück­en nach rechts. Dann dieser ver­dammte Abend als Nabou eine bosnis­che Fre­undin besucht. Man sitzt mit Fam­i­lie in Mit­teleu­ropa um einen Tisch, es ist kurz vor Wei­h­nacht­en. Die Attacke auf den christlichen Glauben kommt ohne Vor­bere­itung während der Nach­speise. Als Nabou sich als Christin zu erken­nen gibt, das Staunen der Fre­undin: Aber Ihr habt doch ein Glas Wass­er neben der Schüs­sel im Bad, und Du, Nabou, sprichst die ara­bis­che Sprache! Wie von diesem Moment an das Gespräch zu Ende war. Ver­knotete Zun­gen, sagt Nabou, nach all den traut­en Jahren, ver­knotete Zun­gen.

* Name geän­dert
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time

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char­lie : 2.01 — Selt­same Stunde. Noch bevor es 3 wer­den kann, springt die Uhr auf 2 zurück. Die heit­ere Vorstel­lung, das würde sich geräusch­los genau so fort­set­zen. Es würde nicht hell wer­den. Nie­mand im Haus würde erwachen. Ich kön­nte rasch ein­mal, ehe die Zeit nach fünf Jahren gegen 4 Uhr zu weit­er­fahren wird, die ara­bis­che Sprache erler­nen. — stop

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