PRÄPARIERSAAL : xiangs momentaufnahme

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nord­pol : 8.27 — Xiang, 24, notiert in ein­er E-Mail über Musik und Anatomie – zwei Begriffe, die auf den ersten Blick unvere­in­bar scheinen. Aber je länger ich darüber nach­denke, desto deut­lich­er erkenne ich eine mögliche Verbindung. Sich­er ist es das The­ma des Todes, das die Musik dort dominieren würde, so dass mir spon­tan Beset­zun­gen wie Orgel (allmächtiger Charak­ter), Xylophon (Kälte, Leblosigkeit) oder Chor (Toten­klage) ein­fall­en. Ich kann mir entwed­er sehr alte Musik­stile, wie Gre­go­ri­anik und Früh­barock, aber auch Musik des 20./21.Jahrhunderts vorstellen, z.B. John Cage oder George Crumb, deren Inten­tion immer­hin ger­ade in ein­er gewis­sen Absur­dität, Gren­züber­schre­itung, bzw. in gewoll­ter Ent­fer­nung von der Ästhetik der Wirk­lichkeit zu find­en ist. Ger­ade dieses Moment prägt die Atmo­sphäre des Prä­pari­er­saales: eine zwar arti­fizielle, jedoch nicht primär ästhetis­che Arbeit an men­schlichen Kör­pern, die durch den Tod und den Vor­gang des Halt­bar-Machens von einem Indi­vidu­um zu einem Prä­parat ver­wan­delt wur­den, so dass Zeit­losigkeit an die Stelle dynamis­chen Lebens getreten ist. Es ist nicht leicht an Musik in diesem Zusam­men­hang zu denken, da sich Musik ger­ade durch ihren ewigen Fluss, ihre im Inneren gebor­gene Lebendigkeit ausze­ich­net, ihre Seele, die niemals ster­ben kann, selb­st dann nicht, wenn noch so viele Ver­suche unter­nom­men wer­den, sie in Momen­tauf­nah­men zu kon­servieren. — stop

ping

contergan

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lima : 10.27 — Die Arme mein­er Cou­sine sind kurz, an ihren Hän­den fehlen die Dau­men. Als ich noch ein Kind gewe­sen war, beobachtete ich gern ihre Füße, die sich bewegten als wären sie nicht Füße son­dern Hände. Man kann mit den Füßen malen, das wusste ich schon immer, und man kann mit den Füßen in Büch­ern blät­tern und einen Löf­fel zum Munde führen, man kann auf Füßen gehen und man kann sich mit den Füßen die Haare käm­men. Je nach­dem, von welchem Stand­punkt aus man das betra­chtet, ist das selt­sam oder eben nicht. Meine Cou­sine machte die Erfahrung, dass man sie ver­steck­te, wenn Besuch­er zu ihrer Fam­i­lie nach Hause kamen. Ich selb­st dage­gen wurde gerufen, damit ich betra­chtet wer­den kon­nte. Mein Gott, ist er doch wieder kräftig gewach­sen, der kleine Kerl! Er heißt Andreas, nichts weit­er. Meine Cou­sine heißt Lil­li, und sie heißt noch das Wort Con­ter­gan dazu, weil das viele Men­schen sofort denken, wenn sie die Malerin Lil­li Eben sehen. Da kann man nichts machen. Wenn etwas anders ist an einem Men­schen, wenn etwas zuviel ist oder fehlt, dann bekommt das Fehlende oder das Zusät­zliche einen Namen, der ein Leben begleit­et, wie das mein­er Cou­sine, die eine starke Per­sön­lichkeit gewor­den ist. Aber die Hände und der Rück­en tun außeror­dentlich weh mit dem Alter, und auch die Zähne tun weh, weil sie soviel mit den Zäh­nen machen musste in ihrem Leben. Eine einzige kleine Tablette, nicht wahr, die ihre Mut­ter, meine Tante, zu sich genom­men hat­te zu ein­er Zeit, da sie noch nicht wusste, dass sie schwanger gewe­sen war. Tausende Tote. Zehn­tausende Men­schen mit einem oder mehreren Hand­i­caps. Am ver­gan­genen Fre­itag wurde von dem Geschäfts­führer der Fir­ma Grü­nen­thal der Ver­such ein­er Entschuldigung unter­nom­men, ohne weit­er­führende Ver­ant­wor­tung übernehmen zu wollen. Er sagte: Wir bit­ten um Entschuldigung, dass wir fast 50 Jahre lang nicht den Weg zu Ihnen von Men­sch zu Men­sch gefun­den haben. Wir bit­ten Sie, unsere lange Sprachlosigkeit als Zeichen der stum­men Erschüt­terung zu sehen, die Ihr Schick­sal bei uns bewirkt hat. — stop

mikobeli

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alpha : 0.22 — Die Ent­deck­ung des Wortes miko­beli ereignete sich am 20. Dezem­ber des Jahres 2007. Ich machte das so: Zunächst schloss ich die Augen. Dann ver­suchte ich lau­thals Wörter auszus­prechen, die ich nie zuvor hörte. Eine nicht ganz leichte Auf­gabe. Kurz darauf notierte ich das Wort miko­beli auf ein Blatt Papi­er und prüfte, ob das Wort in den Verze­ich­nis­sen der Google­mas­chine bere­its enthal­ten sein kön­nte. Das war nicht der Fall, ich war zufrieden. Einige Zeit, zwei oder drei Wochen lang, ver­suchte ich weit­ere unbekan­nte und zugle­ich wohlk­lin­gende Wörter zu ent­deck­en, dann hörte ich damit auf. Heute, Dien­stag, 4. Sep­tem­ber 2012 um kurz nach 17 Uhr MESZ, wurde mir das Wort miko­beli wieder in Erin­nerung gerufen, in dem ich bemerk­te, dass nahe Tib­lisi (Georgien) nach genau diesem erfun­de­nen Wort in den Googlev­erze­ich­nis­sen gesucht wor­den war. Und weil nun das Wort miko­beli in meinem dig­i­tal­en Schat­ten zu find­en war, durfte ich für wenige Minuten einen Besuch­er aus dem Kauka­sus auf mein­er Par­ti­cles – Seite verze­ich­nen. Erstaunlich ist, dass das Wort miko­beli von mein­er Analy­se­mas­chine mit­tels geor­gis­ch­er Schriftze­ichen wiedergegeben wird, fein und weich und voll­ständig fremd. Irgen­dein Men­sch, stellte ich mir vor, kön­nte in der­sel­ben Art und Weise wie ich das Wort miko­beli erfun­den haben und hat­te kurz darauf nach Spuren sein­er Exis­tenz im Inter­net gesucht. Eine aufre­gende Geschichte, die sich tat­säch­lich genau­so ereignete. Bitte melden! — stop

ping

brooklyn

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MELDUNG. Brook­lyn, 197 Colum­bia Heights, 5. Etage, stein­ernes Zim­mer : Kirsche No 864 [ Mar­mor, Car­rara : 2.12 Gramm ] vol­len­det. — stop
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robots

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himalaya : 6.55 — Isaak B. Singer in deutschsprachiger Über­set­zung: Ein Tag in Coney Island. Lek­türe immer wieder unter­brochen, um Such­maschi­nen zu kon­tak­tieren: Sea­gate Esther Brook­lyn Sience Post Nanoro­bots Kierkegaard Colum­bia Heights Pul­sar Giusep­pi Logan. Ich zählte, wie vorgenom­men, meine Suchan­fra­gen für diesen Tag. Es waren 27 nach­mit­tags und weit­ere 15 am Abend. Jede einzelne mein­er Fra­gen soll den Ver­brauch von vier Watt Strom verur­sacht haben. Erstaunliche Sache. Ent­deck­te wun­der­bares Orch­ester fliegen­der Robot­er. Draußen Regen wie Gis­cht. Die Vögel in den Bäu­men dampfen. — stop

schallplatte

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tan­go : 6.28 — Nehmen wir wieder ein­mal an, ich kön­nte die Geschwindigkeit meines Sprechens für einen ganzen Tag bes­tim­men, etwa so, als würde ich die Drehgeschwindigkeit ein­er Schallplat­te durch das Umle­gen eines Hebels verän­dern. Würde ich mich beschle­u­ni­gen oder würde ich mich brem­sen? Spreche ich so schnell oder so langsam wie vor Jahren noch? — stop

ping

herzschrittmacher

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zoulou : 2.52 — Tat­säch­lich existieren noch immer Men­schen, deren Herzen mit­tels Schrittmach­ern beschle­u­nigt wer­den, die von Plu­to­ni­um 238 angetrieben sind. Andere ruhen bere­its in Gräbern. Ihre Herzen, stell ich mir vor, sind längst ver­schwun­den, aber aus edel­met­al­lenen Dosen funken weit­er­hin elek­trische Pulse, laut­lose wie verge­blich Suchende. – stop

ping

mr. munki

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marim­ba : 6.22 — Das Vergessen ist nicht ger­ade eine mein­er Stärken. Ich kann mich noch nach Jahren an jedes schwierige Gespräch erin­nern, wo es sich ereignete, mit wem ich mich unter­hal­ten hat­te und worüber. Dafür vergesse ich auf dem Weg von meinem Arbeit­sz­im­mer in die Küche, weshalb ich mich eigentlich in Bewe­gung set­zte. Auch die Uhrzeit vergesse ich gerne, Tele­fon­num­mern, Pass­wörter, Namen, ganze Büch­er, dass sie existieren, Buch­staben, meinen Regen­schirm. Ein­mal wäre ich beina­he im Herb­st ohne Schuhe auf die Straße getreten. Genau genom­men bin ich im Vergessen leicht­füßiger als ich dachte. Ich vergesse aber lei­der sehr häu­fig nicht, was ich gerne vergessen würde. Heute habe ich bemerkt, dass ich ver­säumte, also vergessen habe, in einem Buch weit­er zu lesen, das ich im Mai zulet­zt in Hän­den gehal­ten habe. Vielle­icht erin­nern Sie sich, es han­delte sich um Pete L. Munki’s Roman Nau­tilus. Der Erzäh­ler der Geschichte, ein junger Mann namens Zez­i­to Lopes, ruhte zulet­zt im 10. Stock eines Haus­es in der Lex­ing­ton Avenue auf ein­er Trep­pen­stufe. Früher Nach­mit­tag. Ein schw­er­er Behäl­ter von gepanz­ertem Glas, in dem sich zwei Mol­lusken­fis­che der Gat­tung Nau­tilus befan­den, stand neben dem wartenden Mann auf dem Boden. Ich erin­nerte mich damals, dass der junge Mann, er war ein gut trainiert­er Träger, sich kurz darauf erhoben hat­te, um an ein­er der Woh­nungstüren, die auf den Flur führten, zu klin­geln und nach einem Glas Wass­er zu fra­gen. Unverzüglich wurde geöffnet, ein Gespräch entwick­elte sich, in dessen Folge Zez­i­to Lopes sich bück­te, seinen gepanz­erten Behäl­ter in die Hände nahm und mit ihm in der Woh­nung ver­schwand. So weit so gut. Als ich das Buch im Mai im Zug geöffnet hat­te, kon­nte ich die markierte Textstelle nicht find­en. Sofort der Gedanke, ich hätte möglicher­weise phan­tasiert, eine dur­chaus beun­ruhi­gende Vorstel­lung. Nicht min­der beun­ruhi­gend schien mir der Gedanke gewe­sen zu sein, das Buch selb­st kön­nte sich verän­dert haben, weit­er- oder umgeschrieben wor­den sein, obwohl sich das Buch, auch nachts, immer in mein­er Nähe aufge­hal­ten hat­te. Zu Hause angekom­men legte ich das Buch unter andere Büch­er auf meinem Schreibtisch ab, wo ich es heute wieder ent­deck­te. Als ich das Buch öffnete, war das Buch leer. Kein Zeichen zu find­en, nur der Titel der Geschichte: Nau­tilus. Daraunter ein weit­er­er Satz: Bitte warten. Pete L. Mun­ki. — stop

polaroidamph

herzwanderung

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gink­go : 0.28 — Auf Notizkärtchen, die ich im Prä­pari­er­saal beschriftete, das Wort Herzwan­derung ent­deckt. Ich notierte dieses Wort, kurz nach dem ich einen jun­gen Mann beobachtet hat­te, wie er mit einem kleinen rosa­far­be­nen Herzen, das er zuvor unter Anleitung eines Assis­ten­ten aus dem Brustko­rb ein­er alten Frau operierte, durch den Saal eilte, um es unter kaltem Wass­er zu waschen. Unmit­tel­bar hin­ter ihm wartete ein Kol­lege. Auch er hielt ein Herz in Hän­den. Dieses Herz schien ver­gle­ich­sweise das Herz eines Riesen gewe­sen zu sein, und es war dunkel, fast schwarz. Als der junge Mann mit der Waschung des kleinen rosa­far­be­nen Herzen fer­tig gewor­den war, drehte er sich um. Für einige Sekun­den standen sich die zwei Män­ner gegenüber und betra­cht­en je das Herz des anderen. — stop

ping

angmagssalik

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lima : 0.05 — Ob es wohl möglich ist, einen wohlk­lin­gen­den Kon­tra­bass zu bauen, der kein weit­eres Mate­r­i­al enthält, als Sub­stanzen eines ges­tran­de­ten Wal­fis­ches? – stop

quallenuhr

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ulysses

~ : oe som
to : louis
sub­ject : QUALLENUHR
date : sept 12 12 10.22 a.m.

Ganz plöt­zlich, lieber Louis, habe ich Lust bekom­men, Dir zu schreiben. Eigentlich wollte ich mich erst am kom­menden Sam­stag melden, aber ein Sturm bewegt sich auf uns zu und es ist nichts zu tun, als zu warten, ob er uns mit voller Wucht tre­f­fen wird. Ver­mut­lich ist es diese Warterei, die an unseren Ner­ven zer­rt. Auch, dass die Tage wieder kürz­er wer­den. Gestern haben wir einen Schwarm Tin­ten­fis­che beobachtet, der unser Schiff umkreiste. Eine ungewöhn­lich­er Anblick, die Tiere waren schneeweiß. Wir haben einige gefan­gen, sie schmeck­en süß, wenn man sie brät, nach Brot, nach Gebäck, nach Man­deln. Beun­ruhi­gend ist, dass sie wed­er über Herzen noch Augen ver­fü­gen. Eine halbe Nacht haben wir einen Fisch nach dem andern durch­sucht. Als wir kein Exem­plar mehr hat­ten, um unsere Suche fort­set­zen zu kön­nen, ist Miller mit dem Bei­boot los­ge­fahren. Fast wind­still ist es hier unten auf Höhe des Meeres, weit oben jedoch rasende Wolken von West nach Ost. Ja, lieber Louis, wir durch­leben schwierige Tage. Und Noe, unser Noe in der Tiefe, ist von Fieber befall­en. Wir haben ihn gut 150 Fuß ange­hoben, damit er Licht sehen kann. Seit mehreren Stun­den wieder­holt er eine kleine Geschichte, von der wir nicht wis­sen, woher sie kommt. Noe sagt, Noe stelle sich ein Zim­mer vor, ein fre­undlich­es, helles Zim­mer von aller­fe­in­ster Qual­len­haut, ein Zim­mer von Wass­er, ein Zim­mer von Salz, ein Zim­mer von Licht. Man kön­nte dieses Zim­mer, und alles was sich im Zim­mer befind­et, das Qual­len­bett, die Qual­lenuhr, und all die Qual­len­büch­er und auch die Schreib­maschi­nen von Qual­len­haut, trock­nen und fal­ten und sich 10 Gramm schw­er in die Hosen­tasche steck­en. Und dann geht man mit dem Zim­mer durch die Stadt spazieren. Oder man geht kurz mal um die Ecke und set­zt sich in ein Kaf­fee­haus und wartet. Noe sitzt also ganz still und zufrieden unter ein­er Ven­ti­la­tor­mas­chine an einem Tisch, trinkt eine Tasse Kakao und lächelt und ist geduldig und sehr zufrieden, weil nie­mand weiß, dass er ein Zim­mer in der Hosen­tasche mit sich führt, ein Zim­mer, das er jed­erzeit aus­pack­en und mit etwas Wass­er, Salz und Licht, zur schön­sten Ent­fal­tung brin­gen kön­nte. Hier spricht Noe. Noe stellt sich ein Zim­mer vor, ein fre­undlich­es, helles Zim­mer von fein­ster Qual­len­haut. — Beste Grüße. Ahoi. Dein OE SOM

gesendet am
12.09.2012
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versuchsanordnung

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echo : 2.05 — Gestern, am späten Abend, wurde ich während mein­er Arbeit von einem Eich­hörnchen beobachtet. Das kleine Tier kauerte im Kirschbaum auf Höhe der Fen­ster meines Arbeit­sz­im­mers gut sicht­bar im Licht ein­er Straßen­lampe. Beina­he wollte ich meinen, dass es sich mit Absicht zeigte. Seine Augen leuchteten rötlich, als wären sie Taschen­lam­p­en. Ich trat vor­sichtig ans Fen­ster und schon war das Tier ver­schwun­den. Es war also fast Mit­ter­nacht gewe­sen, ich ver­suchte zu diesem Zeit­punkt ein Exper­i­ment zu wieder­holen, das ich vor 5 Jahren bere­its erfol­gre­ich im Inter­net unter­nom­men hat­te. Krapp war mit mein­er Hil­fe in Cha­träu­men zu Sprache gekom­men. In einem 30-Sekun­den­rhyth­mus wieder­holte er Sätze, die Samuel Beck­ett für ihn notierte. Eine halbe Stunde arbeit­ete ich mich damals voran, als in der kün­stlichen Welt auf Krapp reagiert wurde. Das war ein faszinieren­der Vor­gang gewe­sen, ein Ereig­nis, das sich gestern lei­der nicht wieder­holte. Extra­or­di­nary silence this evening. Wie ich es auch ver­suchte, Krapp wurde nicht bemerkt oder wurde unhöflicher­weise ignori­ert. Hier nun noch ein­mal das Doku­ment aus dem Jahr 2007 : >

ping
Ver­such­sanord­nung >
20.05 – 20.07 Uhr MEZ
Krapp im Chat

[Login OK]
[Krapp joined chan­nel Wel­come!]
[82users in chan­nel Wel­come!]

RickJ2!!: Bye bye.
Krapp: „Have just eat­en I regret to say three bananas and
only with dif­fi­cul­ty refrained from a fourth.“
Gulli_S2: Hot­mail?
[kat­su left chan­nel Wel­come!]
UrFix­a­tion: Omg, stop it with the banana sto­ry.
Krapp: „Fatal things for a man with my con­di­tion.“
2005Guy!!: Ur…is get­ting visuals..lol
Gulli_S2: Hot­mail
[muff’ joined chan­nel Wel­come!]
Krapp: „Extra­or­di­nary silence this evening.“
UrFix­a­tion: lol
UrFix­a­tion: I am
RickJ2!!: Some old sto­ries krapp.
[muff’ left chan­nel Wel­come!]
Devilish.fr is away from key­board.
UrFix­a­tion: Flash­backs
UrFix­a­tion: lol
Gulli_S2: Fuck you!
Krapp: „I strain my ears and do not hear a sound.“
RickJ2!!: lol
[Gulli_S2 left chan­nel Wel­come!]
2005Guy!!: I bet…not pret­ty
UrFix­a­tion grins evil­ly.
RickJ2!!: Watch out gul­li
Krapp: „Just been lis­ten­ing to an old year,
pas­sages at ran­dom.“
[2HOT4YOU left chan­nel Wel­come!]
AngusY­oung: I just found out i have lung
can­cer and it sucks!
RickJ2!!: aww
Krapp: „I did not check in the book, but it must
be at least ten or twelve years ago.“
UrFix­a­tion: Where did that come from?
[Gui­tarAd­dict­ed left chan­nel Wel­come!]
2005Guy!!: Woaw.
[Play­boylovers joined chan­nel Wel­come!]
Krapp: „Now the day is over.“
2005Guy!!: Zack­ly.
SlicK­girl: Should i sim­ply mute him?
[Muff joined chan­nel Wel­come!]
RickJ2!!: Same sto­ries krapp, right?
[Kalkan left chan­nel Wel­come!]
[Space Mon­key left chan­nel Wel­come!]
Muff greets all.
Krapp: „Night is draw­ing nigh-igh.“
[Por­to-boy joined chan­nel Wel­come!]
2005Guy!!: I thought i just had deza­vu…
RickJ2!!: Get it??
Play­boylovers: hi dudes
Play­boylovers: lol
Krapp: „Shad­ows.“
2005Guy!!: Don’t know how to spell it..lol
[AngusY­oung left chan­nel Wel­come!]
RickJ2!!: Hey baa­by
[Bryan1997_4_you joined chan­nel Wel­come!]
[Desiree left chan­nel Wel­come!]
Bryan1997_4_you: Hi all
Muff: Chess game any­body?
Bryan1997_4_you: Any­one wan­na chat
RickJ2!!: Krapp do you know eng­lish?
[Andriy!!!! left chan­nel Wel­come!]
[Lana-puma-hoty joined chan­nel Wel­come!]
19-m-Fran­cais: Kein Deutsch hier?
UrFix­a­tion: Nein
Muff: RickJ2 do you fan­cy me.
Krapp: „Past mid­night. Nev­er knew such silence.
The earth might be unin­hab­it­ed.“
The­bigone greets all.
[BlackScor­pi­on left chan­nel Wel­come!]
[Joe­NY left chan­nel Wel­come!]
Bryan1997_4_you: hi court­ney
RickJ2!!: what u mean muff
[Coun­try-Boy joined chan­nel Wel­come!]
Muff: RickJ2 why do u ignore me?
Por­to-boy greets all.
[Krapp left chan­nel]
[Wel­come!]

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MELDUNG : ameisengesellschaft ln — 788

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MELDUNG. Ameisen­ge­sellschaft LN – 788 [ lasius niger ] : Posi­tion 48°21’N 07°01’O : Fol­gende Objek­te wur­den von 14.00 – 15.55 Uhr MESZ über das nord­west­liche Wen­del­por­tal ins Waren­haus einge­führt : siebe­nundzwanzig trock­ene Fliegen­tor­si mit­tlerer Größe [ je ohne Kopf ], sechzehn Baum­stämme [ à 5 Gramm ], vier Rau­pen in Grün, zwei­hun­dertzwölf Rau­pen in Orange, zwei Insek­ten­flügel [ ver­mut­lich die eines Zwergkopf­nacht­fal­ters ], fünf Stre­ich­holzköpfe [ à 2 Gramm ], vier Fliegen der Gat­tung Cal­liphori­dae in vollem Saft, son­nengetrock­nete Rosen­blät­ter [ ca. 20 Gramm ], ein­hun­dert-vierund­vierzig Sch­neck­en­häuser [ je ohne Sch­necke ], acht gelähmte Sch­neck­en [ je ohne Haus ], 5328 Ameisen anliegen­der Staat­en [ betäubt oder tranchiert ], sechs Rüs­selkäfer [ blautürkise ], die Aaskugel eines Pil­len­drehers, wenig später der Pil­len­dreher selb­st, eine Wild­bi­ene, siebzehn Frag­mente eines Blattes [ Ilias / Homer ] 7.5 Gramm. – stop

sprachwanderung

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kil­i­mand­scharo : 6.51 — Ein­mal nur für eine Stunde oder zwei, je ein Inu­it, Chi­nese, Marokkan­er, Fran­zose, Kurde, Tut­sie, Israeli oder Nor­weger sein, um hören zu kön­nen, wie die deutsche Sprache von dort aus klingt. — stop

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zeppelin

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lima : 1.38 — Früh­mor­gens, sobald ich den anatomis­chen Prä­pari­er­saal betrete, immer wieder der Ein­druck, an einem nicht wirk­lichen Ort zu sein, an einem geträumten Ort, obwohl ich der fes­ten Überzeu­gung bin, längst wach gewor­den zu sein. Ich schlen­dere, unwirk­lich selb­st und wirk­lich zugle­ich, an jun­gen Men­schen vorüber, die Herzen oder Gehirne oder Muskel­grup­pen studieren, und ich höre, wie sie von ein­er Dampfer­fahrt erzählen, die sie am Abend zuvor  unter­nom­men haben, höre, wie sie sich verabre­den, höre, wie sie mich grüßen. Manch­mal reiche ich eine Hand und ich spüre eine weit­ere Hand in mein­er Hand, ihre Bewe­gung, und doch der Gedanke, bei­de Hände und jede der Stim­men um mich her kön­nten nicht wirk­lich existieren. — Alles, was ich sehe und höre, sehe und höre ich in meinem Kopf.  — stop

ping

stanislav lem : ein langsamer brief

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ulysses : 5.05 — In der Nacht zum 17. April 2010 im Schlaf eine inter­es­sante Erfahrung der Zeit. Ich hat­te mir vorgenom­men, eine Zug­fahrt nach Mon­tauk zu träu­men. Stattdessen träumte ich, Stanislav Lem habe mir einen Brief geschrieben. Ein geheimnisvolles Büro über­mit­telte mir den ersten, und zu diesem Zeit­punkt gle­ich­wohl einzi­gen Buch­staben ein­er Nachricht des Schrift­stellers an mich mit dem Hin­weis, ich müsse von diesem Zeit­punkt an geduldig warten, da die Zeit der jen­seits Leben­den sehr viel langsamer verge­hen würde, als die Zeit der dies­seits existieren­den Men­schen. Mit einem weit­eren Zeichen, einem zweit­en Zeichen des Briefes, sei im Juni, und zwar doch im Juni des laufend­en Jahres zu rech­nen. Ich wachte damals auf und war fröh­lich und machte mich unverzüglich an die Beobach­tung eines Nachricht­en­schat­tens, den fliegende vulka­nis­che Mikro­ge­birge über Europa erzeugten. Der über­tra­gene Bucht­stabe, den mir Stanislav Lem damals über­mit­telt hat­te, war ein l gewe­sen. Als im Juni der zweite Buch­stabe des Briefes über­tra­gen wurde, es han­delte sich um ein i, wurde deut­lich, weshalb Geduld von mir erwartet wurde, da sich ein Wort deut­lich bes­timmte, das mich im Jahre 2011, und zwar im Novem­ber voll­ständig erre­icht haben würde. Ein gewiss­er Moment von Span­nung war zunächst wieder im Jan­u­ar des Jahres 2012 zu spüren gewe­sen, da ein voll­ständig neues Wort mit einem ersten Zeichen aufgenom­men war. Ein großgeschriebenes l, das zweite bere­its, traf ein, ihm fol­gte im April ein o, sowie im Juli der Buch­stabe u. Zu diesem Zeit­punkt also ist noch kein­er­lei Anlass zur Aufre­gung gegeben. Ich werde bei Gele­gen­heit Weit­eres bericht­en. – stop

winterfliegen

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char­lie : 6.37 — Regen fällt. Soviel Regen fällt, dass die Nachtluft hell wird vom Wass­er. Vielle­icht war es diese Helle, die mich an die Frage nach der Exis­tenz der Win­ter­fliegen erin­nerte. Vor eini­gen Tagen hat­te ich mich auf die Suche nach dieser Spezies begeben. Nicht in der wirk­lichen, aber in der Welt der Zahlen, welche Zeichen, Bilder, Filme in Licht­geschwindigkeit durch den Raum trans­portieren. Ich suchte nach Win­ter­fliegen vornehm­lich in den Mag­a­zi­nen dig­i­taler Bib­lio­theken, aber ich habe keine Fliegen­sorte gefun­den, die meinen Vorstel­lun­gen ein­er polaren Fliegen­gat­tung entsprochen haben würde, denn die Art der Win­ter­fliegen sollte in eisiger Umge­bung existieren, in Höhlen, stelle ich mir vor, die sie mit ihren Fliegen­füßen höch­st­per­sön­lich in den Schnee gegraben haben. Vielle­icht sind sie von Natur aus eher küh­le Wesen, oder aber sie tra­gen einen Pelz, ein Fell, wie das der Eis­bären, weiche, weiße Män­tel von Haut und Haar, die ihre äußerst langsam schla­gen­den Herzen schützen. Diese Fliegen wer­den ein­hun­dert Jahre oder älter, sie kön­nten sich von fein­sten Stäuben ernähren, vom Plank­ton der Luft, das aus windge­bück­ten Wäldern ange­flo­gen kommt, Moose, Birken­pollen, Kot­sand von nordis­chen Füch­sen. Ich stelle mir vor, dass diese Fliegen so weiß sind, dass man sie nicht sehen wird, wenn sie über den Schnee spazieren. Man wird meinen, der Schnee bewege sich selb­st oder es wäre der Wind, der den Schnee bewegt, aber stattdessen sind es die Fliegen, die nicht größer sind als jene Fliegen, die nachtwärts in mein­er Küche im Som­mer aus einem Apfel steigen. — stop
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giuseppi logan

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himalaya : 6.45 — Vor zwei oder drei Monat­en habe ich eine Geschichte gele­sen, von der ich mich sagen hörte, sie sei eine Geschichte, die ich nie wieder vergessen werde, die Geschichte selb­st und auch nicht, dass sie existiert, dass sie sich tat­säch­lich ereignete, eine Geschichte, an die ich mich erin­nern sollte selb­st dann noch, wenn ich meinen Com­put­er und seine Dateien, meine Notizbüch­er, meine Woh­nung, meine Karteikarten bei einem Erd­beben ver­lieren würde, alle Verze­ich­nisse, die ich studieren kön­nte, um auf die Geschichte zu stoßen, wenn sie ein­mal nicht gegen­wär­tig sein würde. Diese Geschichte, ich erzäh­le eine sehr kurze Fas­sung, han­delt von Giusep­pi Logan, der in New York lebt. Er ist Jazzmusik­er, ein Mann von dun­kler Haut. Logan, so wird berichtet, atme Musik mit jed­er Zelle seines Kör­pers in jed­er Sekunde seines Lebens. In den 60er Jahren spielte er mit leg­endären Kün­stlern, nahm einige bedeu­tende Free­jaz­zplat­ten auf, aber dann war die Stadt New York zu viel für ihn. Er nahm Dro­gen und war plöt­zlich ver­schwun­den, manche sein­er Fre­unde ver­muteten, er sei gestor­ben, andere spekulierten, er kön­nte in ein­er psy­chi­a­trischen Anstalt vergessen wor­den sein. Ein Mann wie ein Black­out. Über 30 Jahre war Giusep­pi Logan ver­schollen, als man ihn vor weni­gen Jahren in einem New York­er Park lebend ent­deck­te. Er existierte damals noch ohne Obdach, man erkan­nte ihn an seinem wilden Spiel auf einem zer­beultes Sax­ophon, einzi­gar­tige Geräusche. Fre­unde besorgten ihm eine Woh­nung, eine Plat­te wurde aufgenom­men, und so kann man ihn nun wieder spie­len hören, live, weil man weiß, wo er sich befind­et von Zeit zu Zeit, im Tomp­kins Square Park näm­lich zu Man­hat­tan. Es ist ein kleines Wun­der, das mich sehr berührt. Ich will es unter der Wort­bo­je Giusep­pi Logan in ein Verze­ich­nis schreiben, das ich auswendig ler­nen werde, um alle die Geschicht­en wiederfind­en zu kön­nen, die ich nicht vergessen will. — stop
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von den vasentieren

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tan­go : 3.15 — Tage­lang habe ich über­legt, ob es sin­nvoll ist, über die Exis­tenz der Vasen­tiere weit­er nachzu­denken. In diesem Diskurs mit mir selb­st, haben meine Vorstel­lun­gen über das Wesen und die Gestalt der Vasen­tiere, indessen weit­er an Präzi­sion zugenom­men, ohne dass ich das zunächst bemerk­te. Ein­mal wartete ich an ein­er Ampel unter ein­er Kas­tanie. Es war früher Abend und ich nutzte diese Sit­u­a­tion des Innehal­tens, um mir vorzustellen wie es sein kön­nte, wenn ich eine Vase wäre. Ich hielt zunächst den Atem an, was eigentlich nicht notwendig gewe­sen war, Vasen­tiere dür­fen atmen, Vasen­tiere müssen atmen, und ver­suchte mich so wenig wie möglich zu bewe­gen, eine innere feste Struk­tur auszu­bilden, sagen wir, eben eine Art Behäl­ter zu sein. Das ist gut gelun­gen, auch nach­dem ich von ein­er Kas­tanie auf den Kopf getrof­fen wor­den war, bewegte ich mich nicht. In diesem Moment wurde stattdessen deut­lich, dass Vasen­tiere niemals flücht­en, weil sie nicht flücht­en wollen und weil sie nicht flücht­en kön­nen, ihnen fehlen Füße und Beine. Aber sie haben Augen und Ohren, und sind von ihrer organ­is­chen Kon­struk­tion her begabt, For­men nachzuah­men, die geeignet sind, tief­ere Gewäss­er in sich auszu­bilden, das ist nicht ver­han­del­bar. Auch nicht, dass sie das Wass­er zur Ver­sorgung der Pflanzen, welchen sie Her­berge bieten, aus der Luft ent­nehmen, sei sie noch so trock­en. Möglich ist, dass Vasen­tiere, die in der Lage sind, mit­tels ihrer Gedanken Bewe­gung zu for­mulieren, eher unglück­liche Wesen sein wer­den, daran sollte man unbe­d­ingt denken, ehe man sich an die Ver­wirk­lichung der Vasen­tiere machen wird. — stop

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delta : 6.46 — Das war so gewe­sen. Kurz nach dem Aben­dessen tre­ffe ich im Zug auf einen Fre­und. Er kam ger­ade vom Gebet. Ich weiß nicht wie er das macht, er betet an allen denkbar unmöglichen Orten, aber immer zur recht­en Zeit. Wir müssen nicht mehr darüber sprechen, er ist Moslem, überzeugt, tiefgläu­big, ich bin Christ, ein­er, der eher zweifelt, aber nicht NEIN sagen will, nicht, dass das alles Unfug ist mit den Jen­seits­geschicht­en. Mein Fre­und und ich lieben Jazz. Er ist ein Schlagzeuger von hoher Begabung, ich habe ein feines Gehör, das ist die andere Seite, mein beben­des Zwer­ch­fell, wenn er spielt. Was das doch für ein Irrsinn wieder ist, dieser Film, diese Pro­voka­tion, dass das nie aufhört, sagte er dann doch in meine Rich­tung. Und dass ihm das vor allem so unan­genehm sei, weil wir doch wie Pup­pen sind, die man aufziehen kann, irgend­wo eine böse satirische Zeich­nung, und schon tanzen wir los. — Ja, das ist äußerst selt­sam, diese Art der Kom­mu­nika­tion über große Ent­fer­nun­gen hin­weg, die Men­schen­leben fordert. Über­haupt ist das merk­würdig, die Schöp­fung, der Tod, das Erzählen von der Zeit danach, die Geset­ze, die Bew­er­tung nach Gut und Böse. Ich erin­nere mich, wie ich vor vie­len Jahren ein­mal mit meinem Vater vor einem Fernse­hgerät saß. Das war an einem Oster­son­ntag kurz vor 12 Uhr mit­tags gewe­sen. Auf einem Balkon in Rom stand ein alter Mann, er trug einen merk­würdi­gen Hut auf dem Kopf und sprach in sin­gen­der Weise Verse, von welchen ich ahnte, dass es sich nur um ein Gebet han­deln kön­nte. Das Gebet war in meinen Ohren nicht ver­ständlich gewe­sen, weil es in ital­ienis­ch­er Sprache gesun­gen wurde, aber dann äußerte sich der geistliche Mann plöt­zlich in ein­er mir bekan­nten Sprache. Meine Mut­ter war indessen hinzuge­treten. In genau dem Moment als der alte Mann seinen Segen erteilte, kni­ete sie nieder und bekreuzigte sich. Ich erin­nere, mich über ihre Geste gewun­dert zu haben, das Knien vor einem Fernse­hgerät. Genaugenom­men wun­dere ich mich bis heute, wie die Segen wan­dern. — stop
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rom : ein flugzeug

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marim­ba : 22.58 — Man müsste ein­mal ein Flugzeug erfind­en, das nicht sicht­bar und doch wirkungsvoll anwe­send ist. Unsicht­bare Sitze, auf welchen sicht­bare Pas­sagiere Platz genom­men haben, durch­sichtige Steuerknüp­pel, durch­sichtige Flügel, ein durch­sichtiges Leitwerk. Man sieht nun Men­schen, wie sie über Taxi­way­bah­nen eines Flughafens schweben, gut sortiert, acht Per­so­n­en zu ein­er Rei­he nebeneinan­der, so sitzt man. Da und dort liegen schlampiger­weise Taschen herum, Ruck­säcke, Zeitun­gen, auch sie sind sicht­bar wie ihre Besitzer und die Ben­zine in den Flügeln der Maschi­nen, das Nest der Kof­fer am Flugzeugheck, jene zwei Her­ren mit ihren akku­rat gefal­teten Fliegerhauben an der Spitze der Prozes­sion, bald wird man sehen wie das alles fliegt sehr steil gegen den Him­mel zu. Und dieser Blick nun nach unten, Seen, Straßen, Wälder, Schnee auf den Bergen, das Meer, die große Stadt im Anflug, ein rötlich brauner Fleck in ein­er Land­schaft, die hell ist. Es war viel Wind unter­wegs und beständig das Gefühl in die Tiefe zu fall­en, weil die Sub­stanzen des Flugzeuges nicht zu sehen gewe­sen waren. Nun aber Rom. Da ste­he ich mit bei­den Beinen fest auf einem Boden, unter dem viel Zeit­spur im Ver­bor­ge­nen liegt. Das Taxi, das durch das großzügige Spalier der Zed­ern­bäume gleit­et, Schirmpinien da und dort in Step­pen­land­schaft jen­seits der Straße. Plöt­zlich dicht­es Häuserge­füge in warmerdi­gen Far­ben, braun, ock­er, gelb, rot, orange, an den Ampeln helle Wölkchen von Bleiluft, die aus knat­tern­den Roller­mo­toren paf­fen. Via del­la Magliana, Via Portuense, Via Quiri­no Majo­rana, Via delle For­naci, Via delle Mura Aure­lie. Vor dem Haus liegen drei scheue, schlanke Katzen. Das Gespräch der Möwen auf ihrem Flug gegen Traste­vere. – stop
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rom : antennenbild

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nord­pol : 2.28 — Däm­merung. Die Kup­pel der Peters­basi­li­ka plöt­zlich in Sicht wie ich um eine Häuserecke komme. Selt­sam blaues Leucht­en, als würde sich das abwan­dernde Licht des Him­mels auf den Kupferblechen des Daches spiegeln. Dann ist’s stock­fin­ster gewor­den und die Kup­pel schim­mert noch immer blautürkise wie zuvor. Sehr kleine Men­schen spazieren über Bernini’s Platz, sitzen in der war­men Abend­luft auf Brun­nen­rän­dern und Trep­pen­stufen, die unter Kolon­naden den Platz umar­men. Ziem­liche Stille. Kaum Tauben. Keine Katzen, nicht ein­mal schläfrige Augen­lichter. Ein paar Män­ner arbeit­en sich pfeifend durch Türme von Stühlen. Sobald sie einen Stuhl von einem der Gebäude heben, wird es etwas klein­er, bildet eine Rei­he aus wie einen Arm, der sich an ein­er Schnur ent­lang aus­richtet, tausende wartende Objek­te, auf welchen bald Men­schen sitzen wer­den, die beten oder schreien oder ihre Stüh­le besteigen, weil auch andere bere­its auf Stühlen ste­hen. Das ist der Moment, da man als Pil­ger oder Beobachter vielle­icht seinen Namen heim­lich in einen der Stüh­le ritzen möchte oder eine Fig­ur zeich­nen, die Ähn­lichkeit zur eige­nen Per­son aufzeigen wird, sodass man etwas zurück­lässt auf dem Platz, ein Anten­nen­bild um später­hin päp­stlichen Segen aus der Ferne ein­fan­gen zu kön­nen. Michelan­ge­lo heim­lich, eine Vorstel­lung, die möglich ist in der Nacht im san­ften Lat­er­nen­licht nahe des Mader­no-Brun­nens, wie er sich nach Jahrhun­derten wun­dert über das Blau dieser Kup­pel, das er so nicht ange­ord­net haben mag. — stop

rom : am tiber

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nord­pol : 10.32 — Gestern, am späten Abend, von ein­er Tiber­brücke aus einen Mann beobachtet, der am Ufer des Flusses vor ein­er Inse­laus­buch­tung kauerte. Der Mann füt­terte größere und kleinere Tiere mit sein­er linken Hand, in der recht­en Hand hielt er eine Angel fest. Das war nicht sofort zu erken­nen gewe­sen, weil sich im Fluss und auch in der Luft über dem Fluss nichts bewegte, nicht ein­mal das Wass­er zeigte Strö­mung. Die Flus­sober­fläche schim­merte im Mondlicht wie ein See, und das Schilf des Ufers schien von Winden, nicht von wil­dem Wass­er gebeugt. Da waren Schat­ten im Gras der kleinen Insel, hun­derte vor­wärts oder rück­wärts sprin­gende Schemen. Noch nie zuvor habe ich so viele Rat­ten auf einen Blick gese­hen. Wie Eisen­späne ein­er physikalis­chen Anord­nung zur Unter­suchung mag­netis­ch­er Felder waren sie zu dem Mann hin aus­gerichtet, wirbel­ten durcheinan­der, sobald der Mann Fut­ter­ware unter die Tiere schleud­erte. Dann wieder stilles Warten. Eine Bisam­rat­te, scheuer Herrsch­er, enterte das Land. — Am fol­gen­den Tag kehre ich mor­gens zur Nacht­brücke zurück. Der Mann kauert noch immer vor der kleinen Insel und angelt im Fluss. Möwen haben sich genähert. Rat­ten sind nur wenige zu sehen, aber Tauben. Wenn der Mann einen Fisch erbeutet, wirft er ihn seinen Fre­un­den vor die Füße. An den steilen Wän­den der kün­stlichen Tiber­fas­sung da und dort blühende Büsche. Eidech­sen zün­geln gegen die Sonne. — stop
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