edison

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olimambo : 3.15 – Vari­anten, Bewe­gungen einer Hand zu beschreiben, die sich spie­le­risch über einer Klari­nette bewegt. – Müde. – Viel­leicht diese Art Sand­au­gen­mü­dig­keit, die Nacht­ar­beit bewirken kann. Wann ist Mittag in der Nacht? Wann beginnt der Abend? Ich stehe auf, vertrete mir die Beine, laufe vor dem Bücher­regal hin und her, entdecke ein Edison­buch, eines aus der Kinder­zeit, sitze auf dem Sofa, lese und schaue. – Wie man Glüh­birnen macht? Zunächst macht man einen gläsernen Behälter für das Licht und dieses Glas nun glüht in einem sehr warmen oran­ge­far­benen Ton und ist flüssig und irgendwie sehr heiß, denn die Männer, die an ihm arbeiten, tragen kräf­tige Hand­schuhe, ihre Gesichter sind zum Schutz mit feuchten Tüchern verbunden. Jetzt bin ich einge­schlafen.
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quentin crisp

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romeo : 18.12 – Samstag. Regen. Knis­ternde Fenster. Beob­ach­tete die Film­bio­gra­phie des homo­se­xu­ellen Schrift­stel­lers Quentin Crisp vor und zurück. Gegen Ende seines Lebens folgende Sätze: Beharr­lich­keit ist Ihre stärkste Waffe. Es liegt in der Natur von Barrieren, dass sie fallen. Versu­chen Sie nicht so zu werden wie Ihre Wider­sa­cher. Sie tragen die Bürde und haben die große Freude, Außen­seiter zu sein. Jeder Tag, den Sie leben, ist eine Art Triumph, daran sollten Sie immer fest­halten. Sie sollten sich nicht bemühen und versu­chen, sich der Gesell­schaft anzu­schließen. Nein, bleiben Sie stets da, wo Sie sind. Geben Sie Ihren Namen und Ihre Seri­en­nummer und warten Sie darauf, dass die Gesell­schaft sich um Sie herum bildet. Denn das wird sie höchst­wahr­schein­lich tun. Schauen Sie niemals nach vorn, wo es die Zweifel, und niemals zurück, wo es das Bedauern gibt. Nein, schauen Sie immer nach Innen, und fragen Sie sich nicht, ob es in der Außen­welt etwas gibt, was Sie wollen, sondern ob es Innen irgend­etwas gibt, das Sie noch nicht ausge­packt haben. / zitiert nach der Tonspur des Films “An Englishman in New York”

luftzeitpumpen

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~ : louis
to : Mr. eliot
subject : LUFTZEITPUMPEN

Mein lieber Eliot! Ich habe mir heute gedacht, man müsste beizeiten einmal mit einer höheren Instanz darüber verhan­deln, ob nicht Lebens­zeit durch Lese­zeit verlän­gert werden könnte. – Wollte Dir schon lange schreiben. Ich nehme an, Du wirst irgend­wann vor Monaten zunächst Dein Warten, dann meinen Namen vergessen haben. Oder wars etwa umge­kehrt gewesen? Nun, hier bin ich wieder, Dein Louis, jener Louis, der in seiner Vorstel­lung Luft­zeit­pumpen versuchte. Um Himmels­willen, ich werde doch nicht ganz und gar verloren sein, ein selt­samer Gedanke, dass ich meiner Arbeit nach­ge­gangen sein könnte, ohne bemerkt zu haben, dass meine Exis­tenz in Deinem Leben endete, ein ferner Tod, mein eigener. Sammelst Du weiterhin Herzen Deiner Rechen­ma­schinen? Wie geht’s Deiner Geliebten? Was macht das Chro­mosom No 1, hast Du’s bald ausge­druckt? – Zwerg­see­rosen segeln durch die Luft. Antworte rasch! Dein Louis

gesendet am
04.10.2010
23.12 MESZ
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marit

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nordpol : 0.02 – Vergan­gene Nacht war ich wach geworden um fünf. Ich hatte einen merk­wür­digen Traum, in dem Mr. Eliot erklärte, dass er Briefe, die ich an ihn schreibe, nicht lesen könne, weil er schon vor langer Zeit blind geworden sei. Ich war dann also wach um fünf und fühlte mich leicht, und ich wunderte mich, woher diese Leich­tig­keit gekommen sein mochte. Da erin­nerte ich mich, dass ich noch immer nach­drück­lich auf eine Antwort James Salters warte, ich hatte ihm vor zwei Jahren zuletzt geschrieben. Auch Mr. Salter könnte blind geworden sein, kein Wunder, dass er nicht schreibt. Unver­züg­lich suchte ich in den Archiven nach dem Brief, den ich notiert hatte. Er war rasch gefunden, eine feine Geschichte, die ich berühre, die ich hier wieder­hole, in dem ich sie mit Stimme lese, in der Hoff­nung, dass Mr. Salter  mich hören kann: Lieber James Salter, als ich heute Nacht am Schreib­tisch saß und in Ihren wunder­baren Erzäh­lungen las, habe ich eine kleine Spinne bemerkt, die mich beob­ach­tete, jawohl, sie saß auf dem Feinsten der Blatt­haare eines Elefan­ten­fuß­baumes, der neben meiner Compu­ter­ma­schine steht, und beob­ach­tete mich aus mehreren winzigen schwarzen Augen. Ich habe über­legt, was dieses Wesen wohl in mir sieht. Für einen weiteren kurzen Moment habe ich darüber nach­ge­dacht, ob Spinnen viel­leicht hören, – ich lese oft laut vor mich hin, das sollten sie wissen -, und so wunderte ich mich, dass ich viele Jahre gelebt habe, ohne der Frage nach­zu­gehen, ob Spinnen über Ohren­paare oder doch wenigs­tens über einen zentralen Gehör­gang, wo auch immer, verfügen. Ich saß also am Schreib­tisch, ich las und die kleine geti­gerte Spinne, von der ich Ihnen erzähle, seilte sich zur Tastatur meiner Compu­ter­ma­schine ab. Ich hatte den Eindruck, dass ihr diese Luft­nummer Freude machte, weil sie ihre Landung immer wieder hinaus­zö­gerte, indem sie den Faden, der aus ihr selbst heraus­ge­kommen war, verspeiste, demzu­folge verkürzte. Viel­leicht hatte sie bemerkt, dass ich sie betrach­tete, das ist denkbar, weil ich aufge­hört hatte, laut zu lesen für einen Moment, um nach­zu­denken, viel­leicht wollte sie, um sich mir darzu­stellen, auf meiner Augen­höhe bleiben. Das war genau in dem Moment als Marit nach ihrer letzten Nacht auf unsi­cheren Beinen die Treppe herun­ter­ge­kommen war, Marit, die doch eigent­lich seit Stunden schon tot gewesen sein musste. Marit setzte sich auf eine Treppe und begann zu weinen. Sicher werden Sie sich erin­nern an Marit, wie sie auf der Treppe sitzt und weint, weil sie wusste, dass sie eine weitere letzte Nacht vor sich haben würde. Als ich las, dass Marit lebt und weint, habe ich eine Pause gemacht, weil ich erschüt­tert war, weil das Gift nicht gewirkt hatte. Ich saß vor meinem Schreib­tisch und über­legte, ob auch sie, James Salter, erschüt­tert waren, als Marit langsam, auf unsi­cheren Beinen die Treppe herun­terkam. Und während ich an Sie und Ihre Schreib­ma­schine dachte, beob­ach­tete ich die Spinne, die mit ihren sehr kleinen Beinen, den Faden, an dem sie hing, betas­tete. Ist das nicht ein Wunder, eine Spinne wie diese Spinne? Haben Sie schon einmal bemerkt, dass es nicht möglich ist mit einer elek­tri­schen Schreib­ma­schine zwei Buch­staben zur glei­chen Zeit, also über­ein­ander, auf das Papier oder den Bild­schirm zu schreiben? Immer ist einer vor, niemals unter dem anderen. Mit herz­li­chen Grüßen. Louis.

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natalie sarraute

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echo : 22.55 – Während ich einen Text über Hände und Finger notierte, beob­ach­tete ich meine eigenen, arbei­tenden Hände und Finger, wie sie die Tastatur der Maschine bedienten, ohne dass ich ihnen bewusst Anwei­sung erteilte. Einmal konnte ich nicht weiter, deshalb machte ich eine kleine Pause und betrach­tete zunächst meine linke, dann meine rechte Hand. Sie ruhten Seite an Seite auf der Tastatur der Maschine und warteten. Sie warteten darauf, dass eine Stimme in meinem Kopf diktieren würde, was aufzu­schreiben ist. Ich könnte jetzt viel­leicht sagen, dass meine Hände darauf warteten, mein Gedächtnis entlasten zu dürfen, weil ich alle Sätze, die ich mit meinen Händen in die Tastatur der Maschine schreibe, nie lernen, nie spei­chern muss, weil ich bereits vor der Nieder­schrift weiß, dass ich bald wieder­kommen und lesen könnte, was ich notiere und notierte. Ich betrach­tete also meine Hände, und weil ich sehr lange Zeit nicht weiter wusste in meinem Text, habe ich in Nathalie Sarrautes wunder­barem Buch Kind­heit gelesen. Nach einer Stunde schal­tete sich mein Computer aus und ich konnte auf dem Bild­schirm folgende Zeile lesen: no signal. going to sleep.

<img class=“alignright” size-full wp-image-11174” title=“ny35” src=“https://andreas-louis-seyerlein.de/air/wp-content/uploads/2010/10/ny35.jpg” alt=”” width=“425” height=“700” />

schlafhauszeit

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sierra : 20.21 – Einmal nach einer Methode suchen, für einen Menschen, das heißt, an Stelle eines anderen Menschen, schlafen zu können. Man würde fortan Traum­zeit rangieren, man würde sagen, heute und morgen, während Du arbei­test, um fertig werden zu können mit Deiner Arbeit, weil Du fertig werden, sehr bald fertig werden musst, lege ich mich auf mein Sofa und schlafe vier­und­zwanzig Stunden für dich und mich. Und kommende Woche dann, wenn ich nach Finn­land reisen werde, wo’s im Sommer niemals dunkel wird, schläfst du Tage, ja Wochen anstatt meiner, weil im Herbst todsi­cher wieder viel wilde Arbeit über dich herfallen wird. Viel­leicht sollten einmal Schläfer exis­tieren, Menschen, die schlafen, das könnte sein, Menschen, die vornehm­lich schlafen, um sich ernähren zu können, sobald sie für kurze Zeit wach geworden sind, Schlaf­säle viel­leicht, oder Schlaf­waben für Schläfer, wohl­tem­pe­rierte Träu­mer­ge­häuse. Wie könnte geschla­fene Zeit, die Wirkung dieser Zeit, gespei­chert und von Kopf zu Kopf geschrieben sein?

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minutenzeit

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india : 15.05 – Versuche, die Zeit vorzu­stellen, das heißt, die Zeit einer Minute zu messen oder zu fühlen oder zu denken, ohne eine Uhr zur Hilfe zu nehmen. Das ist natür­lich nicht ganz richtig formu­liert, weil ich die Genau­ig­keit meiner geis­tigen Messung prüfe, in dem ich nach Ablauf einer Minute, einer vorge­stellten Minute, die tatsäch­lich verstri­chene Zeit vom Ziffer­blatt einer kleinen Stoppuhr lese, die ich in dem Moment mit einer Hand­be­we­gung in Gang setze, da ich denke, jetzt, genau jetzt ist die Zeit einer Minute ange­bro­chen. Nein, ich zähle nie bis sechzig, auch nicht bis dreißig! Und die Arbeit der Uhr, die in meiner Hand der Minu­ten­zeit eine gültige Gestalt verleiht, ist nicht zu spüren, nicht zu hören. Ich habe fest­ge­stellt, dass die Minu­ten­zeit des Morgens kürzer ist als die Minu­ten­zeit des Abends an derselben Stelle. Selt­same Geschichte!

time

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romeo : 22.58 – Ein Wort, das ich erin­nere, kann ich nicht erfinden. stop Milli­se­kun­den­weiche. stop Flim­mern. – stop

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bauchwellen

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echo : 0.05 – Würde man die Gestalt eines Bass­kä­fers auf einem Blatt Papier zur Auffüh­rung bringen, wäre zunächst ein enormer Knochen­raum zu zeichnen, eine Kammer, in der sich Luft befindet, Luft in Erwar­tung einer Kraft, die sie in geräusch­volle Schwin­gung versetzen wird. Irgendwo dort, an einem der schma­leren Enden dieses Raumes, sitzt ein kleiner Kopf, Fühler, Ohren­segel, falten sich tastend durch seine unmit­tel­bare Umge­bung, feinste Appa­ra­turen. Dafür Augen keine, aber Beine, die sich flink bewegen. Er spielt, wie alle seine Artge­nossen, im Liegen auf dem Rücken, greift dann nach feinsten Saiten von Kupfer­chitin, die über seinen Bauch­re­gionen aufge­spannt. Wunder­volle, sonore Töne sind zu hören, indem der Käfer sich selbst­ver­gessen langsam um die eigene Achse zu drehen beginnt, dumdum, dumdum, immerzu links, immerzu links, immerzu links herum. – Nacht. stop. Kühl. stop. Habe meine Winter­be­leuch­tung ange­schaltet. Vier Lampen in der Küche, zwei im Flur, sieben in den Spazier­ar­beits­zim­mern, hell ist’s als sei Tag. Guten Morgen.

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südwand

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india : 6.15 – In der Arbeit des Erfin­dens wie in der Arbeit des Klet­terns in einer Berg­wand, ist jede nächste Aufgabe die Wich­tigste. stop

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XZH-78

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olimambo : 0.01 – Eine lebende Tapete, ein summendes Wesen aus Millionen zartester Mollusken, die einander verbunden sind und doch jede für sich alleine exis­tieren könnten. Diese sehr kleinen Tiere nun sind so einge­stellt, dass sie Stäube, Sporen, Pilze, aber auch Bakte­rien und Viren aus der Raum­luft entnehmen. Und weil sie alle derart anein­ander befes­tigt sind, dass ihre Ausschei­dungs­or­gane sich nach Außen richten, könnte man also von einer Wand spre­chen, von einer lebenden Haut oder einem außer­or­dent­lich wirk­samen Filter in einer Perso­nen­ge­stalt. Sobald eine Molluske gestorben ist, wird sie von umge­benden Mollusken vertilgt, eine Prozedur, die nicht sehr häufig vorkommen wird, weil die Mollusken, so wie ich sie wünsche, ein hohes Alter errei­chen, sagen wir, sie werden zwei­hun­dert Jahre alt oder um weitere Jahre älter. Einmal am Tag ist im Mollus­ken­zimmer ein Brausen zu vernehmen, ein sehr tiefer, warmer Ton, der in einer Welle durch das Staats­tier wandert. Das ist die Minute, da Molluske für Molluske je ihren Bauch entleert.

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nicolas bouvier

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tango : 0.01 – War über einem Buch des Schweizer Schrift­stel­lers Nicolas Bouvier einge­schlafen, hatte in letzter Sekunde noch einen Gedanken wahr­ge­nommen. Ich sagte zu mir mit leiser werdender Stimme im Kopf: Du musst einmal über­legen, ob es sinn­voll ist, nach einer Methode zu suchen, im Schlaf ein Buch lesen zu können. Ja, das wär eine inter­es­sante Geschichte. Man würde sich natür­lich an die erzäh­lende Wirk­lich­keit des Buches selbst nicht erin­nern, das man gerade noch las oder hörte während man schlief, weil man das Buch nicht bewusst wahr­nehmen konnte, und doch wäre man mit Herrn Bouvier nach Galway geflogen wegen eines Lochs im Sturm. Man wäre in einer Art und Weise nach Galway geflogen, dass man sich einmal später so gut an diesen Flug erin­nern könnte, als wäre man selbst dort in Kilronan gewesen, eine Ahnung, Geräu­sche, Luft und Leute. – stop

betäubung

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alpha : 10.25 – Meldungen, die den Tod oder die Verwun­dung von Menschen verzeichnen, werden zur Unsicht­bar­keit hin betäubt durch Beschleu­ni­gung der Sprache: title / 2 LN children WIA = title / 2 local national children wounded in action. /aus geheimen Feld­be­richten der US-Armee zum Irak-Krieg, veröf­fent­licht auf der Platt­form Wiki­leaks

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verschwinden

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sierra : 18.01 – Vor Kurzem, am frühen Abend genauer, ist mir eine merk­wür­dige Geschichte mit mir selbst passiert. Ich saß gerade vor dem Compu­ter­bild­schirm und beob­ach­tete, wie ein Server Zeile um Zeile meldete, welche Datei einer digi­talen Arbeit gerade aus der lesbaren Welt in eine nicht­les­bare Welt beför­dert wird, als ich bemerkte, dass mir das Löschen gefällt, dass auch das Verschwinden, Zeile für Zeile, reiz­voll sein kann. Für einen kurzen Moment hatte ich die Idee, dass der Server, nachdem er meine Geschichte zu Ende gelöscht haben würde, auf mich selbst zugreifen könnte, also die Person des Autors zu sich holen und löschen, wie kurz zuvor die Gedan­ken­ar­beit zweier Tage. Womit, fragte ich, würde er beginnen? Mit einer meiner Hände even­tuell, oder mit meinen Augen oder mit meinen Ohren? Wie würde sich dieses Verschwinden bemerkbar machen? Würde ich den Eindruck haben, leichter zu werden, oder würde ich viel­leicht vergeb­lich nach einem Blei­stift greifen, weil meine zupa­ckende Hand licht­durch­lässig geworden ist? – stop
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im schneehaus

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wili­libambo : 0.12 – Man sollte, sagen wir, sobald man auf Reisen geht, Bass­käfer in Streich­holz­schach­teln liegend in der Jacken­ta­sche mit sich führen. Sie werden viel­leicht musi­zieren, während man in einem Zug oder einem Flug­zeug sitzt, so leise spielen, dass man nichts zu hören vermag, nur ein leises Beben spüren, das sich als Schau­er­welle ausbreitet, wärmend der Gedanke an die Käfer, wie sie in ihren Koffern übend lungern. – Kurz nach Mitter­nacht. Heut ist Montag, selt­samster Tag unter den Tagen. Bin west­wärts gewan­dert im goßen Lese­saal der Bücher von Eis. – 52° Celsius, da knis­tert die Luft. Studie­rende Menschen sitzen vor gefro­renen Tischen auf gefro­renen Stühlen, Loko­mo­tiven gleich stoßen sie Dampf aus Mund und Nase, nehmen Fahrt auf in der Lektüre aufre­gender Text­pas­sagen, ihr Feuer­atem, feinster Schnee, der über den Büchern nieder­geht. – stop

code-schirme

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echo : 20.55 - title / 2 LN children WIA beschleu­nigt title / 2 local national children wounded in action. stop. Jeder Wörter­code ein Mantel. stop. Haben verwun­dete Kinder ihr Gesicht, ihr Augen­licht, Arme oder Beine verloren? stop. Ein Buch­stabe noch unter­scheidet für sich Leben von Tod: title / 2 LN children KIA beschleu­nigt title / 2 local national children killed in action. stop /aus geheimen Feld­be­richten der US-Armee zum Irak-Krieg, veröf­fent­licht auf der Platt­form Wiki­leaks

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taschenspielzeug

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romeo : 2.01 – Träumte, obwohl ich New York besu­chen wollte, nahe Montauk gelandet zu sein. Hatte meinen Impf­pass vergessen und man sagte mir noch an Bord des Flug­zeuges, dass ich ohne Impf­pass niemals nach New York hinein­ge­lassen werden würde. Man landete also rasch an nächster Küste und setzte mich dort ab. Die Stadt Montauk nun bestand aus flachen Hütten. Selt­same Menschen lebten in diesen Hütten. Sobald ich mich einer Hütte näherte, traten sie zu mir auf die Straße und erzählten, wie ich den Flug­hafen wieder finden könnte, weil ich mich in der Stadt sofort verirrt hatte. Als sie hörten, dass ich ohne Impf­pass sei, sagten sie: Vergessen Sie New York. Alle diese freund­li­chen Menschen, denen ich auf der Straße vor ihren hölzernen Häusern begeg­nete, führten eine Plas­tik­ta­sche mit sich, die sie an einem Leder­riemen nahe der Achsel­höhle befes­tigt hatten. In dieser Tasche lebten ihre Kinder in einer weiteren Stadt, die den Namen Montauk trug. Die Stadt musste jeweils sehr leicht gewesen sein, weil die Menschen weder gebückt gingen, noch ihre Taschen auf den Boden stellten, um sich mit mir über meine vergeb­liche Reise nach New York zu unter­halten. Manchmal, wenn es leise wurde, wenn die Wellen des nahen atlan­ti­schen Meeres gerade einmal Pause machten, konnte ich sehr feine, helle Stimmen vernehmen, Auto­mo­bil­hupen und Flug­zeuge, Geräu­sche direkt von der nächsten Tasche her.

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toctoctoc

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delta : 4.35 – Wieder die Frage: Kann man mit einer Hydra verhan­deln? In dieser Nacht, um einer Antwort näher­zu­kommen, die Programm­ma­schine Azureus unter­sucht. Auf selt­same Wörter gestoßen: seed pear port snif­fing node bitty­rant grid hash node morpheus border gateway protocol ID proxi­mity peering matrix traffic forward error correc­tion route­server vpn-tunnels asym­metric-key cryp­to­graphy closedsource smka­ribou peersnap digi­tal­si­gnatur java­groups: [[group/page]] displays page, [[group.page]] displays group.page, [[group ( .page )]] displays group sepa­ra­tors !, !!, !!! for headings, for hori­zontal line change size: is bigger, is smaller, ‘^super­script^’, ‘subscript’ – stop. toctoctoc: Guten Morgen!

<img class=“alignright” size-full wp-image-11576” title=“ny45” src=“https://andreas-louis-seyerlein.de/air/wp-content/uploads/2010/10/ny45.jpg” alt=”” width=“425” height=“700” />

nabou’s zunge

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echo : 5.12 – Nabou*, ja, Nabou, Frau aus dem Süden, wie sie nachts vor einer Tasse Kaffee am Flug­hafen in groß­zü­gigen Sprüngen durch die Zeit erzählt. Das Barfuß­mäd­chen Nabou, für Minuten ist sie wieder zum Flücht­lings­kind geworden, erin­nert, fins­teres Gesicht, einen suda­ne­si­schen Herr­scher, jenen Herrn, der Bars einer Stadt räumen und den Alkohol in den Nil schütten ließ. In der selben Stadt, nur wenige Stunden später, wurden im Namen des selben Mannes, Hände von Armen geschlagen für dies oder das zur Strafe. Das Feuer in den Augen der Erzäh­lerin, wie sie berichtet von einer Zeit, da musli­mi­sche und christ­liche Kinder noch gemeinsam die Schule besuchten und heira­teten kreuz und quer. Undenkbar heute, undenkbar, raschelt Nabou mit ihrer seltsam rauen Stimme, alle Menschen, wo auch immer, rücken nach rechts. Dann dieser verdammte Abend als Nabou eine bosni­sche Freundin besucht. Man sitzt mit Familie in Mittel­eu­ropa um einen Tisch, es ist kurz vor Weih­nachten. Die Attacke auf den christ­li­chen Glauben kommt ohne Vorbe­rei­tung während der Nach­speise. Als Nabou sich als Christin zu erkennen gibt, das Staunen der Freundin: Aber Ihr habt doch ein Glas Wasser neben der Schüssel im Bad, und Du, Nabou, sprichst die arabi­sche Sprache! Wie von diesem Moment an das Gespräch zu Ende war. Verkno­tete Zungen, sagt Nabou, nach all den trauten Jahren, verkno­tete Zungen.

* Name geän­dert
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time

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charlie : 2.01 – Selt­same Stunde. Noch bevor es 3 werden kann, springt die Uhr auf 2 zurück. Die heitere Vorstel­lung, das würde sich geräuschlos genau so fort­setzen. Es würde nicht hell werden. Niemand im Haus würde erwa­chen. Ich könnte rasch einmal, ehe die Zeit nach fünf Jahren gegen 4 Uhr zu weiter­fahren wird, die arabi­sche Sprache erlernen. – stop

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