Aus der Wörtersammlung: tage

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bohumil hrabal

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tan­go : 6.56 — Ich beob­ach­te mei­nen Fern­seh­bild­schirm. Er ist so flach, dass ich mei­ne, das beweg­te Bild, wel­ches er emp­fängt, müss­te trans­pa­rent sein wie ein Schmet­ter­lings­flü­gel. Ich könn­te in die­ser Vor­stel­lung durch das Zim­mer lau­fen, um jene Sequen­zen, die von Kriegs­vor­be­rei­tun­gen, von chir­ur­gi­schen, begrenz­ten Luft­schlä­gen erzäh­len, von der ande­ren Sei­te her zu betrach­ten. Erin­ne­re mich an Boh­u­mil Hra­bal, von dem berich­tet wird, er wür­de bevor­zugt hin­ter sei­nem Fern­seh­ge­rät Platz genom­men haben. Das muss zu einer Zeit gewe­sen sein, als Bild­schir­me in den Rah­men mons­trö­ser Appa­ra­tu­ren hock­ten, Röh­ren­bild­schir­me genau­er, die noch explo­die­ren konn­ten. Indem Hra­bal sei­nen Bild­emp­fän­ger von hin­ten betrach­te­te, han­del­te er mit dem Aus­druck äußers­ter Ver­wei­ge­rung, er saß dort und konn­te sich dar­auf ver­las­sen, kei­nes der emp­fan­ge­nen Bil­der sehen zu kön­nen, er war genau dort hin­ter jener Maschi­ne, die die Bil­der erzeug­te, vor den Bil­dern sicher. Viel­leicht hat­te er über­dies das Fern­seh­ge­rät aus­ge­schal­tet, ich weiß es nicht, gern wür­de ich ihn fra­gen, ihm erzäh­len, wie ich das mache in die­sen Tagen, da ich nicht mehr sicher bin, Lüge von Halb­wahr­heit oder Wahr­heit unter­schei­den zu kön­nen. Wirk­lich, wahr­haf­tig ist die­ses selt­sa­me, schmer­zen­de Gefühl, das ich bei dem Gedan­ken emp­fin­de, man könn­te die Armee des Dik­ta­tors Baschar al-Assad bom­bar­die­ren, sei­ne Flug­hä­fen, sei­ne Flug­zeu­ge, Rake­ten. Es ist ein zufrie­de­nes, zustim­men­des Gefühl, ein Reflex, wie ich so in mei­ner fried­li­chen, siche­ren Woh­nung sit­ze, eine Tas­se Kaf­fee in der Hand. Bald wan­de­re ich in die Küche und bra­te mir einen Fisch, eine klei­ne Dora­de. Ich höre die Stim­men der Kom­men­ta­to­ren vom Arbeits­zim­mer her, die wei­ter spre­chen, obwohl ich abwe­send bin. Und ich höre den Regen, es reg­net tat­säch­lich, dann hört es wie­der auf. Vögel flie­gen vor­über. Auf der Schei­be eines Fens­ters sitzt ein Mari­en­kä­fer und nascht von den Res­ten einer Wes­pe, die ich einen Tag zuvor töte­te, weil sie sich in der Dun­kel­heit mei­nem Bett näher­te. — stop
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versuch über nachtsprache

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romeo : 22.58 — Vor einem mei­ner Fens­ter in der Höhe ist heu­te Abend eine klei­ne Spin­ne auf­ge­taucht, ein Jäger auf dem Fens­ter­brett, schnell, geschmei­dig, gestreif­ter Pelz, Augen so klein, dass ich sie nicht sehen kann. Mit die­sen Augen, die ich nicht sehen kann, beob­ach­te­te mich die Spin­ne ver­mut­lich, wäh­rend ich in ihrer Nähe am Fens­ter stand und Sät­ze wie­der­hol­te, die der­art ver­kno­tet waren, dass ich sie kaum aus­spre­chen konn­te. Die Spin­ne beweg­te sich nicht, und ich dach­te, viel­leicht hör­te sie mir zu, hört, was N., die seit zwölf Jah­ren als Sach­be­ar­bei­te­rin in der Nähe eines Flug­ha­fens arbei­tet, erzähl­te, war­um näm­lich die Begrü­ßung in der Nacht unter Nacht­ar­bei­tern eine selt­sa­me Ange­le­gen­heit sein kann. N’s Aus­sa­ge zur Fol­ge soll es jeweils nach Mit­ter­nacht zu Schwie­rig­kei­ten des­halb kom­men, weil man bis zur Mit­ter­nachts­stun­de noch einen guten Abend wün­schen kön­ne, indes­sen eine Per­son, der man im Auf­zug begeg­ne, in den ers­ten Minu­ten eines neu­en Tages bereits mit einem fröh­li­chen guten Mor­gen zu begrü­ßen sei, obwohl doch der nächs­te Mor­gen mit Licht oder Aus­sicht auf Fei­er­abend zu die­sem Zeit­punkt noch vie­le Stun­den weit ent­fernt sein müss­te. Ein eigen­tüm­li­ches Gefühl, sag­te N., das die­ser vor­aus­ei­len­de Mor­gen inmit­ten der Nacht noch nach Jah­ren in ihr erzeu­ge. Tat­säch­lich scheint es so zu sein, dass inmit­ten der Nacht die Nacht selbst in einer Begrü­ßungs­for­mel nicht ange­spro­chen wer­den kann, weil die For­mu­lie­rung Gute Nacht im all­ge­mei­nen Abschied bedeu­tet unter Men­schen, die zur übli­chen Wach­zeit exis­tie­ren, obwohl man doch im Moment des Abschie­des viel­leicht gera­de Stirn an Stirn in einem Bett liegt, man macht die Augen zu und schläft, sofern man glück­lich und zufrie­den ist. Zwei Schla­fen­de. Es ist so, als wären sie bei­de ver­reist, als wären sie bei­de nicht anwe­send, nicht erreich­bar, auch nicht für sich selbst, weil ein Schla­fen­der nie­mals zuver­läs­sig in der Lage sein wird, sich per­sön­lich zu wecken, ohne vor­beu­gend exter­nes Glo­cken­werk pro­gram­miert zu haben. Aber das ist schon wie­der eine ganz ande­re Geschich­te. — stop

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fenster zum fluss

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sier­ra : 17.08 — Ein Freund, der sich seit län­ge­rer Zeit in Man­hat­tan auf­hält, erzählt via E‑Mail eine hei­te­re Geschich­te, die er selbst erlebt haben will. Vor eini­gen Tagen habe er dem­zu­fol­ge eine Bekann­te besucht, die ein Apart­ment in einem moder­nen Miets­haus der Upper East Side bewohnt. Es han­de­le sich um eine geräu­mi­ge Woh­nung in der 28. Eta­ge mit fas­zi­nie­ren­der Aus­sicht auf den East River. Eine Lei­den­schaft der Woh­nungs­be­sit­ze­rin, eine Pas­si­on gera­de­zu, sei die Beob­ach­tung der Schif­fe gewor­den, die den Fluss tief unten befah­ren. Der Anblick der Käh­ne und Oze­an­damp­fer beru­hi­ge sie, schon von Wei­tem kön­ne sie erken­nen, wenn sich ein grö­ße­res Schiff vom Atlan­tik her nähe­re. Nicht zu ver­ges­sen natür­lich, jene zier­li­chen, wei­ßen und gel­ben Amei­sen­schif­fe, Was­serta­xis bei Tag und Nacht, und das bestän­di­ge Blin­ken der Spie­ren­ton­nen, Pul­se, wel­che sie durch ihr Fern­glas wahr­neh­men kön­ne. Als nun mein Freund sei­nen Besuch tele­fo­nisch ankün­dig­te, wur­de er gewarnt, der Auf­zug des Hau­ses sei seit zwei Wochen defekt, wes­halb vie­le der älte­ren Bewoh­ner das Haus seit Tagen ent­we­der gar nicht oder für län­ge­re Zeit ganz ver­las­sen haben, er müs­se zu Fuß empor­stei­gen und eine hal­be Stun­de Zeit für sei­nen Auf­stieg berech­nen, er sol­le sich etwas Pro­vi­ant mit­neh­men. Mein Freund mach­te sich weni­ge Stun­den spä­ter auf den Weg nach oben. Weil er nicht trai­niert war, ging er lang­sam, zunächst zähl­te er noch sei­ne Schrit­te, aber bereits in der 6. Eta­ge muss­te er sich set­zen und sei­nen Atem beru­hi­gen. Eini­ge Boten, jun­ge Män­ner mit Ruck­sä­cken auf dem Rücken, kamen vor­über. Kurz dar­auf pas­sier­te ihn eine älte­re Dame, schla­fend oder bewusst­los, auf einer Tra­ge lie­gend abwärts. Höhe der 18. Eta­ge stand die Tür einer Woh­nung offen. Tre­ten Sie ein, war auf einem Zet­tel zu lesen. Im Wohn­zim­mer saß eine wei­te­re älte­re Dame hin­ter einem Tisch, reich gedeckt, Obst und kal­ter Fisch und Brot und Was­ser. Ein rei­zen­der Anblick, Kat­zen lagen auf dem Boden her­um. Die alte Frau war­te­te unter einem Son­nen­schirm. Sie sag­te: Komm, komm, in Zei­ten der Not muss man zusam­men­hal­ten, alles ist umsonst, aber Du darfst in der Stadt nicht davon erzäh­len! Eine Stun­de spä­ter erreich­te mein Freund end­lich die Woh­nung sei­ner Bekann­ten. Sie saßen lan­ge Zeit vor dem Fens­ter zum Fluss. Ein­mal näher­te sich ein Hub­schrau­ber. Er lan­de­te auf dem Dach. – stop

polaroidteller

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ai : USBEKISTAN

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MENSCH IN GEFAHR : “Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov ist seit April ohne Zugang zu sei­ner Fami­lie in Usbe­ki­stan inhaf­tiert. Sei­ne Fami­lie befürch­tet, dass ihm Fol­ter und ande­re Miss­hand­lun­gen dro­hen. / Der 38-jäh­ri­ge Tadschi­ke Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov ist am 25. April in Usbe­ki­stan ange­kom­men, um sein Kind aus ers­ter Ehe zu besu­chen. Er hät­te am 28. April wie­der nach Tadschi­ki­stan zurück­keh­ren sol­len. Am 29. April erhielt Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­novs Bru­der in Tadschi­ki­stan einen Anruf von des­sen Ex-Frau, die ihn dar­über in Kennt­nis setz­te, dass Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov am 27. April vom usbe­ki­schen natio­na­len Sicher­heits­dienst fest­ge­nom­men wor­den war. Sei­ne Ange­hö­ri­gen hat­ten seit­dem kei­nen Kon­takt mehr zu ihm. Berich­ten zufol­ge wur­de er zwei Tage lang auf einer Poli­zei­wa­che in Beko­bod in Ost-Usbe­ki­stan, 150 km von der Haupt­stadt Tasch­kent ent­fernt, fest­ge­hal­ten. Am 10. Juni erhielt die Fami­lie einen Anruf von einem Mann, der angab, in einer vor­über­ge­hen­den Haft­ein­rich­tung in Tasch­kent inhaf­tiert gewe­sen zu sein, in der auch Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov inhaf­tiert war. Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­novs Fami­lie weiß nicht, ob er Zugang zu einem Rechts­bei­stand hat. / Sein Bru­der kon­tak­tier­te das tadschi­ki­sche Kon­su­lat in Tasch­kent, um sich über die Grün­de für die Inhaf­tie­rung von Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov zu erkun­di­gen. Das tadschi­ki­sche Kon­su­lat bat das usbe­ki­sche Außen­mi­nis­te­ri­um um Aus­kunft und erhielt am 30. Mai die Rück­mel­dung, dass Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­nov nicht von der Poli­zei in Beko­bod fest­ge­nom­men wor­den war. Abdu­mav­lon Abdu­rakhmo­novs Vater schrieb dar­auf­hin im Juni an den tadschi­ki­schen Men­schen­rechts­om­buds­mann, um Unter­stüt­zung und Hil­fe bei der Auf­klä­rung des Ver­bleibs sei­nes Soh­nes zu erhal­ten. Der tadschi­ki­sche Ombuds­mann lei­te­te die Anfra­ge an den usbe­ki­schen Ombuds­mann wei­ter. Bis­her hat der tadschi­ki­sche Ombuds­mann jedoch kei­ne Ant­wort erhal­ten. / Men­schen, die ohne Kon­takt zur Außen­welt inhaf­tiert sind, dro­hen unab­hän­gig von der Län­ge der Inhaf­tie­rung Fol­ter und ande­re Miss­hand­lun­gen.” — Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen sowie emp­foh­le­ne schrift­li­che Aktio­nen, mög­lichst unver­züg­lich und nicht über den 2. Okto­ber 2013 hin­aus, unter »> ai : urgent action

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PRÄPARIERSAAL : ein arm

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gink­go : 0.18 — Pia erzählt: > Manch­mal, wenn ich abends nach dem Prä­pa­rier­kurs nach Hau­se gehe, bemer­ke ich, dass ich die Ein­drü­cke, die ich im Prä­pa­rier­saal gewon­nen habe, nicht mit der Stra­ße, über die ich spa­zie­re oder mit den Gesprä­chen der Men­schen, die ich in der U‑Bahn höre, in eine Ver­bin­dung brin­gen kann. Ich habe das Gefühl, dass der Saal frei schwebt, also ganz für sich ist, iso­liert. Ich rei­se zwi­schen zwei Wel­ten, von da nach dort und wie­der zurück, und das geht gut so hin und her. Ich wun­de­re mich, dass ich bis­her noch nie vom Prä­pa­rier­saal geträumt habe, ich kann mich jeden­falls nicht dar­an erin­nern, geträumt zu haben. Ich glau­be, ich bin in irgend­ei­ner Wei­se geschützt. Ich kann nicht genau sagen, was mich schützt, viel­leicht ist es die Freu­de an der Arbeit, die Dich­te der Auf­ga­ben, die mir gestellt sind. Ja, es ist viel zu tun. Lei­der kann ich nicht wirk­lich erzäh­len, was ich erle­be, ich mein Zuhau­se mei­nen Eltern oder mei­nen Freun­den. Die­se eine Geschich­te zum Bei­spiel, wie ich an einem Don­ners­tag in den Prä­pa­rier­saal tre­te und sehe, dass etwas grund­sätz­lich anders gewor­den ist. Ich war natür­lich nicht unvor­be­rei­tet gewe­sen, denn in der Prä­pa­rier­an­lei­tung wur­de ver­zeich­net, dass die Lei­chen auf dem Tisch von den Prä­pa­ra­to­ren an einem Mitt­woch­nach­mit­tag zer­legt wer­den. Und so war es gekom­men. Auf den Tischen lagen nur noch Arme und Bei­ne und die Hälf­ten je eines Kop­fes. Selt­sam, sage ich Ihnen, sehr selt­sam! Aber natür­lich sinn­voll. Von die­sem Moment an ist es mög­lich, einen Arm in die Hand zu neh­men und von allen Sei­ten her zu betrach­ten, oder ein Bein. Ich muss­te mich etwas über­win­den, das natür­lich, aber dann habe ich einen der bei­den Arme auf dem Tisch ange­ho­ben, bin mit ihm durch den Saal gelau­fen und habe ihn unter flie­ßen­dem Was­ser gewa­schen. Als ich auf dem Weg zurück an den Tisch war, kam mir eine Kom­mi­li­to­nin ent­ge­gen, auch sie trug einen Arm vor sich her. Der Arm war sehr groß, rich­tig schwer, eine klei­ne Frau und ein gro­ßer Män­ner­arm. Wir lächel­ten uns an, ich glau­be, weil wir bei­de in unse­ren Augen selt­sam aus­ge­se­hen haben könn­ten. Zurück an den Tisch gekom­men, habe ich das Arm­prä­pa­rat unter­sucht, Mus­keln, wo sie anset­zen, und Seh­nen. Ich erin­ne­re mich, ich habe etwas unter­nom­men, das ich nur des­halb tun konn­te, weil der Arm der Kör­per­spen­de­rin ganz für sich gewe­sen war. Ich habe näm­lich an einer Seh­ne des Unter­ar­mes gezupft und beob­ach­tet, wie sich an der Hand in nächs­ter Nähe ein Fin­ger beweg­te. Ein­mal, viel­leicht zwei oder drei Tage spä­ter, beob­ach­te­te ich, wie Kom­mi­li­to­nen an ihren Tischen, bevor sie ihr Prä­pa­rat mit Tüchern bedeck­ten, Arme und Bei­ne und die Hälf­ten der Gesich­ter, so auf dem Tisch anord­ne­ten, dass sie wie­der an einen voll­stän­di­gen Kör­per erin­ner­ten. Das hat mich beru­higt. - stop

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kairo

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nord­pol : 23.56 — Kai­ro. Mitt­woch. Schlaf­los im abge­dun­kel­ten Zim­mer. Süd­li­ches Mit­tag­stun­den­licht. Drei Moni­to­re auf dem Sofa, ein Fern­seh­bild­schirm, ein Tele­fon. Beob­ach­te den Tag über aus gro­ßer Ent­fer­nung Spu­ren eines mensch­li­chen Infer­nos. Kom­men­ta­to­ren in eng­li­scher und ara­bi­scher Spra­che. Das Geräusch der Schüs­se hell. Loops, die immer wie­der die sel­ben grau­en­vol­len Bil­der zei­gen. Gigi Ibra­him, ägyp­ti­sche Akti­vis­tin, twit­tert vom frü­hen Mor­gen an in eng­li­scher Spra­che, 2 Tweets in ara­bi­scher Spra­che sind an die­ser Stel­le nicht wie­der­ge­ge­ben: 

Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug — I guess we have rea­ched the zero hour #rabaa army and poli­ce moving in to disper­se both pro-Mor­sy sit in ..this won’t be pret­ty #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can hear from home which is near #rabaa the gunshots being fired other than that the­re is no chan­nels cove­ring this #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war chan­nel is actual­ly airing some live foo­ta­ge by Nah­da and Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war Tv show­ing full bodi­ed armored riot poli­ce with tear gas shot­guns get­ting rea­dy #Rabaa #Nah­da ONT­V­li­ve is airing some foo­ta­ge too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Huge amounts of trucks army, poli­ce, and spe­cial forces floo­ding #Nah­da sitin with tear gas live on ONTVLIVE / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug A war­ning speech is being announ­ced via loud spea­k­ers with army trucks direc­ting pro­tes­ters to not resist pro­vi­ding them a safe exit #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Big black smo­ke coming out of the sit in pro­tes­ters might have lit some tires to deter the tear gas smo­ke #nah­da / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug / If I am not mista­ken, the­se loud sharp round shots are sound shots now live in #nah­da via OnT­v­li­ve / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is the first time I see tho­se loud spea­k­ers for war­ning befo­re disper­sing a sit in #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 /14 Aug Heli­c­op­ter fly­ing over near #rabaa now I can  hear it from home ..I also can hear gun shots #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Trucks are going into #rabaa to level all the bar­riers MB have put up huge amounts of tear gas bring fired, smo­ke ever­y­whe­re via Meh­war / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug This is Abaas el Akad st #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Al Nahar is brin­ging clo­se up foo­ta­ge #Nah­da sitin being leve­led by trucks while gunshots are being fired in the back­ground / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB in #Rabaa are report­ing over 8 kil­led with live bul­lets this is uncon­firm­ed but belie­va­ble / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Non stop heli­c­op­ters fly­ing over #rabaa area / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I have never seen the army or poli­ce disper­sing a sit-in this way, usual­ly it is shoot, kill, or/& detain still I am against the disper­se / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Meh­war TV is say­ing that Mobil gas sta­ti­on (loca­ted at Yous­sef Abbas and Nasr st) at #Rabaa sit in has explo­ded! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  MB pro-Mor­sy sup­port­ers are pro­test­ing at Aswan  gover­ne­ra­te buil­ding in respon­se to the attacks in #nah­da and #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Accor­ding to aljz foo­ta­ge, army and riot poli­ce have yet to reach the cen­ter of the sitin in #Rabaa still full of peo­p­le rus­hing inju­red / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #Rabaa stage has shiekhs in gas masks pary­ing sur­re­al loo­king / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug #rabaa field hos­pi­tal show­ing most­ly the flo­or and came­ra moving around then a few injured/dead via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Health minis­try reports no deaths yet, sta­te TV reports 2 poli­ce offi­cers kil­led, alj­ze­era now says 77 MB kil­led #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge on alj­ze­era show­ing sni­pers but honest­ly I cant con­firm whe­re exact­ly in #Rabaa or how genu­in it is..looks off but could be real too / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era is strea­ming live #rabaa audio and recy­cling the same foo­ta­ge ..pret­ty much #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Now alj­ze­era jumps the kil­led from 77 to 120 via the field hos­pi­tal #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@Beltrew: Live ammo being shot from poli­ce, crou­ch­ing behind car” #Rabaa #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: Get­ting arres­ted” #Rabaa AFP repor­ter is get­ting atres­ted 8:48 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: With two pho­to­graph­ers, sol­diers have taken their came­ras and dele­ting all their pho­tos.” AFP repor­ter at #Rabaa arres­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug @sarahussein @tomfinn2 @FarahSaafan cor­rec­ted my bad Tom is reu­ters’ not AFP repor­ter / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Foo­ta­ge from Nah­da in Giza show­ing seve­ral arrests by poli­ce of pro­tes­ters / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug MB pro-Mor­sy sup­port­ers in #alex­an­dria are also pro­teating in respon­se to the disper­sal of Nah­da and Rabaa sit ins #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug “@tomfinn2: They let us go.” Reu­ters repor­ter let go after been arres­ted in #Rabaa but all foo­ta­ge dele­ted / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug  @MariamKirollos @cairowire ? Explain the seems part plz / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Sound of gun­fi­re con­ti­nues whe­re i live near #rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Alja­ze­era jumps from 77 to 120 to now 450 kil­led in #Rabaa via the field hos­pi­tal / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Here goes the heli­c­op­ters again abo­ve #Rabaa area whe­re I live / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Disper­sing the sitin will only get the Isla­mists more united, more orga­ni­zed and more mobi­li­zed ..now who knows what will hap­pen #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug More vio­lence and more repres­si­on is what’s expec­ted by today’s dispersal..if you think MB force will go down this easy, u r mista­ken / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14  Aug  What is hap­pe­ning in Mohand­ssi­en? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Appar­ent­ly MB attemp­ting to start a sit in in Mohand­ssi­en in Mos­ta­fa Mah­moud sq and blo­cked some roads / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Teat gas rea­chee in front of stage in #Rabaa ..peo­p­le run­jing but most resis­ting and thro­winf back the tear gas via alja­ze­era / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug In respon­se to army & poli­ce attack of pro-Mor­sy sit-ins few churches and copts-owned shops have been bur­ned or atta­cked in upper #Egypt Many jour­na­lists are cordo­ned off, not allo­wed ent­ry to Rabaa even though they made if clear to secu­ri­ty forces they are repor­ters. / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug While all media is focu­sed on #Rabaa and #Nah­da sitins , chru­ches are being bur­nee and atta­cked in upper #Egypt ..No covera­ge!!! @Ontveg / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I can here gun fire non­stop near #Rabaa whe­re I live ..I also smell smo­ke even though I am abt 15 min walk from the­re #NasrCi­ty / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Mean­while in Mohandssien,“civilians” some w/ beards are tearing down a poli­ce car& van­da­li­zing it bea­ting ano­ther civi­li­an drip­ping in blood  / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug I am home & I feel trap­ped insi­de it & I’m not even loo­king over #Rabaa only near it..helicopters, gunshots, smo­ke by sit­ting on the couch / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug 6 octo­ber bridge clo­sed! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug They are too busy being MB mouth­pie­ce RT “@MalakBoghdady: 6 churches burnt down in 3 hours!! Broad­cast this if you dare @CNN #Egypt” / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 14 Aug Why the hell is NO one tal­king about churches being bur­ned in ANY media???!! A7a / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 23h News about enfor­cing a cur­few short­ly ..this is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Cur­few starts from 7 pm to 6am ..let’s see how many civi­li­ans will be tried in mili­ta­ry courts this time..down with mili­ta­ry rule !!! #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h I lite­ral­ly feel impri­so­ned and not the same fee­ling of fuck cur­few like all the first months under SCAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Dic­ta­tor­ships get cemen­ted woith emer­gen­cy law and cur­fews ..it starts for just a “month” then it lasts a life time #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h @sarahlphillips email me (twit­ter name at gmail) / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h If the sitins were not atta­cked, ima­gi­ne what would have hap­pen­ed then compa­re it with what is hap­pe­ning now .. #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 20h Bey­ond depres­sed with what is hap­pe­ning ..ever­y­thing is shit #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h The­re is a small pro­test in the street behind my house chan­ting “ya rab, we are mar­tyrs by the mil­li­ons” #NasrCi­ty side streets from  #Rabaa / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h  State­ment from #Egypt Revo­lu­tio­na­ry Socia­lists on the mas­sacre in Cai­ro, Down with mili­ta­ry rule! / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 15h — Heli­c­op­ters are still hove­ring around #Rabaa area even after it is cle­ared ..annoy­ing to keep hea­ring it #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h El Bara­die resigns #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h Mor­sy remo­ved by army #Egypt pic.twitter.com/4oie8UzzyF / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h haha El Bara­die base who hate Ikhwan view him now as a coward,& the peo­p­le who saw him as a tool now respect him for resig­ning #Truesto­ry / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 19h My FB time­line is bet­ween cus­sing Bara­die and tho­se who are salu­ting him..i am indif­fe­rent, he should have known bet­ter going into SCAF gov / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Pho­tos: #Rabaa sitin second mas­sacre http://www.flickr.com/photos / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h You know that fee­ling in your sto­mach that makes you feel like you can’t brea­the that’s all i am fee­ling right now / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  any­thing strea­ming what is hap­pe­ning in #Rabaa now? ..have they cle­ared it all? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  And the cur­few starts.. #NoMil­Tri­als #NoS­CAF #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h The divi­si­ons are get­ting clea­rer and the grey area is dimi­nis­hing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tho­se who are Ikwa­no­pho­bic, pro-army, secu­la­rists, “pro-revo­lu­ti­on” are the ones denoun­cing Baradie’s decis­i­on the har­dest #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h  Tho­se who are pro-revo­lu­ti­on, secu­la­rists, against SCAF’s mas­sacre, yet against MB are more wel­co­ming of Baradie’s choice #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h I hate to gene­ra­li­ze, but some­ti­mes it is nee­ded to explain com­plex situa­tions kno­wing that the­re are always excep­ti­ons #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Cur­few has been post­po­ned to start at 9 pm ins­tead of 7 pm, ends at 6 am #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 18h Tam­rood go to fuck­in hell! coun­ter-revo­lu­ti­on at best / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h / Being a news repor­ter in Egypt means you are not a repor­ter rather giving us your pathe­tic opi­ni­on (on whi­che­ver side you are) #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h CBC reports that MB lea­ders Bel­ta­gy, Eri­an, and Hega­zy have been arres­ted by #Rabaa , anyo­ne con­firm­ed that? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 17h  @RamyYaacoub natio­na­lism aka fascism / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h  — #Moi pres­ser is start­ing #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Until now MOI men­tio­ned NOTHING of burnt churches #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — He just men­tio­ned 7 churches burnt but not that they fai­led to pro­tect them #Moi #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #Moi denies the alle­ga­ti­on of the escape and arrest of Bel­ta­gy, Hega­zy and Eri­an being very vague #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI pres­ser was just cut on @ONtveg why? / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — Why was the #MOI pres­ser cut on all chan­nels when it is not over yet ? #Egypt / Gigi Ibra­him ‏@Gsquare86 16h — #MOI no sit in will be tole­ra­ted in any sq in the enti­re coun­try and will be dealt with firm­ly in coor­di­na­ti­on with mili­ta­ry forces #Egypt /// — stop  :::  gigi ibra­him on twitter

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marías

2

echo

~ : oe som
to : louis
sub­ject : MARÌAS
date : aug 10 13 10.58 p.m.

Seit Noe eine Bril­le trägt, liest er zügig und feh­ler­frei wie noch vor Mona­ten aus Büchern, die wir zu ihm in die Tie­fe sen­den. Als ich ihn besuch­te, war er müde von der Lek­tü­re Javier Marí­as soeben ein­ge­schla­fen. Und so konn­te ich für län­ge­re Zeit heim­lich sein Gesicht betrach­ten hin­ter der Schei­be von gepan­zer­tem Glas. Er ist blass gewor­den. Kein Wun­der, kaum Son­nen­licht an der Gren­ze zur Fins­ter­nis. Wäh­rend ich Noe betrach­te­te, wan­der­te eine Put­zer­schne­cke über sei­ne Stirn dahin. Sie stieg bald über Noes Nase abwärts, um kurz dar­auf in aller See­len­ru­he sei­ne lin­ke Wan­ge zu bewan­dern. Er scheint sich an die Exis­tenz der Tie­re auf sei­nem Kör­per gewöhnt zu haben, nach wie vor sind es fünf Schne­cken. Er wird von ihren Berüh­run­gen nie­mals wach, selbst dann nicht, wenn sie sich um sei­ne Lip­pen bemü­hen. Ich über­leg­te, wie der Geruch der Luft in Noes Anzug nach lan­ger Zeit der Abge­schie­den­heit beschaf­fen sein könn­te. Ein Schwarm Hai­füss­lie­re näher­te sich, neu­gie­ri­ge Wesen? Viel­leicht wur­den sie von Noe ange­zo­gen, einem sich lang­sam durch das Zwie­licht dre­hen­den Fin­ger. Er scheint zu fla­ckern. Ich hat­te ver­ges­sen, wie jung Noe doch ist. Ohne ihn aus der Nähe sehen zu kön­nen, nur sei­ne lesen­de Stim­me hörend, war der Tau­cher in mei­ner Wahr­neh­mung geal­tert, ohne dass ich das bemerk­te. Sein Gesicht ist schmal gewor­den. Ich ver­moch­te sei­ne Augen­bäl­le zu erken­nen, die sich unter ihren Lidern hin und her beweg­ten. Plötz­lich sah er mich an. Er lächel­te, und er sprach ein paar Wör­ter, die ich nicht ver­ste­hen konn­te, obwohl ich nur weni­ge Zen­ti­me­ter ent­fernt gewe­sen war. Ich ant­wor­te­te, ich sag­te: Noe, hör zu, Dein Vater ist gestor­ben. Da lach­te Noe, ver­mut­lich dach­te er: Der Mann ist so nah und er spricht und doch kann ich nicht hören, was er sagt. Dann mach­te ich mich an die Arbeit. Ich befes­tig­te Noes Bril­le an sei­nem Helm. — Dein OE SOM

gesen­det am
10.08.2013
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oe som to louis »

polaroidsecuso

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von eisbriefboten

9

nord­pol : 6.33 — Ein Eis­brief­bo­te war­te­te ges­tern, es war ein Diens­tag, vor mei­ner Woh­nungs­tü­re im 22. Stock. Der Mann trug blaue Turn­schu­he der Mar­ke Nike, kur­ze, hel­le Hosen und ein wei­ßes Hemd, das viel zu groß gewe­sen war für sei­nen schmäch­ti­gen Kör­per. Er schwitz­te, weil er die Trep­pe neh­men muss­te, da in mei­nem Haus kei­ner­lei Auf­zug exis­tiert, wes­halb das Haus nicht sehr beliebt ist bei Gäs­ten und Boten. Meis­tens bie­te ich den hart arbei­ten­den Män­nern über die Funk­sprech­an­la­ge an, ihnen ent­ge­gen­zu­kom­men. Ich sage: Tref­fen wir uns im 11. Stock in 10 Minu­ten! Ges­tern aber war ich sehr müde gewe­sen. Ich trank einen Kaf­fee, tele­fo­nier­te mit einer Behör­de, und war­te­te dann still in aller Ruhe, bis der Mann bei mir oben unter dem Dach ange­kom­men war. Es sind die­se ers­ten Bli­cke, die ich nie ver­ges­se. Der erschöpf­te Bote öff­ne­te sei­ne Kühl­ta­sche und über­reich­te mir einen wei­te­ren eis­ge­kühl­ten wei­chen Behäl­ter, in wel­chem sich nun unmit­tel­bar ein Brief von Eis befand, den ich zunächst in mei­nen Gefrier­schrank zu wei­te­ren Eis­brie­fen und Eis­bü­chern leg­te. Kurz dar­auf setz­te ich mich ins Trep­pen­haus und hör­te dem jun­gen Mann bei sei­nem Abstieg zu. Er war sehr schnell unter­wegs gewe­sen, er schien zu flie­gen, stürz­te im fünf­ten oder sechs­ten Stock, Minu­ten lang war kein Laut zu hören, dann das Wim­mern einer Ambu­lanz. Da saß ich längst in mei­ner Küche und las, was mir ein Freund notier­te, wie er schrieb, mit gro­ßer Freu­de auf dem ver­gäng­lichs­ten Mate­ri­al, das ihm zur Ver­fü­gung ste­he: Lie­ber Lou­is, die­ser Brief ist geheim. Er wird sich auf­lö­sen, sobald oder bevor Du ihn gele­sen haben wirst. Du musst Dich also beei­len oder den Brief immer wie­der ein­mal in den Kühl­schrank zurück­le­gen oder ihn foto­gra­fie­ren, ehe er geschmol­zen sein wird. Sei behut­sam, mein Lie­ber. Lies bit­te nicht an Tagen, da es warm ist in Dei­ner Woh­nung unter dem Dach, es könn­te sein, dass Du in schwü­ler Luft nicht schnell genug lesen kannst. Ich ver­mu­te, ich habe die Wör­ter an die­ser Stel­le bereits ver­geb­lich geschrie­ben. Dein K. – stop
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kilimandscharo

2

del­ta

~ : malcolm
to : louis
sub­ject : KILIMANDSCHARO
date : aug 05 12 8.08 p.m.

Es war gegen Mit­ter­nacht ges­tern, als Fran­kie das Haus in der 11. Stra­ße über eine Feu­er­lei­ter ver­ließ. Unver­züg­lich kehr­te er an den Hud­son River zurück, hock­te eini­ge Stun­den auf einer Mau­er am Was­ser, von dem in die­sen Tagen ein stren­ger Geruch aus­geht. Es ist heiß und schwül. Wir haben tote Fische beob­ach­tet, deren Kör­per an den Quai schla­gen. Der Fluss schäumt in sei­nen Press­wir­beln, New Jer­sey scheint nah, als wür­de die Luft eine unsicht­bare Lupe for­mie­ren. Alles geht einen guten Weg. Vor zwei Wochen hat­ten wir Fran­kie zuletzt betäubt, um Brenn­stoff­zel­len sei­ner Sen­der zu erneu­ern. Weit in das kom­mende Jahr wer­den sie kraft­voll arbei­ten. Tat­säch­lich scheint sich unser Eich­hörn­chen von den Stra­pa­zen der Nar­kose schnell erholt zu haben. In den Minu­ten sei­nes Auf­bruchs hat­te er es nicht eilig. Rose sag­te, sie habe den Ein­druck, Fran­kie wür­de dar­auf ach­ten, dass wir ihm fol­gen. Im Mor­gen­grauen setz­te er sei­ne Wan­de­rung süd­wärts fort. Fröh­lich sei­ne Bewe­gun­gen hin und her, und da die Bäu­me wie­der ernst zu neh­men­de Höhen errei­chen, auf und ab. Es ist jetzt längst Abend gewor­den, wir ruhen Höhe Moo­re Street auf einer Bank. Fran­kie betrach­tet Schif­fe, die den Fluss pas­sie­ren. Manch­mal rich­tet er sei­nen Blick auf uns, ich glau­be, wir sind ihm tat­säch­lich ver­traut gewe­sen, Freun­de, die ihn jeder­zeit mit einem Knopf­druck töten könn­ten. Ein kaum hör­ba­res Geräusch. Ein Herz, das zer­bricht. Ich habe von die­sem Moment eines unglück­li­chen Endes geträumt, von mei­nem Fin­ger, der Fran­kies Leben löscht, von einer Sekun­de zur ande­ren, ohne Erklä­rung, ohne War­nung, weil wir den Befehl dazu erhal­ten haben. Es war ein Alb­traum, den wir alle schon träum­ten. Aber wir spre­chen nicht viel davon, nicht vom Ende, aber natür­lich davon, dass Fran­kie bald Bat­tery Park erreicht haben wird. Nie­mand weiß, wie es wei­ter­ge­hen wird. — Ihr Mal­colm / code­wort : kilimandscharo

emp­fan­gen am
05.08.2013
1880 zeichen

mal­colm to louis »

polaroidmanhattan2



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