kokons

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echo : 22.58 — Im botanis­chen Garten das leise, das Nicht­denken geübt. Ich legte mein Ohr auf einen hölz­er­nen Tisch und dachte nichts. Aber da war etwas Merk­würdi­ges, mein Ohr auf dem Tisch hörte sich selb­st. Und das andere, zum Him­mel gerichtete Ohr, erlebte den Besuch ein­er Ameise. Also dachte ich doch an die Ameise, wie sie meine Ohrmuschel unter­suchte. Wie gut, an Ameisen und an nichts Weit­eres denken zu müssen. Dann schlief ich ein. Als ich erwachte, dachte ich sofort weit­er an nichts. Die Ameise war ver­schwun­den, aber ich hörte mein Ohr auf dem Tisch, und ich hörte den Gesang ein­er Nachti­gall, die zunächst geschwiegen, dann aber meinen Besuch vielle­icht vergessen hat­te, weil ich reg­los zu ein­er Pflanze unter anderen Pflanzen gewor­den war. Ich fragte mich, denke ich, in dem ich der Stimme eines Vogels lausche? Ist das Denken nur dann gedacht, wenn ich mein­er denk­enden Stimme zuhöre, mich und meine denk­ende Stimme also wahrnehme? Immer wieder bemerkt, dass ich Sekun­den zuvor noch an etwas oder über etwas gedacht habe, obwohl ich mir nicht zuge­hört hat­te. Eine Gedankener­in­nerung. Manch­mal ver­hal­ten sich Gedanken wie Räume, Kokons, die ver­wick­elte Gedanken­pakete enthal­ten. Schallplat­tengedanken. Ich kön­nte dem­nach Schallplat­ten verze­ich­nen, die angenehme Stim­men und Stim­mungen wieder­holen, fro­he Begeg­nun­gen und gelun­gene Gespräche.

segelohren

14

 

 

india

~ : louis
to : daisy und vio­let hilton
sub­ject : SEGELOHREN

Liebe Daisy, liebe Vio­let! Kühl ist die Luft gewor­den in den ver­gan­genen Tagen. Als ob Herb­st gewor­den sei, so eine Luft voller Regen und Wind. Auf der Straße laufen Men­schen herum, die haben sich Tropfen­fänger unter ihre Nasen gebun­den, die wund sind und geschwollen. Ich selb­st noch wohlauf, was vielle­icht darin begrün­det sein kön­nte, dass ich bere­its jet­zt schon kräftige Wan­der­schuhe trage für den kom­menden Win­ter in New York. Will Euch eine Geschichte notieren, an diesem schö­nen, nassen Son­ntag, die ich tat­säch­lich genau­so erlebt habe, wie ich sie erzäh­le, ob Ihr mir nun glauben werdet oder nicht. Stellt Euch ein geräu­miges Zim­mer vor. Ein gutes Dutzend Ohren pro­pellerten dort durch die Luft, sie waren Gästen entkom­men, die in näch­ster Nähe eines Rund­funkempfängers Platz genom­men hat­ten, um Ella Fitzger­ald zu lauschen: It Don’t Mean a Thing If It Ain’t Got That Swing. Ein merk­würdi­ger Anblick war das gewe­sen, bald lagen kämpfende Ohren in Schicht­en über zwei Laut­sprech­ern des Radios, wie Foot­ball­spiel­er, sagen wir, eine rangel­nde Bande zwitsch­ern­der Ohren, so dass in dem Zim­mer der Ver­samm­lung vom Konz­ert kaum noch etwas zu hören gewe­sen war, als diese Geräusche des Kampfes. Man kämpfte auch dann noch ver­bis­sen weit­er, als das Radio längst aus­geschal­tet wor­den war, ver­mut­lich deshalb, weil man meinte, die nun auftre­tende Stille sei nicht wirk­lich vorhan­den. Ich habe drei Stun­den in der Beobach­tung des Tumultes zuge­bracht. Dann bin ich nach Hause zurück ohne meine Ohren. Sei­ther warte ich ger­adezu taub gewor­den auf ihre Rück­kehr. Bis bald ein­mal wieder. Cuc­cur­ru­cu! – Euer Louis

gesendet am
03.07.2011
20.05 MESZ
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stilltaub

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nord­pol : 5.15 — Heute Mor­gen vor dem Fen­ster eine Stille, dass ich für einen Moment fürchtete, mein Gehör ver­loren zu haben. — stop

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PRÄPARIERSAAL : erste schritte erste minuten

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nord­pol : 3.12 — Abends spät erre­icht mich die E-Mail eines jun­gen Mannes, den ich längst vergessen hat­te, ich meine, ich hat­te vergessen, dass dieser Mann jemals existierte, weil ich lange Zeit, ein Jahr unge­fähr, nicht an ihn dachte. Sein Name ist Elia. Elia hat­te auf eine Frage, die ich ihm schriftlich stellte, nicht geant­wortet. Irgend­wann habe ich aufge­hört zu warten, ich kann nicht sagen, wann genau das gewe­sen sein kön­nte, im Win­ter vielle­icht oder bere­its im Herb­st. Selt­sam ist, das fällt mir in dieser Minute des Notierens auf, dass ich nie wahrnehmen kann, wenn ich etwas vergesse, den exak­ten Zeit­punkt des Leichter­w­er­dens genauer, weil ich das Vergessen stets mit einem Ein­druck der Schw­erelosigkeit in Verbindung set­zte. Das Vergessen scheint ein heim­lich­er Prozess zu sein, so heim­lich, dass ich erst dann, wenn etwas Vergessenes zurück­kehrt ins Leben, über­haupt in der Lage bin, sein Ver­schwinden zu bemerken. Nun ist sie also wieder hier bei mir, meine vergessene Frage. Ich hat­te Elia gefragt, wie er die ersten Minuten in einem anatomis­chen Prä­pari­er­saal erlebte. Er beobachtete fol­gen­des: > Zuerst habe ich das Gebäude von außen gese­hen, die Milch­glas­fen­ster, die riesi­gen Röhren an den Fen­stern vor­bei und die Run­dun­gen des ver­heißen­den und mich ängsti­gen­den Raumes. dann hat mich das ehrwürdi­ge Gebäude ver­schluckt. die Treppe hin­auf kon­nte ich diesen wider­lichen Geruch atmen. ich fand es unglaublich, mit welch­er Liebe zum Detail dieses Gebäude aus­ges­tat­tet ist. auf der Suche nach einem Ansprech­part­ner habe ich die Verzierun­gen im Boden bewun­dert. nach­dem ich die Erlaub­nis bekom­men hat­te, bin ich den lan­gen Gang an den haut­far­be­nen Spin­den vor­beige­gan­gen zur Tür des Prä­pari­er­saales. sie war ver­schlossen. aber durch den kleinen Spalt kon­nte ich in eine Apsis voller mit rot leuch­t­en­den Wach­stüch­ern bedeck­ter Kör­p­er sehen. ich habe nur die Tüch­er gese­hen, aber ich wusste, was darunter sein würde und war mir dabei trotz­dem nicht sich­er. ich hat­te Angst. in der Nacht hat­te ich Alb­träume und machte Sezierver­suche. am näch­sten Tag hat­te ich meinen frischen weißen Kit­tel dabei, der aber durch das Bevorste­hende schon jet­zt mit ein­er selt­samen Schwere verse­hen war. ich wurde an ein paar Assis­ten­ten übergeben. wil­len­los fol­gte ich ihnen mit ein­er Mis­chung aus Angst und Neugi­er in den Saal. nach fünf Schrit­ten blieb ich ste­hen. ich hat­te das Gefühl, ich würde aufge­saugt vom Geruch und dem tosenden Lärm der klap­pern­den Instru­mente. mir war heiß und kalt. ich musste mich wider­willig zwin­gen tiefer zu atmen. und atmete noch inten­siv­er den süßlich stechen­den Duft des For­ma­lins. dies­mal mit den entsprechen­den Bildern vor meinen Augen. ich befahl mir genau hinzuse­hen. ich zwang meine Augen ihre Blicke über die Kör­p­er schweifen zu lassen. um nicht mit den Mosaiken im Boden zu ver­schmelzen, musste ich alle Bilder vor meinen Augen mit Wörtern verse­hen.

gramm

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lima : 0.15 — Das Wort Fukushi­ma in meinem Gehirn, sobald ich das Wort Fukushi­ma denke. Wie viel Gramm?
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hummergeschichte

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india : 6.32 — Ein Solariss­chiff, von dem ich träumte, war der­art naht­los in ein düsteres Stadthaus von enormer Größe mon­tiert, dass nie­mand, der nicht in Ken­nt­nis geset­zt wor­den war, seine Exis­tenz wahrzunehmen ver­mochte. Natür­lich spielte die Fahrstuh­lanlage eine bedeu­tende Rolle. Dort war eine zen­trale Achse des Raumkreuzers hineingedacht, umgebende Woh­nun­gen gehörten dazu, Teile der Küchen, Bäder, Flure, Wohnz­im­mer, auch weit­er ent­fer­nte Abteilun­gen des Gebäudes, in dem allerorten Wass­er von den Deck­en tropfte. An einem Abend, von dem ich präzise träumte, wur­den woh­nungsweise rauschhafte Feste unter Regen­schir­men gefeiert. Sie dien­ten einem einzi­gen Zweck, wel­traum­reisende Men­schen näm­lich von zurück­bleiben­den Men­schen zu separi­eren. Ich kon­nte im Traum den ein oder anderen Bewohn­er des Haus­es leicht narko­tisiert von einem Apart­ment in das näch­ste wan­deln sehen. Als ich erwachte, hock­te ein klein­er blauer Hum­mer an der Wand meines Zim­mers. — stop

landscape

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bamako : 20.01 — Würde ich Hand für Hand je einen sech­sten Fin­ger wirk­lichkeit­snah erfind­en, kön­nte ich die Sub­stanzen dieses Fin­gers ( Knochen / Muskeln / Ner­ven / Sehnen ) nach Belieben benen­nen. Ein klein­er anatomis­ch­er Gott wär ich in den Gren­zen sprach­lich­er Logik.

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lichtenbergfalter

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echo : 22.01 — Um das Jahr 1790 herum notiert Georg Christoph Licht­en­berg fol­gende Sätze : Sollte sich nicht in anderen Kör­pern etwas find­en was unser­er Phan­tasie, ( unserem ) Schöp­fungsver­mö­gen ana­log ist? ( Wie ) würde unser Gehirn ausse­hen, wenn wir die Verän­derun­gen bemerken kön­nten, die die Gedanken in unseren Tex­turen her­vor­brin­gen? — Licht­en­berg zu lesen, begeis­tert mich wie John Coltrane mich begeis­tert, sobald ich ihn hören und spüren kann. Nie aber kann ich bei­de zur gle­ichen Zeit wahrnehmen. Der eine reist durch das Licht zu mir. Kurz darauf höre ich ihn mit mein­er Stimme sprechen. Der andere kommt durch Ohren und Haut here­in. Ein Schwin­gen jen­seits der Gedanken, aber doch eine Art Sprechen, das Glück bewirkt, wie ander­er­seits ein leuch­t­en­der Satz aus ein­er Ent­fer­nung von 220 Jahren jene Art von Freude entste­hen lässt, die dazu führt, dass ich ein­mal kurz auf der Stelle in die Luft zu sprin­gen habe. stop — Noch zu tun: Lek­türe > Richard Pow­ers Das Buch Ich. — stop

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PRÄPARIERSAAL : beine

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delta : 0.02 — Ich stellte mir einen Zeitort in der Zukun­ft vor. Früher Mor­gen. Som­mer. Schneelicht wie geze­ich­net. Auf Arbeit­stis­chen eines anatomis­chen Prä­pari­er­saales ruhen men­schliche Beine. Ein Forsch­er erk­lärt: Das sind Beine des 21. Jahrhun­derts, und das sind Beine des 22. Jahrhun­derts, und diese Beine hier sind im 23. Jahrhun­dert ent­standen, und das hier, das ist schon etwas ganz anderes. — Welche Sprache spricht dieser Mann? Wer hört ihm zu? Wie wer­den wir gestal­tet sein? — stop

denkbare wesen

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india : 6.01 — Im Traum die Spur ein­er Fähre von Man­hat­tan nach Ellis Island beobachtet. Das Schiff dro­hte zu sinken. Men­schen hin­gen in Kör­per­trauben von der Rel­ing ins Wass­er, sie san­gen, sie lacht­en. Schep­pernde Musik von Laut­sprech­ern her, auch Stim­men, die unver­ständliche Sätze for­mulierten. Steine reg­neten vom Him­mel. Möwen, riesige, dunkel­graue Vögel, gelbe Säbelschnä­bel, rote Augen, bejagten den Luftraum um das Schiff. Beobachtete schlafend das Geschehen vom Ufer aus. Tauben­grauer Him­mel. Män­ner kauerten in der Nähe auf eige­nen Füßen. Funk­feuerkon­solen in ihren Hän­den, steuerten sie den Raub­vo­gelschwarm über die spiegel­glat­te Upper­bay. Ein­mal lan­dete eine Möwe neben mir. Der Mann, zu dem die Möwe gehörte, strich ihr behut­sam über den Kopf. Sie schloss ihre Augen indem der Mann ihren Kopf öffnete, um ein kün­stlich­es Gehirn her­auszunehmen, Schaltkreise, Bat­te­rien, fein­stes Werk. Bald warf er seinen Vogel zurück in die Luft. Das war präzise in dem Moment gewe­sen, als ich erwachte, mon­tags also am Nach­mit­tag eine Stunde gegen fünf. Um sechs Uhr bere­its war deut­lich gewor­den, dass Möwen dieser funkges­teuerten Art auch im Wachen denkbare Wesen sind.

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PRÄPARIERSAAL : nachtzeit

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india : 20.18 — Regen. Schnüre von Regen. Däm­merung heute bere­its gegen 18 Uhr. Seit drei Stun­den höre ich Ton­ban­dauf­nah­men ab, Stim­men, die präzise for­mulierend vom Prä­pariesaal und sein­er Umge­bung erzählen. Immer wieder halte ich die Mas­chine an, schreibe auf, was ich hörte, stem­ple Zei­tangaben. Christo­pher kurz vor acht Uhr über seine Erfahrung jen­seits der Tage: > Was ich nachts gemacht habe? Meine Fre­undin sagt, ich würde in lateinis­ch­er Sprache mit ihr gesprochen haben : pause 2 sec : Vielle­icht habe ich etwas mimis­che Musku­latur repetiert. Mus­cu­lus frontal­is. Mus­cu­lus cor­ru­ga­tor super­cilii. Mus­cu­lus orbic­u­laris oculi. Das war eine sehr wichtige Nachtar­beit, die ich da ver­richtet habe, ver­ste­hen Sie? Ich hat­te Schwierigkeit­en diese frem­dar­ti­gen Wörter auszus­prechen. Wie sollte ich sie im Kopf behal­ten, wenn ich sie nicht sprechen kon­nte! : pause 3 sec : Ich habe also nachts nicht wirk­lich geträumt, son­dern nur Sprechübun­gen gemacht. : pause 5 sec : Auch dann, wenn ich wach war, das kön­nen Sie mir glauben, habe ich Wörter geübt. : pause 4 sec : Das Wort Leiche wollte ich nicht aussprechen. Ich habe immer von Kör­pern gesprochen. : pause 3 sec : In den ersten Tagen manch­mal, sobald ich den Prä­pari­er­saal betreten habe, hat­te ich den Ein­druck ein­er gewis­sen Unwirk­lichkeit der Sit­u­a­tion. Ich hat­te den Ein­druck, jene toten Men­schen verkör­perten nur eine Vorstel­lung, als hätte man sie für uns hergestellt, organ­is­che Ausstel­lungsräume, mit Erde beze­ich­nete Lehmkör­p­er. Auch wenn das vielle­icht selt­sam klin­gen mag, die erste Berührung des Kör­pers auf dem Tisch war eine Bewe­gung, die der Vergewis­serung diente, dass der Kör­p­er vor mir auf dem Tisch wirk­lich anwe­send war. : pause 2 sec : Kör­p­er also. Sie boten meinen Hän­den Wider­stand. Sie waren kühl und sie wirk­ten zeit­los. — stop
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the late, late blues

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sier­ra : 6.05 — Wieder der Ver­such, einen Gedanken genau so zu denken, als wäre dieser Gedanke der let­zte mein­er Gedanken. Die Beobach­tung, dass sich bere­its die Wahrnehmung dieses let­zten Gedankens in ein­er Zeit nach dem Gedanken zu befind­en scheint, als ob jedem Gedanken ein Echo fol­gte. Vielle­icht wird über­haupt jed­er Gedanke niemals als Gedanke im Moment sein­er Ver­fer­ti­gung, son­dern immer nur in sein­er Echos­pur für mich ver­füg­bar. — Aus­geze­ich­neter Gewit­ter­him­mel gegen 5. Dazu Milt Jack­son & John Coltrane: The Late, Late Blues. — stop

time

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tan­go : 22.01 — Ein­mal, vielle­icht auf Papieren, eine Stadt äußerst langsamer Men­schen besuchen, eine Stadt, deren Bürg­er sich unter rasenden Vögeln, rasenden Wolken, rasenden Straßen­bah­nen, wie in Zeitlupe bewe­gen. Jed­er Gedanke dort ein Stun­dengedanke, die Stim­men der Men­schen, sonore Lin­ien, ich selb­st kaum noch sicht­bar, Augen, Arme, Mund, Unschär­fen der Luft. — stop

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taubenstadt

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himalaya

~ : oe som
to : louis
sub­ject : PIGEONS
date : july 17 11 8.15 a.m.

Seit gestern endlich wieder ruhige See, ein wolken­los­er Him­mel über uns. Noe, wohlauf in 550 Fuß Tiefe, liest Javier Tomeos Tauben­stadt. Großar­tiges Buch. Vor 10 Tagen haben wir damit begonnen, Noes Stimme aufzunehmen. Wun­der­volle Funkgeräusche sei­ther ohne Unter­brechung. Als wir Noe berichteten, dass wir seine lesende Stimme verze­ich­nen, dass man ihm zuhören könne in Liss­abon, in Lima, in Shang­hai, dass er eine Sen­sa­tion sei, ein Mann, der das Lesen wasser­fester Büch­er erprobt, ein Mann im Taucher­anzug, ein Mann, der seit 820 Tagen im Atlantik vor Neu­fund­land lebt, eine men­schliche Sta­tion, ein beleuchteter Kör­p­er in Licht­losigkeit, — seit wir ihm gebe­ichtet haben, dass wir ihn kon­servieren, scheint Noes lesende Stimme ruhiger gewor­den zu sein. Wir haben den Ein­druck, dass unser Mann nun fort jedes Zeichen genießt, das wir ihm zur Ver­fü­gung stellen. Nach wie vor heftige Debat­ten über die Tem­per­atur des Tees, den wir in die Tiefe leit­en. Noe behauptet, der Tee sei zu kalt. Er wolle in diesem Tee wed­er baden, noch wolle er ihn trinken, wir soll­ten endlich alle Leitun­gen beheizen, die zu ihm führen. Vielle­icht weil er sich darüber heftig erregte, ver­lor Noe gestern, um 20 Uhr und zwölf Minuten, Ovids Liebeskun­st an das Meer. Eine Tragödie. In diesen Minuten, da ich Dir telegrafiere, liest Noe wieder ruhig vor sich hin. Wir hören seinen Atem. Wir hören das Funken der Wale. Beste Grüße. Dein OE

gesendet am
17.07.2011
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regentaucher

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sier­ra : 18.55 — Ich habe Geräusche ent­deckt, Töne, die viele Jahre zurück ein­mal in meinem Leben existierten. Ich lag damals oft auf dem Rück­en in einem Wagen, der schaukelte. Groß war ich zu jen­er Zeit noch nicht gewe­sen, ich war nicht länger als 50 cm. Meis­tens trug ich keine Schuhe. Ich erin­nere mich, dass die Wolken und der Him­mel über mir schaukel­ten, und da war ein hölz­ernes Röhrchen, von dem weit­ere hölz­erne Röhrchen baumelten, die klimperten, helle Geräusche, während sich der Wagen und ich bewegten, oder auch dann helle Geräusche, wenn der Wagen ange­hal­ten war, weil ich sofort mit meinen kleinen Hän­den nach den Röhrchen langte. Jet­zt, da ich jene ent­fer­n­ten Geräusche erin­nerte und ihre Entste­hung, kann ich sie beliebig zur Auf­führung brin­gen, obwohl sie so unmöglich in der Wirk­lichkeit sind, wie Geräusch des Regens für einen Tief­see­tauch­er unerr­e­ich­bar. — stop
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isaac bashevis singer

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sier­ra : 22.55 — Mittwoch. Abend. Weit­er­hin Regen. Regen auch während ich schlief. Ich kon­nt ihn hören von zu Zeit zu Zeit, wenn ich auf­tauchte, ohne ganz wach zu wer­den. Von irgend­woher jet­zt ein Geräusch, pling, pling, und Isaac B. Singers helle und zugle­ich raue Stimme, indem sie eine Geschichte erzählt, die ich in den ver­gan­genen Tagen wieder und wieder hörte. Die Geschichte geht so: Kurz nach mein­er Ankun­ft ( in Ameri­ka ) betrat ich zum ersten mal eine Cafe­te­ria, ohne zu wis­sen was das ist. Ich hielt es für ein Restau­rant. Ich sah lauter Leute mit Tabletts und fragte mich, warum man in so einem kleinen Restau­rant so viele Kell­ner brauchte. Ich gab jedem, der mit einem Tablett vor­beikam, ein Zeichen. Ich hielt sie alle für Kell­ner und wollte etwas bestellen. Aber sie ignori­erten mich, manche lächel­ten auch. Und ich dachte, was für ein unwirk­lich­er Ort! Es war wie in einem Traum. Ein kleines Café mit so vie­len Kell­nern, und nie­mand beachtet mich! Irgend­wann begriff ich dann, was eine Cafe­te­ria ist. Sie wurde mein zweites Zuhause. Die Cafe­te­rien wur­den eine Art Zuhause für Flüchtlinge aus Polen, Rus­s­land und anderen Län­dern. Viele mein­er Geschicht­en spie­len in Cafe­te­rien, wo all diese Men­schen aufeinan­der­trafen: die Nor­malen, die weniger Nor­malen und die Ver­rück­ten. Das ist also der Hin­ter­grund mein­er Geschicht­en, die in Cafe­te­rien spie­len. — stop

menschen und hände

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echo : 23.55 — Der beruhi­gende Gedanke, dass ich mich in New York zu irgen­deinem Men­schen an irgen­deinen Tisch set­zen kön­nte und darum bit­ten, eine sein­er Hände neben eine mein­er Hände zu leg­en. Sogle­ich wür­den wir erken­nen, wie ähn­lich wir uns sind. Auch ein Tisch ver­gle­ichen­der Hände in ein­er Bar am Strand von Min­de­lo wäre möglich, Hände auf dem Mark­t­platz von Bamako oder Hände in einem Nacht­club der Stadt Buenos Aires, einem Tabak­waren­laden zu Barcelona, ein­er Spiel­halle in Tokio. Wenn nun aber da oder dort an ein­er der vorgezeigten Hände ein Fin­ger fehlen würde, dann wäre das je bere­its eine ganz eigene Geschichte. stop. Amy Wine­house ist im Alter von 27 Jahren gestor­ben.

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schneckenkäfer

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romeo : 18.52 — Wie, frage ich, sollte ein Wesen gestal­tet sein, von dem nie­mand sagen kön­nte, ob es sich tat­säch­lich um einen Käfer oder doch eher um eine Sch­necke han­delte? Wo genau ist die Mitte zwis­chen Käfer und Sch­necke zu find­en? Existieren Formeln für diese denkbare Mitte, Para­me­ter, um typ­is­che Merk­male der einen oder der anderen Art in ihrem Wirken zu gewicht­en? Wie schw­er wiegt in ein­er Rech­nung das Vorkom­men eines Sch­neck­en­haus­es? Ist nicht vielle­icht ein Käfer, dessen geschlossene Panzerung die Form eines Sch­neck­en­haus­es nachempfind­et, bere­its als eine Sch­necke anzuse­hen, die ger­ade noch miss­lun­gen ist? Dür­fen Sch­neck­en fliegen?

PRÄPARIERSAAL : namen

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marim­ba : 22.51 — Feuchte Fliegen lungern am Abend auf dem Boden herum. Das san­fte, ein­schläfer­nde Geräusch des Wassers, Dunkel­heit kommt bald aus den Wolken gefall­en. Unterm Schirm dort weit­er anatomis­che Ton­bän­der verze­ich­net. Veroni­ka* erzählt eine feine Geschichte, die ich beina­he genau so wiedergebe, wie ich sie vor weni­gen Minuten hörte: > Ich ste­he vor einem Tisch und betra­chte einen Kör­p­er. Das ist ein Bild, das ich nicht erfun­den habe, ein Bild, das jet­zt zu meinem Leben gehört. Eine Frau, die in einem weißen Kit­tel vor einem Tisch ste­ht, auf dem ein Men­sch liegt, der tot ist. Ich habe mit den Ursachen dieses Todes nichts zu tun, ich empfinde keine Trauer, aber Respekt. In den ersten Minuten im Saal am Tisch habe ich nicht sehr geord­net, nicht sys­tem­a­tisch jeden­falls nachgedacht. Ich glaube, ich habe zunächst ver­sucht, ein Gefühl, ein geeignetes Gefühl für diese Sit­u­a­tion zu find­en, eine Posi­tion, meine Posi­tion. Kurz zuvor waren wir noch im Hör­saal gewe­sen. Unser Pro­fes­sor hat­te ein Prä­parat mit­ge­bracht. Dieser helle Kör­p­er, der weit ent­fer­nt in einem Oval unter den hoch aufra­gen­den Sitzrei­hen auf ein­er Bahre lag, hat­te etwas Ein­sames an sich. Als ich mich dann an meinem Tisch ste­hend über den Kör­p­er eines Mannes beugte, den ich in den fol­gen­den Wochen zer­legen würde, suchte ich unwillkür­lich nach Spuren, die zu ein­er Vorstel­lung davon führen kön­nten, wie er ein­mal lebte. Aber da war nichts, was mich mit sein­er Zeit noch verbinden kon­nte, kein Name. Das Haar des Mannes war ent­fer­nt, an seinen Ohren waren hölz­erne Schilder ange­bracht, auch an seinen Handge­lenken und an seinen Füßen, sein Gesicht war ohne jeden Aus­druck. Ich erin­nere mich, der Mann wirk­te wed­er friedlich noch so, als würde er nur schlafen, da waren wed­er Zeichen ein­er lan­gen Lei­den­szeit noch Spuren eines Kampfes. Das Gesicht war leb­los, ein Gesicht ohne Ausstrahlung, ohne Elek­triz­ität. Der Kör­p­er erin­nerte mich an eine große Puppe, er hat­te etwas Schema­tis­ches, aber vielle­icht war das bere­its mein Blick, meine Per­spek­tive gewe­sen, die diesen Ein­druck erzeugte? Ein Bein und noch ein Bein. Ein Arm und noch ein Arm, und ein Kopf. Ich kon­nte das bald gut, diesen Mann, diesen Kör­p­er betra­cht­en. Ich war ganz entspan­nt dabei. Ich wusste auch, dass sich dieser Kör­p­er sehr rasch verän­dern würde in der Folge mein­er Arbeit. Ich war der fes­ten Überzeu­gung, dass wir dem Toten keinen Namen geben soll­ten. Ich war sehr froh, dass ich nicht wusste wie sein Name lautete, als er noch lebte. Ich habe, kurzum, ver­sucht, diesen Kör­p­er auf dem Tisch als ein Prä­parat zu betra­cht­en, als eine für uns kost­bare Hülle, als ein Ver­mächt­nis. Meine Kom­mili­to­nen haben ihm einen Namen gegeben, aber wir haben uns deshalb nicht gezankt. Ich habe mich an der Suche nach einem Namen ganz ein­fach nicht beteiligt. - stop

* Name geän­dert
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anatomischer traum

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alpha : 18.02 — Im Traum die maßstab­s­ge­treue anatomis­che Darstel­lung eines Tief­seeele­fan­ten­rüs­sels auf der Madi­son Avenue entrollt. Leuch­t­end rote Muskel­grup­pen, staunende Pas­san­ten, Polizeifahrzeuge sper­rten Kreuzun­gen, Stun­den rauschen­den Glücks, bis ich Höhe 129th Street das Ende der For­ma­tion ere­ichte. Unverzüglich mit der Sub­way down­town 23rd Street zurück. Abend war gewor­den, Nacht, ich begann im Licht ein­er Stirn­lampe, jeden einzel­nen Muskel der 120000 Struk­turen hand­schriftlich und anatomisch sin­nvoll zu beze­ich­nen: mus­cu­lus ama­zo­nius oriens. Arbeit­ete einen Block nord­wärts, bald fehlten weit­ere Wörter. — stop

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j.e.

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nord­pol : 6.38 — Die Aus­bil­dung eines Schrift­stellers beste­ht einzig in den Büch­ern, die er gele­sen hat. James Ell­roy — stop

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menkem

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nord­pol : 4.56 — Flughafen. Früher Mor­gen. Regen. Das Licht ver­spätet sich, Flugzeuge, die weite Streck­en gegen die Nacht geflo­gen sind, rei­hen sich, eine Kette zit­tern­der Lichter, hin­tere­inan­der bis zum Hor­i­zont. Neben mir auf ein­er Bank, den Blick auf die Lan­de­bahn gerichtet, sitzt ein alter Mann. Er heißt Menkem. Menkem lebt seit vie­len Jahren in Deutsch­land, ein afrikanis­ch­er Mann, der Ital­ienisch fließend spricht, Tri­grin­ja und auch Deutsch, eine Sprache, die ihm nicht so leicht von den Lip­pen gehen will, weswe­gen er sehr langsam, Wort für Wort, for­muliert. Wir warten auf einen weißen Vogel, einen Air­bus 380, Lin­ien­flug LH 401 New York JFK – Frank­furt am Main, um 5 Uhr 15 soll das Flugzeug ein­tr­e­f­fen. Da noch Zeit ist, frage ich, ob sich Menkems Fam­i­lie in Sicher­heit befind­en würde oder ob sie vielle­icht von Hunger bedro­ht sei in diesen Wochen. — Lange andauern­des Schweigen. — Dann antwortet mir der alte Mann. Er sagt: Afri­ka ist groß, sehr, sehr groß. Wir essen in Eritrea nicht vom Boden, wir sitzen immer auf einem Stein oder auf einem Stück Holz, wenn wir eines find­en, oder wir haben ein Tuch, auf das wir uns set­zen kön­nen. Wir sind ein­fache Mahlzeit­en gewöh­nt, wir essen nicht kom­plizierte Dinge wie die Men­schen in Äthiopi­en, sofern sie nicht in Armut leben. Aber wir essen niemals vom Boden. Unsere Speisen sind scharf gewürzt. Oft haben wir sehr wenig. Immer müssen wir uns beeilen, essen, und dann sofort weit­er. Der alte Mann macht eine schnelle Bewe­gung mit sein­er Hand, als wollte er etwas von sich wer­fen. — stop

räume

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ulysses : 20.02 — Tat­säch­lich scheint das schreibende Denken ein Denken zu sein, das unverzüglich Kör­p­er von Zeichen bildet. Ich denke Wort für Wort gebremst, ich denke ger­ade so schnell ich schreiben kann. Von Wörtern aus eröff­nen sich Räume, die ohne die Arbeit der Hände im Ver­bor­ge­nen bleiben. — stop

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PRÄPARIERSAAL : libelle

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echo : 6.12 — Ich habe  auf einem Fernse­hbild­schirm Jonathan Franzen beobachtet, wie er in seinem New York­er Arbeit­sz­im­mer sitzend von Appa­ra­turen erzählt, die ihm behil­flich sein kön­nten, den Lärm der Stadt oder des Haus­es, in dem er sich befind­et, von seinen Ohren zurück­zuhal­ten. Er berichtet das unge­fähr so: Ich habe ein Menge Lärm­schutzvor­rich­tun­gen. Ich schütze mich gegen Lärm mit Schaumgum­mistöpseln. Sie sind wichtig. / Und darüber hin­aus habe ich meine Kopfhör­er. Und zudem noch rosa Rauschen auf CD. / Das ist wie weißes Rauschen, aber es ist etwas wärmer im Ton. Es beschränkt sich auf die niedri­gen Fre­quen­zen. Es klingt wie eine Raumkapsel in der Atmo­sphäre mit einem wun­der­vollen Brausen, ein alles umhül­len­des Brausen, das plöt­zlich ver­schwindet. stop. Weit nach Mit­ter­nacht, küh­le Luft. stop. Lun­gere auf dem Sofa herum, höre anatomis­che Ton­ban­dauf­nah­men ab, Wörter, Sätze, Gedanken ein­er ferneren Zeit, die sofort wieder sehr nahe kom­men, vielle­icht deshalb, weil sie von typ­is­chen Geräuschen jenes Ortes, an dem sie aufgenom­men wur­den, begleit­et sind. Das Rauschen der Stim­men hun­dert­er Men­schen. Pinzetten, die gegen Met­all klopfen. Eine Laut­sprecher­durch­sage: Denken Sie bitte daran, der Prä­pari­er­saal wird vor dem Tes­tat am kom­menden Mon­tag bere­its um 7 Uhr geöffnet. Das kleine Wieder­gabegerät, das neben mir auf einem Kissen ruht, bewegt sich nicht oder nur so leicht, dass meine Augen diese Bewe­gung nicht wahrnehmen kön­nen. Ein­mal denke ich an etwas anderes, als das, was zu hören gewe­sen war, und bemerke in dieser Weise, dass ich, in dem ich an etwas denke, das ent­fer­nt ist, meine Ohren auszuschal­ten ver­mag. Deshalb musste ich ger­ade eben das Band zurück­spulen und Thomas’ feine Geschichte wieder­holen, die von ein­er Libelle erzählt. Hört zu: Wir hat­ten einen Mann auf dem Tisch, einen männlichen Kör­p­er von sehr dun­kler Farbe und von außeror­dentlich­er Größe. Ich glaube, dieser Kör­p­er war der größte Kör­p­er des Kurs­es. Ich war erstaunt, weil ich mit einem Prä­parat, das größer sein würde als ich selb­st, nicht gerech­net habe. Nein, einen Hünen hat­te ich wirk­lich nicht erwartet. Sie müssen wis­sen, ich habe mir sehr bewusst keine genauen Vorstel­lun­gen von der Wirk­lichkeit des Anatomiesaales gemacht. Ich hat­te ver­mutet, dass die Luft kühl sein würde, aber an dem Tag, als wir unsere Arbeit auf­nah­men, war es som­mer­lich warm und ich schwitzte und hat­te Mühe, ohne Unter­brechung daran zu denken, mir mit den feucht­en Hand­schuhen nicht ins Gesicht zu fahren. Ich hat­te erwartet, dass das Licht im Saal eher gedämpft sein würde, aber es war strahlend hell, ein Licht, das kaum einen Schat­ten warf. Und ich hat­te einen über­schaubaren Kör­p­er erwartet, einen eher kleinen Kör­p­er, den Kör­p­er eines ural­ten Men­schen. Ich habe mit altern­den Men­schen immer Gestal­ten in Verbindung gebracht, die zer­brech­lich sind, Kör­p­er, die klein­er wer­den, die sich zurückziehen, die man stützen muss, führen, die noch im Leben durch­läs­sig wer­den für das Licht. Dort vor mir auf dem Tisch aber lag ein Mann, der ger­adezu strotzte vor Kraft. Er war nicht fett, son­dern muskulös, und am Bauch und an der Brust, an Armen und Beinen sehr stark behaart gewe­sen. Ich werde diesen Anblick mein Leben lang nicht vergessen. Ich habe den Mann sehr lange Zeit betra­chtet. Dieses geschwol­lene Gesicht war das Gesicht eines schlafend­en Box­ers. Seine Augen waren geschlossen, die Hände zu Fäusten geballt und seine Füße sahen ganz so aus, als hätte er sie schon vor sehr langer Zeit vergessen. Ich habe ihn mehrfach umkreist, und dann haben wir ihn gemein­sam auf dem Tisch herumge­dreht. Sehr fest mussten wir zugreifen. Ich sage Ihnen, das ist nicht leicht, am ersten Tag in diesem Saal so fest zuz­u­fassen. Man ist ja sehr vor­sichtig und man ist dankbar für dieses Geschenk, das ein Men­sch für uns zurück­ge­lassen hat. Und als wir ihn dann herumge­dreht hat­ten, kon­nten wir eine Libelle erken­nen. Sie war links oben auf seinem Rück­en ein­tä­towiert, regio scapu­laris, Sie ver­ste­hen? Ein erstaunlich präzise geze­ich­netes Bild, nicht sehr groß, vielle­icht ger­ade so groß wie ein Mit­telfin­ger des Mannes und in blauen und roten und grü­nen Farbtö­nen aus­ge­führt. In diesem Moment hat­te ich eine Vorstel­lung, die in das Leben des Mannes auf dem Tisch zurück­führte. Ich habe mir vorgestellt, wie er als junger Mann in ein­er Badeanstalt mit den Muskeln spielte, wie er seinen Insek­ten­vo­gel in Bewe­gung set­zte, um ein­er Frau zu gefall­en vielle­icht. Aber da war noch etwas anderes, da war die Frage, was wir sehen wür­den, sobald wir die Haut unter der Libelle so weit gelöst hät­ten, dass ein Blick auf ihre Rück­seite möglich wer­den würde.

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